Krisenzeiten 7: Mehr Aufregung!

Tatsächlich ist alles ruhig. Der Kleingarten ist unser aller Rettung. Wir gehen abwechselnd hin, das Kind lernt dort fürs mündliche Abi, bekommt Besuch von Freunden (einzeln, hoffe ich). Alle sind begeistert von diesem Ort, dem in Vor-Corona-Zeiten der Ruch des Spießigen anhaftete.

Gestern hatte ich einen leichten Lagerkoller und fuhr in die Stadt. In der U-Bahn waren viele männliche Kinder und Jugendliche ohne Maske – wahrscheinlich ist das die zeitgemäße Mutprobe. Ich habe einen Abstecher zur Demo am Rossmarkt gemacht, dort sprach eine AfD-Vertreterin vor 15 Anhängern gegen die Corona-Maßnahmen, weitläufig abgesperrt und beschützt von Polizisten vor ca. 300 Gegendemonstranten, die auch zu eng standen. Auf der Zeil war die Hölle los, das Kaufhaus, in das ich flüchtete, quält seine Kunden mit einem brutalen Lichtkonzept, ein perfekter Migräne-Trigger. Dennoch war es gut, mal wieder fremde Menschen zu sehen.

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Krisenzeiten 6: Würde

Jetzt also doch: Maskenpflicht. Einkaufen, Bus und Bahn fahren wird für Allergiker eine Herausforderung. Wer sowieso schon Probleme mit der Nasenatmung hat, für den wird der Atemwiderstand durch die Maske auf einer längeren Fahrt mit dem ÖPNV schwierig zu bewältigen sein.

Ach, dann fahren wir halt wieder alle Auto, gell!

Der Tagesspiegel hat ein interessantes Interview mit Wolfgang Schäuble geführt:

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Krisenzeiten 5

„Wir haben nicht damit gerechnet, aus Machtarroganz, aus kapitalistischer Überlegenheitsarroganz, aus Durchsetzungsarroganz: Kapital schafft alles – auch Viren, und deshalb keine Vorsorge getroffen, an Schutzkleidung, Masken, etc.“ (Bazon Brock im dlf-Podcast „Optimisten sind Volksverdummer“: KLICK)

Denkt ihr öfter als früher an den Tod? An Euren oder an den Eurer Angehörigen? Denkt Ihr: Mist, ich wollte doch noch Delfine in Freiheit sehen? Oder, wenn das rum ist, gehe ich jede Woche dreimal ins Restaurant? Und, sobald ich darf, fahre ich ans Meer?

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100. Geburtstag von Marlen Haushofer

In meiner Jugend war Marlen Haushofer für mich der Gegenentwurf zu Simone de Beauvoir. Beide habe ich geliebt. Ich fuhr nach Paris, setzte mich allein ins Cafe Flore und stellte mir vor, gleich kommt Simone mit Sarte, Albert Camus und dem kleinen Bost zur Tür herein. Ich konnte nicht einmal französisch, nur das Nötigste, um Cafe oder Wein zu bestellen, aber das hat beim Tagträumen eher noch geholfen.

Simone de Beauvoir wurde in eine reiche Bürgerfamilie hineingeboren, die im 1. Weltkrieg und durch die Oktoberrevolution ihr Vermögen verlor. Während des Philosophie-Studiums lernte sie Jean-Paul Sartre kennen und begann mit ihm eine intellektuell fruchtbare Beziehung, die ein Leben lang hielt, aber nicht exklusiv war. Ihren feministischen Klassiker „Das andere Geschlecht“ habe ich natürlich gelesen, aber weit mehr bedeutet haben mir ihre Memoiren, in denen sie ihr Leben in Paris und die Gespräche mit den wichtigsten Philosophen ihrer Zeit schildert.

Marlen Haushofer, ist 12 Jahre nach Beauvoir, am 11.4.1920 in einer kleinen Stadt in Oberösterreich als Tochter eines Försters und einer Kammerzofe geboren. Als sie 10 Jahre alt war, schickten ihre Eltern sie auf ein Ursulinen-Internat. Sie hat diese Zeit, die sie als Verbannung empfindet, in ihrem Roman: „Himmel, der nirgendwo endet“ beschrieben.

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Traffiq hat’s verbockt: Verzögerung des S 6-Ausbaus

Heute erschien in der Frankfurter Neuen Presse ein Artikel zum Ausbau der Main-Weser-Bahn. Die S6 zwischen Bad Vilbel und Frankfurt soll durch den Ausbau die dringend notwendigen eigenen Gleise bekommen. Die Fertigstellung verzögere sich u.a. durch den Protest von Harheimer BürgerInnen gegen die abrupte Nidda-Brückensperrung, so die DB. (Genaueres zu unserem Protest hier: KLICK)

Zu diesem Artikel der FNP (S6-Ausbau wird erst ein Jahr später fertig)
habe ich heute folgenden Leserbrief geschrieben (weil manchmal braucht’s mehr Reichweite).

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Krisenzeiten 4

Im Frankfurter Stadtteil Bonames gab es früher einen Smart-Markt. Diese Märkte wurden in Frankfurter Stadtteilen mit geringer Infrastruktur eingerichtet und sollten die Nahversorgung insbesondere für ältere und weniger mobile BürgerInnen verbessern. Die Mitarbeiter der Märkte waren Langzeitarbeitslose, die im Rahmen des „Frankfurter Wegs zum Berufsabschluss“ ihre Ausbildung zum Verkäufer oder Kaufmann-/Kauffrau im Einzelhandel absolvieren konnten. Tolle Idee, von der man aber inzwischen nichts mehr hört.

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Krisenzeiten 3

Mittwoch ist mein Oldie-Tag. Weil ich seit acht Jahren als Freiberuflerin arbeite und das überwiegend von zuhause – weshalb sich bei mir das Arbeitsleben nicht viel anders anfühlt als vor der Corona-Krise – habe ich irgendwann beschlossen, mir einen Nebenjob zu suchen. Gefunden habe ich eine Stelle als Leiterin eines Aktivclubs. Eine feste Gruppe von Menschen zwischen Ende 50 und Mitte 80 trifft sich einmal die Woche vormittags zu Museumsbesuchen, Vorträgen, Stadtspaziergängen etc. Ich plane das Programm, organisiere Referenten oder schreibe selber Vorträge und bin immer auf der Suche nach interessanten und kostengünstigen Events für meine Leute.

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Krisenzeiten 2

Autofrei leben hat in Krisenzeiten Nachteile. Große Vorräte anlegen geht nicht, wenn man alles nach Hause tragen oder im Fahrradkorb transportieren muss. Aber seit heute mittag ist Hamstern in Frankfurt sowieso verboten.

Mein Dorf im Frankfurter Norden ist noch ein bisschen ruhiger als sonst. Zwei Müttern mit Kinderwagen begegne ich auf dem Weg zum Supermarkt und zurück. Im Netto schreit ein alter Mann die Leute an: Abstand halten!

Drosten tröstet mich nicht mehr. Worüber auch. Wie fragil alles ist, wissen wir ohnehin.

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