Gauland: Ich wünsche mir Nazi- Deutschland zurück

Nein, ganz so hat es der 76-jährige Spitzenkandidat der AFD nicht gesagt, sondern: „Ich wünsche mir das Deutschland meiner Eltern zurück“.

Der Autor Leif Tewes hat ein Jahr lang undercover bei der AfD recherchiert. In der Frankfurter Rundschau ist ein Interview mit ihm. Lesen!

„Noch zwei, drei Anschläge. Das mobilisiert unsere Wähler“ (Danijel Majic im Gespräch mit Leif Tewes in der Frankfurter Rundschau vom 16.8.2017)

Gut gescheitert

„Wenn nur noch das Gelingen zählt, wird jedes Misslingen zur schlimmen Störung. Wenn schon das Kleinkind nie hinfallen soll, wird es nie aufstehen lernen und den kleinsten Kratzer als Katastrophe werten. Wenn das Schulkind nach einer misslungenen Arbeit immer nur für sein „großes Potential“ gelobt wird, wird es nie Niederlagen wegstecken können.“ (Philosoph und Buchautor Wilhelm Schmid in dem schönen Audio zum Thema Scheitern auf swr: KLICK )

Bundestagswahl 2017: Warum AFD?

In dieser Runde saß ich gestern Abend: Wohlhabende Leute um die 60 Jahre, aufgestiegen aus dem Arbeitermilieu in den Mittelstand, Wohneigentum, gute Altersversorgung, bio-deutsches Wohnumfeld, lebenslang in Frieden gelebt, mehrmals im Jahr in Urlaub gefahren, eingeheiratete Russlanddeutsche in der engsten Familie, Interesse an Politik knapp über Null. Dennoch wählen die bei der nächsten Bundestagswahl AFD.

Warum? Eine andere Erklärung als diese „diffuse Unzufriedenheit ziemlich vieler Bürger mit ihrem Platz in der Gesellschaft“, wie Thomas Fricker in der Badischen Zeitung schrieb (KLICK) fällt mir nicht ein.

Es ist sehr frustrierend.

Bundestagswahl 2017: Reden wir über Inhalte!

In sechs Wochen ist Bundestagswahl. Zum Wahlkampfauftakt besuchte gestern Torsten Schäfer-Gümbel meinen Stadtteil. Zusammen mit der im Wahlkreis antretenden Bundestagsabgeordneten Ulli Nissen und der Frankfurter Stadtverordneten Kristina Luxen lud er SPD-Mitglieder und interessierte BürgerInnen ins hiesige Apfelweinlokal zu Wurstplatte und Äppler.

Gleich vorab: Es gibt (fast) nur nette Menschen in der SPD, die Wurst war lecker, Torsten Schäfer-Gümbel kann gut reden (allerdings war es einer Dame vorne zu laut, denn die Gäste passten in zwei Tischreihen, aber Schäfer-Gümbel sprach, als müsse er den Hessischen Landtag beschallen). Es war wie bei einem Familientreffen, wo man sich ein bisschen kabbelt, aber immer weiß, dass man aus dem gleichen Stall kommt.

In seinem Vortrag skizzierte Schäfer-Gümbel die Wahlkampfstrategie der SPD: Die Sozialdemokratie rede über Inhalte, während Merkel den Diskurs über die Herausforderungen unserer Zeit verweigere. Mobilität, Veränderung der Arbeitsgesellschaft, Wohnraum seien die großen Themen unserer Zeit.

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Frankfurter Gewässer sind mit Fäkalienkeimen verseucht


Am Muttertag spazierte ich mit meiner Tochter am Pfingstberg entlang, einem idyllisches Fleckchen im Frankfurter Norden, wo ab und an ein paar Rinder grasen und Schafe ihr Gnadenbrot erhalten.

Der Weg führt den Eschbach entlang zum Jägersteg zwischen Harheim und Nieder-Eschbach. Eine junge Familie mit zwei kleinen Kindern spielte am Bach. Ich sprach die Familie an und fragte, ob sie wüssten, dass der Bach stark verunreinigt ist, weil in der Nähe eine Kläranlage ihr Abwasser einleitet. Sie verneinten.

Vor wenigen Wochen starben drei Menschen in der Frankfurter Uniklinik an einem Keim, den ein Mann eingeschleppt hatte, der zuvor in den Eschbach gefallen war.

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Jugendliche Arbeitshaltung

Ich habe ein neues Hasswort: Arbeitshaltung. Nicht, dass ich etwas gegen Leistungsorientierung, Disziplin und Verantwortung hätte, ich bin nur der Meinung, es gibt wichtigere Dinge im Leben eines Jugendlichen.

Chaotische, muffige Jugendzimmer, alte Keksverpackungen unterm Bett, die erst als solche erkennbar werden, wenn man die Staubflusen abgeschlagen hat, Antworten wie: „Ja,ja, mach ich schon, kümmer dich nicht“, die aber niemals zu irgendwelchen Ergebnissen führen – kennen alle Eltern.

Aber unabhängig vom Alltagskram bin ich an manchen Tagen voller Bewunderung für meine Tochter. Wie sie sich zurechtfindet in ihren Peergroups, wie sie die Balance findet zwischen Nähe und Abgrenzung von ihren Eltern. Wie sie die sozialen Medien nutzt, um sich neue Kreise zu erschließen (zur Zeit ist es die Jodel-App – die eigentlich für Studenten entwickelt wurde).

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Lieber cool und intelligent

Den Hype um die Toten Hosen habe ich noch nie verstanden. Krawallmusik für spätpubertäre Jungs halt. Die grottenschlechten Songtexte schreibt Campino für die Band. („Trinken einen auf den Tod, trinken zwei auf das Leben. Der Horizont wird rot, doch hab noch Bock zu reden. Alles dreht sich, doch das geht ja jedem so auf dem Planeten.“)

Früher ließ sich Campino bei Konzerten gern ins Publikum fallen. Bis er einmal im Osten auftrat und die dort nicht wussten, dass sie ihn auffangen müssen. Also plumpste er hart auf den Boden. Viel mehr weiß ich nicht über die Band. Zur Zeit kann man dem Campino aber nicht entgehen, weil er sich gegen Jan Böhmermann in Stellung bringt. Das ist ziemlich peinlich.

Lieber uncool sein als ein cooles Arschloch, das nicht in der Lage ist, sich konstruktiv einzubringen“, meint Campino über Böhmermanns Kritik am Deutschen Musikpreis Echo.

Ich sehe das anders. Böhmermann ungetrübter Blick auf die deutsche Musikszene ist witzig und scharfsinnig: