Kein Mensch braucht schlecht gelaunte Twitterer

Der Nachteil der sozialen Netzwerke ist, dass man ganz ungeplant Stunden damit zubringt, auf Tweets schlecht gelaunter Leute zu reagieren, die sich abstruse Nicknames geben und nur 4 Follower haben.

Kann man kommunizieren, ohne ein Bild vom Gegenüber zu haben? Journalisten, Politiker und PR-Leute twittern ja meistens mit Profilfoto, bei vielen anderen muss man raten, ob es sich um Mann oder Frau, junge oder alte Menschen handelt.

Ich erinnere mich, vor vielen Jahren einen jungen Mann im Bus getroffen zu haben, mit dem ich im regen Twitteraustausch über die ÖPNV-Situation in Harheim stand – plötzlich saßen wir uns real gegenüber und sagten kein Wort. Peinlich. Und einmal schrieb mich ein anderer Blogger an, ob wir uns auf der Buchmesse auf einen Kaffee treffen wollen. Ich wollte das nicht, meine digitale und reale Welt mochte ich früher gern getrennt. Inzwischen sehe ich das lockerer und bin schon Einigen aus meinem Twitter-Netzwerk in Frankfurt begegnet.

Weiterlesen

Verkehrsspezialisten und Juristen gefragt

Liebe LeserInnen,

wie Euch nicht entgangen sein dürfte, setze ich mich seit Jahren für besseren öffentlichen Nahverkehr in meinem Stadtteil im Norden von Frankfurt ein. ( z.B. Artikel in FNP vom Februar 2017 oder Artikel vom Dezember 2019).

Allerdings kann ich keine nachhaltigen Erfolge vorweisen. In diesem Sommer hat es uns ÖPNV-NutzerInnen in Harheim doppelt hart getroffen, denn die U-Bahn U2, deren Haltestelle im Nachbarort mit einem Bus, der die größte Zeit des Tages nur 2 mal in der Stunde fährt, erreichbar ist, fuhr 4 Wochen nicht. Die andere Schienenverkehrsanbindung, die S6 im Nachbarstadtteil Berkersheim, war während der Sommerferien an allen Wochenenden gesperrt. Der Ersatzverkehr wurde 1,5 km vom Bahnhof entfernt eingerichtet, zu den auch nur alle 30 Minuten ein Bus fährt. Von Harheim aus ist der Ersatzverkehr ca. 3 km entfernt und der größte Teil des Weges geht steil bergauf.

Ein weiteres Problem, das auch schon seit vielen Jahren besteht (ich habe dazu eine Mail von 2013 gefunden) ist der Ausfall der Klimaanlagen in den Bussen, wenn es sehr heiß ist – also wenn man eine Klimaanlage am meisten braucht. Derzeit ist wieder ein Bus der Linie 28 mit defekter Klimaanlage unterwegs, die Busfahrer absolvieren ihre Schicht bei über 40 Grad, auch die Fahrgäste sind kurz vorm Kollabieren. Die Kippfenster lassen sich nicht öffnen. Und das in Pandemiezeiten.

Ich habe am Samstag dem Frankfurter Verkehrsdienstleister traffiq die Situation geschildert. Immerhin habe ich heute eine Antwort bekommen, was angesichts unserer Vorgeschichte (KLICK) erfreulich ist. In der Antwort heißt es: „Wir haben Ihre Mitteilung an das Verkehrsunternehmen, das in unserem Auftrag für den Betrieb und das Fahrpersonal auf dieser Linie zuständig ist, weitergeleitet. Dieses teilte uns mit, dass alle Fahrzeuge selbstverständlich kontinuierlich geprüft werden. Die Fenster der Fahrzeuge sind in der Regel nicht verschlossen, aber aufgrund des Alters sehr schwer zu öffnen.“

Also wie immer: Traffiq bleibt schön im klimatisierten Büro sitzen und lässt sich vom Billigbusbetreiber Transdev erzählen, dass alles in Ordnung ist.

Weil die Reklamationen, Briefe an den Verkehrsdezernten und die Pressearbeit also nicht fruchten, erwäge ich jetzt eine Klage. Laut den Technischen Regeln für Arbeitsstätten in der ASR A3.5 unter 4.4. der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zur Temperatur am Arbeitsplatz, muss der Arbeitgeber ab 30°C Maßnahmen ergreifen. Ab 35°C ist ein Raum ohne technische, organisatorische oder persönliche Schutzmaßnahmen nicht mehr als Arbeitsraum geeignet. Die Busfahrer, die bei über 40 Grad 8 Stunden lang Fahrgäste befördern müssen, könnten wohl die Arbeit verweigern, tun sie aber nicht, weil sie ihren Job behalten wollen. Für die Fahrgäste ist die Situation gefährlich, da es in Frage steht, ob der Fahrer in der Hitze noch in der Lage ist, den Bus sicher zu führen.

Meine Frage an die Juristen und Verkehrsexperten unter Euch: Kann ich als Fahrgast gegen die Stadt, bzw. Traffiq klagen, mit o.g. Argumenten, also im Sinne der fehlenden Beförderungssicherheit? Brauche ich dazu einen Anwalt (womit Kosten entstünden) oder kann ich einfach zur Polizei gehen?

Danke für Eure Hilfe. Ich freue mich auch über politische Unterstützung (außer von rechts).

Krisenzeiten 8: Randale

Heute Nacht haben in Frankfurt auf dem Opernplatz Hunderte junge Männer randaliert, auch eine junge Frau war auf den Videos zu sehen, sie haben Mülltonnen geworfen, eine Bushaltestelle zerstört und die Polizei angegriffen. Mich haben die Bilder an den 18. März 2015 erinnert, da war der Blockupy-Protest zur EZB-Eröffnung (KLICK). Ich habe damals mit Occupy und Blockupy sympathisiert und oft über das Occupy-Camp und die Demos berichtet. Der 18. März 2015 war für mich eine Zäsur, ich war seitdem kaum noch auf Demos.

Kann man die Ereignisse vergleichen? Ich denke schon, es handelt sich bei den Randalierern um überwiegend junge frustrierte Männer, die glauben, Gewalt wäre cool.

Vor einer Woche hat Frederike Haupt in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über die Szene vor der Alten Oper berichtet: „In Frankfurt kommen besonders viele Menschen an die Party-Hotspots. So feierten an den vergangenen Wochenenden bis zu 2.500 Leute auf dem zentralen Opernplatz. Ein Sprecher des Ordnungsamtes sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, es sei wegen der schieren Zahl der Feiernden nicht möglich, die Regeln durchzusetzen, die seit Corona gelten. Zudem träten viele Partybesucher der Stadtpolizei gegenüber aggressiv auf.“
Link zum Artikel: KLICK)

Man musste also damit rechnen, dass die Stimmung auf dem Platz kippen kann.

Weiterlesen

Krisenzeiten 7: Mehr Aufregung!

Tatsächlich ist alles ruhig. Der Kleingarten ist unser aller Rettung. Wir gehen abwechselnd hin, das Kind lernt dort fürs mündliche Abi, bekommt Besuch von Freunden (einzeln, hoffe ich). Alle sind begeistert von diesem Ort, dem in Vor-Corona-Zeiten der Ruch des Spießigen anhaftete.

Gestern hatte ich einen leichten Lagerkoller und fuhr in die Stadt. In der U-Bahn waren viele männliche Kinder und Jugendliche ohne Maske – wahrscheinlich ist das die zeitgemäße Mutprobe. Ich habe einen Abstecher zur Demo am Rossmarkt gemacht, dort sprach eine AfD-Vertreterin vor 15 Anhängern gegen die Corona-Maßnahmen, weitläufig abgesperrt und beschützt von Polizisten vor ca. 300 Gegendemonstranten, die auch zu eng standen. Auf der Zeil war die Hölle los, das Kaufhaus, in das ich flüchtete, quält seine Kunden mit einem brutalen Lichtkonzept, ein perfekter Migräne-Trigger. Dennoch war es gut, mal wieder fremde Menschen zu sehen.

Weiterlesen

Krisenzeiten 6: Würde

Jetzt also doch: Maskenpflicht. Einkaufen, Bus und Bahn fahren wird für Allergiker eine Herausforderung. Wer sowieso schon Probleme mit der Nasenatmung hat, für den wird der Atemwiderstand durch die Maske auf einer längeren Fahrt mit dem ÖPNV schwierig zu bewältigen sein.

Ach, dann fahren wir halt wieder alle Auto, gell!

Der Tagesspiegel hat ein interessantes Interview mit Wolfgang Schäuble geführt:

Weiterlesen

Krisenzeiten 5

„Wir haben nicht damit gerechnet, aus Machtarroganz, aus kapitalistischer Überlegenheitsarroganz, aus Durchsetzungsarroganz: Kapital schafft alles – auch Viren, und deshalb keine Vorsorge getroffen, an Schutzkleidung, Masken, etc.“ (Bazon Brock im dlf-Podcast „Optimisten sind Volksverdummer“: KLICK)

Denkt ihr öfter als früher an den Tod? An Euren oder an den Eurer Angehörigen? Denkt Ihr: Mist, ich wollte doch noch Delfine in Freiheit sehen? Oder, wenn das rum ist, gehe ich jede Woche dreimal ins Restaurant? Und, sobald ich darf, fahre ich ans Meer?

Weiterlesen

100. Geburtstag von Marlen Haushofer

In meiner Jugend war Marlen Haushofer für mich der Gegenentwurf zu Simone de Beauvoir. Beide habe ich geliebt. Ich fuhr nach Paris, setzte mich allein ins Cafe Flore und stellte mir vor, gleich kommt Simone mit Sarte, Albert Camus und dem kleinen Bost zur Tür herein. Ich konnte nicht einmal französisch, nur das Nötigste, um Cafe oder Wein zu bestellen, aber das hat beim Tagträumen eher noch geholfen.

Simone de Beauvoir wurde in eine reiche Bürgerfamilie hineingeboren, die im 1. Weltkrieg und durch die Oktoberrevolution ihr Vermögen verlor. Während des Philosophie-Studiums lernte sie Jean-Paul Sartre kennen und begann mit ihm eine intellektuell fruchtbare Beziehung, die ein Leben lang hielt, aber nicht exklusiv war. Ihren feministischen Klassiker „Das andere Geschlecht“ habe ich natürlich gelesen, aber weit mehr bedeutet haben mir ihre Memoiren, in denen sie ihr Leben in Paris und die Gespräche mit den wichtigsten Philosophen ihrer Zeit schildert.

Marlen Haushofer, ist 12 Jahre nach Beauvoir, am 11.4.1920 in einer kleinen Stadt in Oberösterreich als Tochter eines Försters und einer Kammerzofe geboren. Als sie 10 Jahre alt war, schickten ihre Eltern sie auf ein Ursulinen-Internat. Sie hat diese Zeit, die sie als Verbannung empfindet, in ihrem Roman: „Himmel, der nirgendwo endet“ beschrieben.

Weiterlesen

Traffiq hat’s verbockt: Verzögerung des S 6-Ausbaus

Heute erschien in der Frankfurter Neuen Presse ein Artikel zum Ausbau der Main-Weser-Bahn. Die S6 zwischen Bad Vilbel und Frankfurt soll durch den Ausbau die dringend notwendigen eigenen Gleise bekommen. Die Fertigstellung verzögere sich u.a. durch den Protest von Harheimer BürgerInnen gegen die abrupte Nidda-Brückensperrung, so die DB. (Genaueres zu unserem Protest hier: KLICK)

Zu diesem Artikel der FNP (S6-Ausbau wird erst ein Jahr später fertig)
habe ich heute folgenden Leserbrief geschrieben (weil manchmal braucht’s mehr Reichweite).

Weiterlesen