Lieber cool und intelligent

Den Hype um die Toten Hosen habe ich noch nie verstanden. Krawallmusik für spätpubertäre Jungs halt. Die grottenschlechten Songtexte schreibt Campino für die Band. („Trinken einen auf den Tod, trinken zwei auf das Leben. Der Horizont wird rot, doch hab noch Bock zu reden. Alles dreht sich, doch das geht ja jedem so auf dem Planeten.“)

Früher ließ sich Campino bei Konzerten gern ins Publikum fallen. Bis er einmal im Osten auftrat und die dort nicht wussten, dass sie ihn auffangen müssen. Also plumpste er hart auf den Boden. Viel mehr weiß ich nicht über die Band. Zur Zeit kann man dem Campino aber nicht entgehen, weil er sich gegen Jan Böhmermann in Stellung bringt. Das ist ziemlich peinlich.

Lieber uncool sein als ein cooles Arschloch, das nicht in der Lage ist, sich konstruktiv einzubringen“, meint Campino über Böhmermanns Kritik am Deutschen Musikpreis Echo.

Ich sehe das anders. Böhmermann ungetrübter Blick auf die deutsche Musikszene ist witzig und scharfsinnig:

Osterpost

Der Schweinezüchter in meinem Dorf fährt neben einem Porsche Cayenne noch zwei weitere Fahrzeuge des gleichen Herstellers. Zweifellos sind die Menschen hier passionierte Fleischesser und schauen nicht aufs Geld, so dass in meinem kleinen Stadtteil noch eine weitere Metzgerei ein gutes Einkommen hat.

Der Schweinezüchter mit dem teuren Fuhrpark fährt zweimal wöchentlich in die Stadt und grillt auf dem Markt seine Riesensteaks. Die Städter, vor allem die männlichen, lieben das. Rund um mein Dorf sind Felder, der Flusslauf ist renaturiert und wir haben ein kleines Naturschutzgebiet. Leider stinkt es hier sehr oft.
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Hölle Eigentümergemeinschaft

„Die Hölle, das sind die anderen“, schrieb Jean-Paul Sarte 1944 in seinem Theaterstück „Geschlossene Gesellschaft“. Der Prototyp der aneinandergeketteten Gruppe von Menschen mit widerstreitenden Interessen – die Eigentümergemeinschaft – gab es damals in Frankreich noch gar nicht, dort wurde der Erwerb von Wohnungseigentum erst 1965 gesetzlich geregelt.

In Deutschland gab es schon um 1900 sogenanntes „Stockwerkseigentum“. Diese Eigentumsform hatte auch den Spottnamen Händelhaus (in Süddeutschland: „Streithäuser“), weil es häufig zu Streit zwischen den Eigentümern kam. Daran hat sich auch heute nichts geändert, auch wenn seit 1951 das Wohnungseigentumsgesetz das Verhältnis der Eigentümer nach innen und außen regelt. Inzwischen verfügen in Deutschland circa 15 Prozent aller Haushalte über eine Eigentumswohnung. Das heißt, fast 6 Millionen Haushalte finden sich – meist ziemlich unvorbereitet – in dieser Zwangsgemeinschaft zusammen.

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„Die Rückkehr der Diener“ von Christoph Bartmann

Jammern über lange Supermarktschlangen ist eigentlich obsolet. Sobald vier oder fünf Kunden an der Supermarktkasse stehen, drückt die Kassiererin einen Knopf und es ertönt die Durchsage: „Wir öffnen Kasse 2 für Sie!“

Kürzlich wartete ich an dritter Stelle an der Kasse unseres (einzigen) Dorf-Supermarktes, hinter mir stellten sich zwei Mädels von 9 oder 10 Jahren mit ihren Süßigkeiten an. Es verging keine Minute, da riefen sie: „Hallo, kann man nicht mal ne weitere Kasse aufmachen?“. Die anderen Wartenden ließen die ungeduldigen Mädchen vor. Als ich ein paar Minuten später an ihnen vorbei radelte, warfen sie gerade die Duplo-Verpackung auf den Gehweg und schlenderten weiter.

So ist das also, wenn man in einem der Frankfurter Neubaugebiete groß wird: Diener überall. Eltern, die für eine halbe Million ein Häuschen kaufen, beschäftigen natürlich Personal zum Putzen, Bügeln und Kinder „bespaßen“. Die Männer von der Straßenreinigung, die Frauen an der Supermarktkasse, wahrscheinlich auch die Erzieher im Hort: Für die moderne Mittelklasse, ob alt oder jung, sind das Dienstboten.

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Integratives Wohnprojekt in Harheim

Vor einem Jahr war es in meinem Stadtteil ungemütlich geworden. Die Stadt Frankfurt war bei ihrer Suche nach Grundstücken für Flüchtlingsunterkünfte auch in Harheim, einem der kleinsten Stadtteile Frankfurts und idyllisch an der Nidda gelegen, fündig geworden. Viele Bürger, vor allem aus dem Neubauviertel, an dessen Rand das betreffende Grundstück liegt, hatten sich empört. Zu der Anhörung, in der die Verantwortlichen des Projekts Rede und Antwort standen, waren auch Anhänger rechter Gruppierungen angereist, in der Hoffnung, die Stimmung weiter anheizen zu können. (Ich habe über die Veranstaltung hier berichtet: KLICK)

Die Kritik an den geplanten Holzmodulen nahm die Stadt auf und plante um: Die neuen Unterkünfte werden jetzt im Reihenhausstil gebaut. Dennoch formiert sich aktuell neuer Widerstand im Stadtteil: Die Interessengemeinschaft IG Harheim hat in den letzten Tagen im Dorf Flugblätter verteilt und ruft die BürgerInnen dazu auf, bei der am Montag stattfindenden Ortsbeiratssitzung gegen das Projekt zu protestieren.

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ÖPNV in Frankfurt: Kommunikation mit Fahrgästen

Im Frankfurter Norden sind mehrere Stadtteile nur per Bus an das städtische Verkehrsnetz angebunden. Vor einigen Jahren hat die damalige Stadtregierung von CDU und Grüne die Buslinien an einen privaten Betreiber vergeben. Weil er am billigsten war. Der Nachteil: Der Betreiber hat weder genug Personal, um defekte Busse zügig reparieren zu lassen, noch kann er sich Ersatzbusse leisten. Deshalb sind z.B. auf den beiden Linien 25 und 28 oft defekte Fahrzeuge unterwegs. Manche Türen lassen sich seit Monaten nicht mehr öffnen.

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Der übliche Ablauf seit Jahren: Die Fahrgäste beschweren sich, der zuständige Dienstleister traffiq antwortet nach zwei Monaten irgendwas, der Zustand bleibt unverändert. Der Fahrgast resigniert. Nach einiger Zeit bildet sich eine neue Beschwerdewelle: Die Fahrgäste beschweren sich, der zuständige Dienstleister traffiq antwortet nach zwei Monaten irgendwas….

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Gar nicht bösartig? FAG und AFD als Spielwiesen für Despoten

Journalisten von Mitgliederversammlungen oder Parteitagen auszuschließen, wie es die AfD tut, widerspricht der Pressefreiheit. Doch wie der designierte US-Präsident Trump halten die Populisten nicht viel von Transparenz.

Allerdings ist die Presse auch bei anderen Parteien oder Wählergemeinschaften nicht unbedingt gern gesehen. Ich erinnere mich an die Mitgliederversammlung der Flughafenausbaugegner (FAG) im Winter 2005, wenige Monate vor der Kommunalwahl. Die Wählergemeinschaft war zerstritten, die Unterschiede zwischen den Lerchesberg-Bewohnern, die sich ausschließlich für das Thema Flughafenausbau interessierten und den Mitgliedern, die aus dem links-grünen Milieu kamen und sich auch für soziale Themen stark machten, hatten sich in den letzten Monaten verschärft.

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