Autogerechtes Harheim 2019

Man kann als Ortsbeirat von Harheim so allerhand machen. Sich zum Beispiel um zugeparkte Gehwege kümmern:

In dieser Straße (Foto unten) ist das Gehwegparken erlaubt und die Fußgänger dürfen auf der Straße gehen. Was die Stadt Frankfurt aber vergaß, als sie 2009 die Straße in eine verkehrsberuhigte Zone umwandelte, war die Klärung der Streupflicht. Seit 10 Jahren fühlt sich niemand zuständig für den sicheren Fußverkehr bei Schnee und Eis. Wäre dies nicht eine schöne Aufgabe für den Ortsbeirat?

Auf diesem Gehweg in der Korffstraße in Harheim wurde vor einigen Monaten ein Mann angefahren, der aus seiner Hoftür auf den Gehweg trat. Ein PKW-Fahrer, der keine Lust hatte zu warten, bis der Bus, der aus der Gegenrichtung kam, die schmale Straße passiert hat, fuhr auf den Gehweg und verletzte dabei den Fußgänger. Der Ortsbeirat schrieb einen Antrag an den Magistrat und forderte Poller. Diese wurden auf dem Gehweg (!) errichtet und, wie ich heute sah, bereits angefahren:

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Männer ohne Internet

„Das Internet ist ein harter Ort“ – sagt Jakob Augstein und blickt dabei in eine schmachtende ZuschauerInnenschar, die nichts lieber möchte, als mit ihm vernetzt zu sein.

Harald Welzer hat zwar eine Webseite aber kein Smartphone und ist stolz darauf. „Durch das Handy sind wir immer in einer anderen Welt“, sagte er auf der ARD-Bühne und ich hätte ihm so gern widersprochen. Nach seinem Auftritt lungerte ich eine Zeit lang am Hinterausgang rum, weil ich ihm von Twitter erzählen wollte und von den inklusiven Seiten des Internets, aber er kam nicht.

Richard David Precht findet, wir träumen zu wenig, weil wir immer auf das Handy starren, statt Wartezeiten mit Träumen zu verbringen.

Stephan Lessenich war auf dem Blauen Sofa (Klick zum Video) und hat mich mit seinen Vorschlägen für eine solidarische, inklusive und nachhaltige Demokratie überzeugt. Ich habe mir umgehend sein Buch gekauft und nach seinem Auftritt signieren lassen. „Wenn ich es gelesen habe, schreibe ich vielleicht im Blog drüber. Sind Sie auf Twitter, dann schicke ich Ihnen den Link?“, fragte ich ihn. Er antwortete mit leichter Empörung: Nein, ich habe sowas nicht.

Schade.

Buchmesse 2019

Aktuell beschäftigt mich sehr, wie leichtfertig manche Menschen und politische Bewegungen unsere Demokratie in Verruf bringen – nicht nur von Rechten wird sie derzeit angegriffen, auch die Phantasie der Klimaaktivisten, man müsse die Demokratie außer Kraft setzen, um schneller notwendige Maßnahmen zum Klimaschutz umsetzen zu können, entsetzt mich.

Gestern habe ich die Buchvorstellung „Energiewende einfach durchsetzen“ beim Vorwärts Verlag besucht. In 10 Jahren, meinte der Autor des Buches, Axel Berg, ließe sich die Energiewende schaffen. Aber „einfach Durchsetzen“ funktioniert nun mal nicht in der Demokratie, darauf hat ihn sein Gesprächspartnern Matthias Miersch hingewiesen, der wenig optimistisch erschien, dass die Gesellschaft, die vor uns liegende Transformation bewältigen kann.

Um zu verstehen, wie es zum Ansehensverlust der Demokratie in Deutschland kommen konnte, und vor allem, warum im Osten so viele Menschen AFD wählen, müssen wir uns mit der Wiedervereinigung oder wie der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk sagt, der „Übernahme“, beschäftigen. Ich empfehle Euch dieses Video, das eine Veranstaltung auf dem Blauen Sofa mit den Autoren Steffen Mau, Kristina Spohr, Katja Oskamp und Ilko-Sascha Kowalczuk zum Thema 30 Jahre Mauerfall zeigt: KLick zum ZDF

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Ist Traffiq schuld am schlechten ÖPNV im Frankfurter Norden?

Als noch der Grüne Stefan Majer Verkehrsdezernent in Frankfurt war, hielt ich sein mangelndes Interesse an einem ordentlichen ÖPNV im Frankfurter Norden für den Ausdruck grünen Lebensgefühls: Innenstadtnah wohnen, am liebsten im Nordend, einkaufen auf dem fußläufig erreichbaren Wochenmarkt, ansonsten viel mit dem Fahrrad unterwegs. Ein Verkehrsdezernent muss aber die ganze Stadt im Blick haben und da sieht es in vielen Stadtteilen so aus: Der nächste Supermarkt ist ein bis zwei Kilometer entfernt, einen Wochenmarkt gibt es nicht, es existiert keine direkte Anbindung zum Schienenverkehr, die Busse fahren nur alle 30 Minuten.

Als dann Klaus Oesterling (SPD) nach der Kommunalwahl 2016 neuer Verkehrsdezernent wurde, dachte ich, jetzt wird der ÖPNV besser – der Mann lebt autofrei außerhalb der Innenstadt, er wird’s richten. Pustekuchen!

Im Frankfurter Norden wird derzeit die Main-Weser-Bahn ausgebaut, damit die S6 eigene Gleise bekommt – ein seit Jahrzehnten geplantes Projekt, das ich unterstütze, denn die Verspätungen der S6 sind legendär. Selbstverständlich bin ich davon ausgegangen, dass ein Projekt mit einem derart langen Vorlauf so geplant wird, dass die Belastungen für die Fahrgäste möglichst gering sind.

Vor einem Jahr hat eine kleine Oppositionspartei im Frankfurter Römer den Magistrat gefragt, wie die Fahrgäste zur S-Bahn kommen, wenn die erforderliche Sperrung der Nidda-Brücke umgesetzt wird. Diese Brücke befährt der Bus 25, der die Fahrgäste von Nieder-Erlenbach und Harheim zum S-Bahn-Halt Berkersheim bringt. (https://www.stvv.frankfurt.de/download/B_276_2019.pdf )

Nach 10 Monaten (!) hat der Magistrat geantwortet: Der Bus 25 wird drei Monate lang ganz gestrichen. Allein in der Zeit von 7 bis 9 Uhr fahren 16 Kleinbusse von Nieder-Erlenbach über Harheim zum Bahnhof Berkersheim und transportieren ca. 400 Fahrgäste. Der Magistrat meint, die könnten alle noch in den ohnehin vollen Schulbus 28 einsteigen und wenn das nicht passt, weil die Leute zum West- oder Hauptbahnhof müssen, dann sollen sie erst mit dem Bus nach Nieder-Erlenbach fahren, dort in den Bus nach Bad Vilbel einsteigen, wobei allerdings die Tarifgrenze überschritten wird, und da in die S-Bahn einsteigen. Dann müssen die halt eine Stunde früher aufstehen und ein bisschen tiefer in die Tasche greifen, na und!

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„Vom Ende der Langsamkeit“ – Forscherroman von Ortrud Toker

Frankfurt, 14. September 2019: Anlässlich der Automobilausstellung IAA in Frankfurt demonstrieren 25.000 Menschen für eine Verkehrswende. Darunter sind 18.000 FahrradfahrerInnen, die an einer Sternfahrt teilnehmen, sie radeln u.a. aus Usingen, Königstein, Wiesbaden, Mainz, Groß-Gerau, Mannheim, Aschaffenburg, Hanau, Gelnhausen, Nidderau und Gießen zum Frankfurter Messegelände an, um dort friedlich für eine umweltfreundliche Mobilität zu werben. Im vergangenen Jahr haben sich deutschlandweit Initiativen für besseren Radverkehr in den Städten gegründet, sie initiieren Radentscheide, die die Kommunalpolitik unter Handlungsdruck setzen und fordern mehr Platz für Radfahrer- und FußgängerInnen.

Paris, Sommer 1844: Zwei junge Männer reisen per Postkutsche von Paris nach Berlin. Werner Siemens und sein Reisebegleiter Schwarzlose reden über die neue Kunststraße, die Hamburg Altona mit Kiel verbindet: „Eine beachtliche und aufwändige Ingenieursleistung, alles nur aus gehauenen Steinen gebaut und zudem ein teures Vergnügen, (…) das Chausseegeld wird, soweit ich gehört habe, direkt auf der Straße an den Chausseehäusern erhoben, erst dann öffnet sich der Schlagbaum. Nur was für Leute mit entsprechendem Portemonnaie, also nichts für unsereins.“

„Vom Ende der Langsamkeit“ heißt das Buch von Ortrud Toker, dem das Zitat entnommen ist. In ihrem Forscherroman verknüpft die Frankfurter Kunsthistorikerin die Biographien von mutigen Persönlichkeiten wie Werner von Siemens, Philipp Reis und Bertha und Carl Benz, die mit ihren Erfindungen im 19. Jahrhundert die Vorstellung von Zeit veränderten und die Beschleunigung des Lebens einläuteten. Heute wünschen sich viele umweltbewusste Menschen, dass der Tipping Point der Beschleunigung erreicht ist. Ich hatte großen Spaß bei der Lektüre der Leseprobe, der Roman ist gerade druckfrisch erschienen.

Im Frankfurter Museum für Kommunikation wird Ortrud Toker am 26.9.2019 um 18:30 Uhr aus ihrem Forscherroman lesen. Die Buchpräsentation ist kostenfrei.

Ich verzichte nicht!

Verzicht ist eine grausame Sache. Man verzehrt sich nach etwas und darf nicht: Wegen der Gesundheit, dem Klima oder weil das Geld nicht reicht.

Ich habe noch nie in meinem Leben auf etwas verzichtet. Dabei fahre ich seit 25 Jahren kein Auto, unternehme keine Kreuzfahrten, esse wenig Fleisch, grille nicht, heize nicht mit Kaminfeuer etc. etc.

Als es mich vor 20 Jahren zu nerven begann, dass ich morgens Raucherhusten hatte, die Klamotten nach Kippen stinkten und die Zimmerwände ebenso, suchte ich nach einer mir genehmen Entwöhnungsstrategie und fand sie bei Allen Carr und seinem Buch „Endlich Nichtraucher!“ Seine Strategie lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Ich muss nicht rauchen – ich darf rauchfrei leben – wie herrlich!

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