Disziplin und gute Bücher

„Warum können wir nicht mehr lesen – Was macht das Digitale mit unserem Gehirn und können uns Bücher davon befreien?“ fragte vor wenigen Monaten Hugh McGuire. André Pleintinger hat den Artikel aus dem Englischen übersetzt, den ich allen (ehemaligen?) Bücher-LeserInnen sehr ans Herz lege. (KLICK)

Auch ich habe in den vergangenen Jahren zahlreiche rationalisierende Argumente für die Tatsache gefunden, dass es mir schwerer fällt, mich auf ein Buch zu konzentrieren. Wir hängen alle an der Leine und müssen uns mühsam losreißen von der digitalen Sphäre, weil wir sonst etwas wesentliches verlieren: Die Fähigkeit, uns allein mit einem Text ganz in der Welt zu fühlen.

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Was macht eigentlich…

Norbert Niemann?

Ich habe mich das in der Vergangenheit öfter gefragt. Noch immer klingt sein TAK TAK TAK in meinen Ohren, wenn ich an den Ingeborg-Bachmann-Preis 1997 denke. Mit einem leidenschaftlichen, fast aggressiven Vortrag aus seinem Roman „Wie man´s nimmt“ gewann er den renommierten Preis. Meine Bereitschaft zur Bewunderung war auch damals schon recht ausgeprägt. Ich schrieb eine Besprechung über das Buch und besuchte seine Lesung im Frankfurter Literaturhaus, wohin ihn seine Mentorin, die Literaturwissenschaftlerin und Autorin Silvia Bovenschen begleitete:

Norbert Niemann liest im Literaturhaus Frankfurt 1997, links neben ihm: Silvia Bovenschen  (Foto: Carmen Treulieb)
Norbert Niemann liest im Literaturhaus Frankfurt 1997, links neben ihm: Silvia Bovenschen
(Foto: Carmen Treulieb)

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Frankfurter Buchmesse 2014: Letzter Tag

Zu den großen Gewinnern dieser Buchmesse gehört der Hanser Verlag, in dem nicht nur die Bücher des diesjährigen Nobelpreisträgers Patrick Modiano erscheinen, sondern auch der Erzählband „Wir haben Raketen geangelt“ von Karen Köhler, die man zweifellos als einen der Stars dieser Buchmesse bezeichnen kann. Die Autorin, die mir bisher durch ihre Kindertheaterstücke bekannt war, absolvierte viele Messetermine und offensichtlich völlig unangestrengt. Bei einem Gespräch mit der „ZEIT“, wo sie dem Moderator beschied, gerade eine blöde Frage gestellt zu haben, musste sie lange über sich selber lachen. So sympathisch die Autorin ist, so wenig harmlos sind ihre Erzählungen.

Autorin von "Wir haben Raketen geangelt" Karen Köhler
Autorin von „Wir haben Raketen geangelt“ Karen Köhler

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Frankfurter Buchmesse 2014: Tag 3

Andreas Steinhöfel signiert
Andreas Steinhöfel signiert

Andreas Steinhöfel hat ein neues Buch geschrieben: Anders. Es sei nicht zu vergleichen mit den Rico und Oskar-Büchern, sagt er am ZEIT-Stand. Kein besonders sympathischer Typ sei Felix Winter, eher ein bisschen gruselig. „Ich wollte ein Kind zeigen, das fast daran zerbricht, dass die Erwachsenen die Welt nicht gut gestalten.“ Weiterlesen

Deutscher Buchpreis 2014: Shortlist

Heute vormittag hat die Jury die Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2014 bekannt gegeben. Die sechs nominierten Autoren sind Thomas Hettche, Angelika Klüssendorf, Gertrud Leutenegger, Thomas Melle, Lutz Seiler und Heinrich Steinfest. Für die Hälfte der Autoren ist es keine Premiere: Hettche wurde bereits 2006 und 2010 nominiert, Klüssendorf und Melle waren schon 2011 auf der Auswahlliste des jährlich ausgelobten Preises, der erstmals 2005 vergeben wurde – jeweils zu Beginn der Frankfurter Buchmesse.

Nach Lektüre der Longlist-Leseproben ist mein Interesse außerdem an Ulrike Draesner und ihrem Roman „Sieben Sprünge vom Rand der Welt“ geweckt. Ich freue mich darauf, von einigen der nominierten Autoren während der Frankfurter Buchmesse Lesungen zu besuchen.

Longlist für den Deutschen Buchpreis 2014 steht fest

Die Jury des Deutschen Buchpreises 2014 hat die Longlist bekannt gegeben. Gelesen habe ich von den 20 nominierten Romanen nur „Unternehmer“ von Matthias Nawrat. Das im März bei Rowohlt erschienene und nur 144 Seiten starke Buch erzählt die Geschichte von Lipa und ihrer Familie, die sich im fortgeschrittenen Kapitalismus mit dem Ausschlachten von Elektronikmüll über Wasser hält und vom Auswandern nach Neuseeland träumt. „Dieses Buch kann lustig und zärtlich sein und (ist) trotzdem eines der bösesten und traurigsten über unsere Tage“ schreibt Judith von Sternburg in der Frankfurter Rundschau, die mich mit ihrer Besprechung auf das Buch aufmerksam gemacht hat.

Ab nächste Woche sind in vielen Buchhandlungen wieder die vom MVB Marketing- und Verlagsservice des Deutschen Buchhandels herausgegebenen Leseproben zur Longlist erhältlich.

Wer war Karin Struck?

Beim Zappen gestern Abend bin ich beim hr-fernsehen („Die legendärsten Talks und Interviews“) gelandet und habe dort Karin Struck wieder gesehen. Gezeigt wurde eine Szene aus 1993, als Karin Struck in die NDR-Talkshow eingeladen war und dort mit der damaligen Bundesministerin für Frauen und Jugend Angela Merkel über Abtreibung stritt. Das Video, in dem sich Karin Struck das Mikrofonkabel vom Körper zu reißen versucht, wozu sie schließlich ihre Strumpfhose auszieht, und wütend eine Wasserkaraffe ins Publikum wirft, ist heute noch auf you tube zu sehen.

Bei der gestrigen Sendung, die nach einer Zusammenstellung der skandalösesten TV-Liveszenen der letzten Jahrzehnte jeweils Prominente als Kommentatoren zu Wort kommen ließ, äußerste sich die grüne Claudia Roth und sagte etwas wie: Ja, die war halt eine extreme Abtreibungsgegennerin.

Karin Struck war viel mehr. Weiterlesen