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Ludwig-Börne-Preis 2013

“Modesty is not your main competence” – diesen Satz würde er gelegentlich von seiner Gattin hören, erwähnte gestern Hans Ulrich Gumbrecht, als er die Laudatio auf den von ihm ausgewählten Ludwig-Börne-Preisträger 2013, Peter Sloterdijk, hielt. Aber wer bescheidene Menschen sehen will, geht an einem solchen Tag auch nicht in die Paulskirche. Der Ludwig-Börne-Preis gilt als die höchste intellektuelle Auszeichnung in Deutschland und wird an Essayisten und Kritiker vergeben. Im vergangenen Jahr erhielt die Auszeichnung der Historiker und FR-Kolumnist Götz Aly. (Zu meinem Artikel über die Preisvergabe 2012 hier klicken)

Der Preisträger wird von einem einzigen – vom Vorstand der Börne-Stiftung bestimmten – Juror nach eigenem Ermessen ausgesucht. Bei der gestrigen Preisverleihung an Peter Sloterdijk fehlten einige vorjährige Preisträger, z.B. Alice Schwarzer, die 2008 von Harald Schmidt ausgewählt wurde, und Hendryk M. Broder. Letzterer ist vor allem dadurch bekannt geworden, dass er nahezu wahllos Menschen als Antisemiten beschimpft, der jüngste Fall ist Jakob Augstein, der sich von Broder als “antisemitische Dreckschleuder” bezeichnen lassen musste. Weiterlesen »

Eine junge Demonstrantin zu einem Sanitäter: “Danke, dass ihr gekommen seid.” Antwort: “Danke, dass ihr gekommen seid!” (Kurzes Gespräch am Rande der Kundgebung in der Hofstraße)

Jan Umsonst, der Anmelder der “Sündenblock”-Solidaritäts-Demo hat sich bei der Auftakt-Kundgebung am Baseler Platz klar positioniert: Eine friedliche Demo soll es werden, ohne Gewalt, jede packt an, jeder passt auf. Es kamen viel mehr Menschen als erwartet, die Zahlen schwanken zwischen 7.000 und 20.000. Weiterlesen »

So friedlich hätte es auch eine Woche zuvor sein können:

Die Grünen im Frankfurter Stadtparlament haben gestern Abend die Koalitionsräson fahren lassen und für den Antrag der SPD-Fraktion gestimmt, der den Polizeieinsatz während der Demo am 1.6.2013 als “völlig unverhältnismäßig” und die stundenlange Einkesselung von mehreren Hundert Demonstranten als “klaren Verstoß gegen geltendes Recht” sowie “in jeder Hinsicht überzogen” verurteilt. (NR 625, siehe Parlis)

Der Frankfurter Kämmerer Uwe Becker (CDU) stellte sich indes vor Innenminister Rhein und wies auf mögliche Gefahren durch “angereiste Krawallmacher” hin. Weiterlesen »

Auch Rechtswissenschaftler, wie der Professor für Staatsrecht an der Universität Bielefeld Christoph Gusy, Spezialist für Polizeirecht und innere Sicherheit, wenden sich mittlerweile gegen das Verhalten der Polizei bei der genehmigten Demo am 1.6.2013, in der ca. 10.000 Menschen an der Ausübung Ihres Grundrechts auf Versammlungsfreiheit gehindert wurden (siehe FAZ vom 6.6.2013). Occupy hat für den kommenden Samstag zu einer Demonstration gegen Willkür, Gewalt und die Einschränkung der demokratischen Grundrechte aufgerufen, die sich um 12 Uhr am Baseler Platz in Frankfurt am Main treffen und die Route gehen wird, die den Demonstranten eine Woche zuvor verweigert wurde.

Als Redner angekündigt ist Urban Priol:

Reicht es nach dem Zusammenbruch noch “für a weng Demokratie”? fragt in dem Video Erwin Pelzig.

“Die Unfähigkeit, sich kulturell, also in den Modi des Wahrnehmens und Handelns unter Stress auf die veränderten Bedingungen anders einzustellen als mit intensiviertem Erfahrungshandeln, führt regelmäßig zu so etwas wie einem gesellschaftlichen Tunnelblick und damit dazu, dass andere Möglichkeiten gar nicht mehr wahrgenommen werden können.

Alternativlosigkeit empfanden auch die grönländischen Wikinger, als ihnen die Nahrung ausging. Sie hätten nur Fisch zu essen brauchen, aber der galt in ihrer Kultur nicht als essbar. So sinnlos stirbt man aus.”
(Harald Welzer in “Selbst denken”, S.Fischer Verlag )

Von diesem Buch kann ich schon nach wenigen Seiten versprechen, dass es das Qualitätsmerkmal umami verdient hat und empfehle, es bei der nächsten Demo mitzunehmen, falls der Zug aus unerfindlichen Gründen mal wieder für 6, 7 Stunden gestoppt wird.

Mit diesem Video wirbt “Der Sündenblock” für eine Solidaritätsdemo gegen Polizeigewalt am 8.6.2013 um 12 Uhr am Baseler Platz: