Krisenzeiten 3

Mittwoch ist mein Oldie-Tag. Weil ich seit acht Jahren als Freiberuflerin arbeite und das überwiegend von zuhause – weshalb sich bei mir das Arbeitsleben nicht viel anders anfühlt als vor der Corona-Krise – habe ich irgendwann beschlossen, mir einen Nebenjob zu suchen. Gefunden habe ich eine Stelle als Leiterin eines Aktivclubs. Eine feste Gruppe von Menschen zwischen Ende 50 und Mitte 80 trifft sich einmal die Woche vormittags zu Museumsbesuchen, Vorträgen, Stadtspaziergängen etc. Ich plane das Programm, organisiere Referenten oder schreibe selber Vorträge und bin immer auf der Suche nach interessanten und kostengünstigen Events für meine Leute.

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Krisenzeiten 2

Autofrei leben hat in Krisenzeiten Nachteile. Große Vorräte anlegen geht nicht, wenn man alles nach Hause tragen oder im Fahrradkorb transportieren muss. Aber seit heute mittag ist Hamstern in Frankfurt sowieso verboten.

Mein Dorf im Frankfurter Norden ist noch ein bisschen ruhiger als sonst. Zwei Müttern mit Kinderwagen begegne ich auf dem Weg zum Supermarkt und zurück. Im Netto schreit ein alter Mann die Leute an: Abstand halten!

Drosten tröstet mich nicht mehr. Worüber auch. Wie fragil alles ist, wissen wir ohnehin.

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Krisenzeiten 1

Ich warte. Ich lese. Ich warte. Morgens die Zeitungen, vormittags die Pressekonferenz des Robert-Koch-Instituts, nachmittags der Podcast des Virologen Christian Drosten von der Charite. Twitter, Google News, fiebrige Unruhe, nichts Verpassen, Sofastarre.

Draußen scheint die Sonne, im Kleingarten sieht es schlimm aus. Das Springkraut hat sich während des warmen Winters ausgebreitet, lebt in friedlicher Koexistenz mit einer klettenartigen Pflanze, die breitflächig den Boden überzieht.

Heute noch wird Kanzlerin Merkel verkünden, ob es eine Ausgangssperre gibt oder nur Ausgangsbeschränkungen. Wenn wir nicht mehr in den Garten können, wird es hart. Die 80-jährige verwitwete Gartennachbarin hat mir am Montag das Du angeboten: „Umarmen können wir uns leider nicht“, sagt sie tapfer.

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CDU Harheim und der kommunikative Super-Gau

Ich habe den Ortsvorsteher und CDU-Vorsitzenden von Frankfurt-Harheim Frank Immel immer für einen umgänglichen Menschen gehalten. In einem kleinen Dorf wie Harheim spricht man miteinander, tauscht sich über Probleme aus, wie z.B. dem schlechten Busverkehr, und schaut manchesmal über politische Differenzen hinweg, wenn es dem Wohl des Stadtteils dient.

Gestern haben die Frankfurter Jusos Herrn Immel wegen Verleumdung angezeigt. Wie in meiner Post vom 11.2.2020 beschrieben (KLICK), hatte die CDU Harheim den Vorsitzenden der „Werte-Union“ Alexander Mitsch eingeladen. Ich habe daraufhin spontan per Twitter zu einer Demo in meinem Stadtteil aufgerufen, weil ich fürchte, dass es in der CDU Harheim Kräfte gibt, die den Ortsverein noch weiter nach rechts rücken wollen. Angemeldet wurde die Demo von den Frankfurter Jusos. Es wurde optimistisch mit 30 bis 50 Personen gerechnet. Via Twitter habe ich auch die Frankfurter Grünen, die SPD, die LINKEN und DIE PARTEI angeschrieben. Dass sich viele auf den Weg nach Harheim machen, war unwahrscheinlich, dazu ist der ÖPNV einfach zu schlecht (z.B. einfache Strecke ab Frankfurt Bornheim 60 Minuten). Außerdem habe ich eine Twitter-Unterhaltung mit dem Frankfurter CDU-Chef Jan Schneider geführt, der am Mittwoch schließlich die Absage der Veranstaltung bekannt gab.

Was dann folgte, kann man nur als kommunikativen Super-Gau bezeichnen. Auf ihrer Webseite bezeichnet die CDU Harheim die angekündigten Demonstranten als linksextrem und nannte als Grund für die Absage der Veranstaltung, dass man „die Bürger unseres Stadtteils und ihr Eigentum“ schützen wolle. Die CDU warnt also vor marodierenden Banden, gleichwohl wissend, dass sie es lediglich mit mir, einer Harheimer Bürgerin – mit der nahezu jedes CDU-Mitglied in Harheim schon ein Schwätzchen gehalten hat – und einer kleinen Gruppe Jusos zu tun haben. Warum macht Herr Immel das?

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Vorsitzender der AfD-Hilfstruppe „Werte-Union“ zu Gast bei CDU Harheim

Am Freitag, dem 14.2.2020 um 19:30 Uhr kommt der Gründer und Vorsitzende der „Werte-Union“ Alexander Mitsch in den Frankfurter Stadtteil Harheim, Bürgerhaus In den Schafgärten 21, (Anmeldung unter veranstaltungen@cdu-harheim.de ), um einen Impulsvortrag zur Frage „Wie kann die CDU Volkspartei bleiben?“ zu halten.

Nach der Wahl Kemmerichs durch die Stimmen der AfD hatte Mitsch getwittert: „Die Vernunft und das bürgerliche Lager haben gesiegt“.

Während führende CDU-Mitglieder wie der Bundesvize der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler, einen Unvereinbarkeitsbeschluss von Mitliedern der „Werte-Union“ mit der CDU fordern („Wer die Werte der CDU nicht teilt, hat in der CDU nichts zu suchen. Wir brauchen keine AfD-Hilfstruppe in unseren Reihen“), freut sich die CDU-Harheim auf eine anregende Diskussion.

Wir sollten uns am Freitag eine Stunde Zeit nehmen und vor und im Bürgerhaus Harheim deutlich machen, dass Frankfurt keine Nachhilfe von rechter Seite braucht. Seid ihr dabei?

Hier noch ein paar Positionen der „Werte-Union:

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Fußgänger runter vom Gehweg! – Verkehrswende à la Frankfurt

Eine kurze Pause über Weihnachten und schon war die Schilderkolonne des Amtes für Straßenbau und Erschließung (ASE) wieder im Einsatz. Radwegbeschilderung in Harheim montieren, so lautete der Auftrag. Radfahrende finden in Harheim nun 29 grün-weiße Wegweiser und 28 Zwischenwegweiser. 16 Schilderpfosten wurden eigens hierfür gesetzt, aber auch bestehende Pfosten wurden verwendet. „Jetzt können Radfahrende sich auch hier in Harheim besser orientieren und Ziele im Umland sowie dem Stadtzentrum ansteuern“, sagt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling. (…)
Die Leiterin des ASE, Dipl.-Ing. Michaela Kraft, bekräftigt: „Es greift ein Rad ins Andere, so dass wir zügig vorankommen. Wir planen vorausschauend, so dass wir immer mindestens die Schilder für den nächsten Stadtteil schon vorrätig haben, um direkt weitermachen zu können.“
(zitiert aus radfahren-ffm)

Ich habe heute früh einen kurzen Spaziergang durch meinen Stadtteil gemacht und konnte es nicht fassen. Alle neuen Schilder stehen auf Gehwegen, sie machen die Nutzung für Rollatornutzer und Kinderwagenschieber unmöglich, zerstören offizielle Schulwege von Grundschulkindern, sind zum Teil nur 20 Meter voneinander entfernt und scheinen Radfahrer für eine unterbelichtete Spezies zu halten.

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Vertrauenskrise

„Denn die reich werden wollen, die fallen in Versuchung und Verstrickung und in viele törichte und schädliche Begierden, welche die Menschen versinken lassen in Verderben und Verdammnis“ (Timotheus 6,9)

Am 24. August 2019 berichtete der FNP-Journalist Daniel Gräber über die Verflechtungen der AWO Frankfurt und der AWO Wiesbaden. (Link zum FNP-Artikel: https://www.fnp.de/frankfurt/frankfurt-hessen-steckt-einer-schweren-krise-12941309.html). Danach passierte – nichts. Keine andere Zeitung berichtete, es gab kaum öffentliche Statements von Kommunalpolitikern.

Drei Wochen nach diesem ersten Artikel habe ich bei einem Besuch des Verkehrsausschusses Daniel Gräber getroffen und ein paar Worte mit ihm gewechselt. Warum reagiert niemand auf Ihren Artikel, habe ich ihn gefragt. Abwarten, meinte er und erzählte, dass er bald Frankfurt wieder verlassen, aber am Thema AWO dran bleiben werde. Dem jungen Journalisten Gräber hat man es in Frankfurt nicht leicht gemacht, als Linkenhasser und AfD-Symphatisant wurde er in den sozialen Meiden tituliert.

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