Super, danke, Bruderkuss!

Ist Peter Feldmann korrupt? Das versucht das Frankfurter Landgericht unter dem Vorsitzenden Richter Gröschel seit sechs Verhandlungstagen herauszufinden. Weil die Zeugenbefragungen länger dauern als erwartet, hat das Gericht weitere Verhandlungstage reserviert.

Ich habe bereits auf Twitter aus der Verhandlung zitiert, die Presse hat natürlich ausführlich berichtet, deshalb möchte ich hier nur meinen persönlichen Eindruck schildern.

Die Strategie von Peter Feldmann und seinen Verteidigern war zu Beginn des Prozesses darauf ausgelegt, einem Korruptionsvorwurf insofern zu begegnen, als Feldmann keinen Grund gehabt hätte, seine „Liebschaft“ zu fördern. Mit diesem Argument – untermauert mit unappetitlichen privaten Details – hat er seine OB-Abwahl massiv unterstützt, sind doch die Bilder der Traumhochzeit in Höchst und die vielen verliebten Blicke der beiden noch im kollektiven Gedächtnis der FrankfurtInnen erhalten.

Hannelore Richter, die mit ihrem Mann Jürgen Richter im Mittelpunkt des AWO-Skandals in Frankfurt und Wiesbaden steht (siehe auch hier: KLICK), hat in ihrer Vernehmung diese Strategie unterstützt. Peter Feldmann hatte nach ihrer Aussage ständig neue Freundinnen, sie hätte nie erwartet, dass er Z. heiratet.

Nach dem Verhältnis zu Feldmann befragt, erzählt sie von der gemeinsamen Jugend bei den Falken, später habe man sich aus den Augen verloren. 2008 rief Feldmann bei den Richters an und sagte, er müsse bei seinem aktuellen Arbeitgeber, dem paritätischen Wohlfahrtsverband, aufhören und bat die Richters um einen Job bei der AWO. Hannelore Richter traf sich mit ihm und brachte eine AWO-Broschüre mit, aus der er sich seinen zukünftigen Arbeitsbereich aussuchen durfte.

Er entschied sich für die Heimleitung der Johanna-Teschner-Stiftung in Darmstadt, die Stelle wurde nicht ausgeschrieben, er war der einzige Bewerber. Feldmann hatte keinerlei Erfahrung, kam ständig zu spät und erbrachte nicht die gewünschte Leistung. Nach zwei Jahren entschied die AWO-Geschäftsführung aufgrund verschiedener Beschwerden, dass Feldmann als Heimleiter ungeeignet ist. Statt ihm nahe zu legen, sich einen neuen Arbeitgeber zu suchen, wurde die Stabstelle eines Belegungsmanagers geschaffen, die nach seiner erfolgreichen OB-Bewerbung wieder abgeschafft wurde. Ihm zu kündigen, kam nicht in Frage, da dies ja die Frankfurter Genossen mitbekommen hätten.

Hannelore Richter, an deren Selbstbewusstsein die Offenlegung des AWO-Skandals und die folgenden Anklagen offenbar keineswegs nagen und die sich vor Gericht als „Talentsucherin“, „Partei- und AWO-Soldatin“ bezeichnet, gibt sich alle Mühe, ihre Antipathie gegenüber Feldmann zu betonen. Faul, egomanisch und übergriffig, ja, aber nicht korrupt: „Ich glaube nicht, dass Peter Feldmann irgendwo in die Kasse greifen würde, er griff immer nach anderen Sachen“.

Die damalige Freundin von Feldmann, Z., habe sie sogleich als die zukünftige Leitung der geplanten deutsch-türkischen Kita Dostluk gesehen. Die Studentin sei elegant und wortgewandt gewesen, das habe den Ausschlag gegeben. Z. wurde ein Festgehalt von 4.300 Euro versprochen, außerdem erhielt sie einen Mini-Job ausgezahlt, für den Z. aber nie gearbeitet hat. Das sei ihr so „durchgerutscht“, sagte Richter.

Warum Peter Feldmann von der AWO eine Rückkehrvereinbarung zugesagt bekam, falls er nach einer Wahlperiode nicht wiedergewählt wird, obwohl er doch nach Aussage von Hannelore Richter „immer nur Müll abgeliefert“ habe, wollte die Staatsanwaltschaft wissen. Richter: Ich wollte ihm eine weitere Chance geben, vielleicht gibt es ja eine Stelle, die er ausfüllen kann. Die Rückkehrvereinbarung wurde Peter Feldmann auf einen USB-Stick gespeichert und mitgegeben, eine schriftlich niedergelegte Version ist nicht auffindbar.

Im November 2017 sendet Hannelore Richter eine Mail an Peter Feldmann mit dem Textentwurf, der zur Wahlkampfspende für die OB-Wahl 2018 aufruft. Feldmann beantwortet die Mail mit: Super, danke, Bruderkuss!

Als im Juni 2019 die Frankfurter Neue Presse über möglichen Abrechnungsbetrug in AWO-Flüchtlingsunterkünften berichtet, schreibt Hannelore Richter an Peter Feldmann: „Lieber Peter, wie brauchen deine Hilfe. Herr D. hat wohl in Absprache mit Frau Birkenfeld unsere Unterlagen an das Revisionsamt geschickt.“

Dennoch wurde Richter in den Presseberichten nach ihrem Auftritt als Entlastungszeugin bezeichnet. Es wird am 30.11.22 eine weitere Vernehmung der Zeugin Richter geben (an der ich nur teilweise teilnehmen kann.)

Weitere Berichte folgen hier oder auf Twitter.

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