Frauke Petry will nicht der AFD-Fraktion angehören

„Eine anarchische Partei kann dem Wähler kein Angebot für eine Regierungsübernahme machen“, mit diesen Worten hat Frauke Petry in der Bundespressekonferenz mitgeteilt, dass sie der AFD-Fraktion im Bundestag nicht angehören will. Ohne auf die Proteste ihrer Parteifeinde oder auf Fragen der Journalisten einzugehen, rauschte sie aus dem Saal. Das bedeutet wohl, dass sie als Fraktionslose in den Bundestag einzieht und dort versucht, weitere AFDler abzuwerben.

Haben sich die Demokratie verachtenden Protestwähler das so vorgestellt?

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Bundestagswahl 2017: Warum AFD?

In dieser Runde saß ich gestern Abend: Wohlhabende Leute um die 60 Jahre, aufgestiegen aus dem Arbeitermilieu in den Mittelstand, Wohneigentum, gute Altersversorgung, bio-deutsches Wohnumfeld, lebenslang in Frieden gelebt, mehrmals im Jahr in Urlaub gefahren, eingeheiratete Russlanddeutsche in der engsten Familie, Interesse an Politik knapp über Null. Dennoch wählen die bei der nächsten Bundestagswahl AFD.

Warum? Eine andere Erklärung als diese „diffuse Unzufriedenheit ziemlich vieler Bürger mit ihrem Platz in der Gesellschaft“, wie Thomas Fricker in der Badischen Zeitung schrieb (KLICK) fällt mir nicht ein.

Es ist sehr frustrierend.

Wer wird denn gleich in die Luft gehen?

„Ich würde mich auch gern so aufregen wie du“ – sagte vor fast dreißig Jahren meine Tischnachbarin Inge in der Abendgymnasiumsklasse, als ich mal wieder mit dem Mathelehrer über das „unvermeidbare Restrisiko“ stritt und weiter: „Aber ich darf nicht, ich habe multiple Sklerose.“ Worauf sie nicht verzichten wollte, war ein Kind. Da studierten wir schon jede an einer anderen Uni. Die stille Inge lebt schon lange nicht mehr.

Ich aber führe mich gelegentlich immer noch auf wie das in meiner Kindheit berühmte HB-Männchen. Mein Vater, der selbstverständlich HB rauchte, nahm sich das Männchen als positives Vorbild. Kindheit prägt.
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Erinnerung

Beim Aufräumen der Kommode habe ich ein paar dicke Socken gefunden, die mir vor sechs Jahren mein Bruder geliehen hat, dicke schwarze Männersocken. Es war an einem Freitag, als mich meine Mutter um die Mittagszeit im Büro anrief und sagte, du solltest nach Hause kommen. Der Arzt meinte, es könnte heute soweit sein. Ich fuhr mit S-Bahnen und Bus von Offenbach in die Wetterau, und hatte dadurch genügend Zeit mich vorzubereiten. Als ich im Elternhaus ankam, waren alle Geschwister da und auch die Enkel meines Vaters. Er lag in seinem medizinischen Bett im Wohnzimmer. Seit einem halben Jahr lag er so, mit Blick in den Garten. Jetzt atmete er laut und rasselnd. Mein Neffe hielt die rechte, ich an der anderen Seite des Bettes die linke Hand des Sterbenden. Jemand weinte. Ich fror. Weiterlesen

Die Läden meiner Kindheit: Von Caspari zu Toom

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In meiner frühen Kindheit war Einkaufen gehen kein Stress. Ich lief an der Hand meiner Mutter ein Stück die Gangstraße entlang, links lag die Einfahrt des Getränkehändlers, wo sich der Modergeruch des Kellergewölbes mit dem Duft von Apfelsaft mischte. (Damals trank kein Mensch Apfelschorle, warum den Gödderdroppe verdünnen? Diese Unart wurde von den Zugezogenen in den 90ern eingeführt, weil zuviel Zucker nicht gesund ist für den dauernuckelnden Nachwuchs.)

Geradeaus der Weiße Turm, bei dessen Anblick ich mich täglich fragte, ob die Prinzessin noch im Turm eingesperrt war oder schon befreit wurde. Im Laden von Caspari kaufte meine Mutter sich kleine Nescafe-Döschen für 20 Pfennig. Gegenüber war ein Gemüseladen, der nach frischem Obst und gerade weggefegtem leicht angefaultem Gemüse roch. (In der Frankfurter Kleinmarkthalle kann man diesen Geruch noch finden.)

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