Von Männern und Frauen

„Perfektion und Ausdruck geht nicht zusammen“ – bei der gestrigen Führung durch die Betonbrutalismus-Ausstellung im Frankfurter Architekturmuseum erzählte der Kunsthistoriker, wie es zu dem Muster auf Betonwänden kommt. Die Rillen und Einkerbungen entstehen durch die Holzbretter, in die der Beton gegossen wird. Da das eine sehr arbeits- und personalintensive Herstellungsweise ist, begann man schließlich ganze Wände in eine Fassung zu gießen, dadurch verschwand aber die typische Oberfläche, der Beton wurde eben, der Ausdruck der Bauten ging verloren. Deshalb entschieden die Baumeister irgendwann, die fertigen Wände von Arbeitern mit Hammer und Meißel nachbearbeiten zu lassen, um so einen „Vintage-Look“ zu erreichen.

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Frankfurter AfD-Vorsitzender Rahn wegen Volksverhetzung angezeigt

„Nach eigener Fasson zu denken und im Rahmen gleicher Rechte für alle zu reden und zu leben, das ist unsere Kultur. In einer Demokratie werden, anders als in einer Meritokratie, alle Personen gleichwertig als selbstbestimmte Wesen anerkannt, unabhängig von ihrer Herkunft, ihren Fähigkeiten, Leistungen und Wertvorstellungen. Toleranz und Solidarität sollten unser Handeln bestimmen, nicht Ausgrenzung und Elitenbildung.“ (Martin Kliehm in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung vom 28.9.2017)

Nach der gestrigen Veröffentlichung des Wortprotokolls der Plenarsitzung hat der Stadtverordnete der Linken Martin Kliehm den AfD-Vorsitzenden Rainer Rahn wegen Volksverhetzung angezeigt. Die Hetzrede von Rahn und die Reaktionen darauf sind hier unter TOP 9 nachzulesen: KLICK.

(Alle Blog-Artikel zu –> Rainer Rahn).

Herbstspaziergang im Morgennebel

So ruhig und verträumt, wie es auf dem Bild aussieht, wird es für Jahre an der Nidda in Berkersheim und Harheim nicht mehr sein. Der Ausbau der Main-Weser-Bahn beginnt im nächsten Jahr, die Rodungsarbeiten an der Strecke haben bereits begonnen. Auch wenn durch den Lärm und Baustellenverkehr harte Zeiten auf uns AnwohnerInnen zukommen, bin ich eine Befürworterin dieses wichtigen Infrastrukturprojektes (alle Artikel zum Thema hier: 4statt2)

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Buchmesse 2017: Im eigenen Saft

Bei den aufregenden Events der letzten Tage war ich nicht dabei. Zum Beispiel heute Abend beim Konzert von Udo Lindenberg.

(Danke fürs Foto an ML)

Oder gestern, als Martin Schulz beim Vorwärts Verlag über das Buch von Nils Minkmar (Das geheime Frankreich) sprach. Draußen vor der Halle 3 hörte ich ihn, umgeben von Kameraleuten und Journalisten, über den deutschen Außenminister schimpfen (wer ist das noch mal?). Zu Rafik Schamis Lesung bei der ZEIT war kein Durchkommen und Didier Eribon auf dem Blaue Sofa habe ich auch verpasst.

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Frankfurter Buchmesse 2017: Ein Grüner zur Flüchtlingspolitik

Nächstes Jahr wählen wir eine neue oder den alten Oberbürgermeister(in) in Frankfurt. Der amtierende OB Peter Feldmann ist des Öfteren wegen seiner ausufernden Öffentlichkeitsarbeit in der Kritik. Was wir aber an ihm haben, wurde mir gestern bewusst, als ich an zwei Gesprächsterminen mit dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer teilnahm.

Palmer ist viel auf der Buchmesse unterwegs, um sein Buch „Wir können nicht allen helfen“ vorzustellen. Ich bezweifle nicht, dass viel Wahres in diesem Buch steckt, seine Kritik an den Bauvorschriften etwa, die es unmöglich machen, schnelle und angemessene Flüchtlingsunterkünfte zu bauen. Zwar überrascht es mich, dass ein bekannter Politiker ein Buch schreiben muss, um seine Kritik vorzubringen, anstatt seine politischen Möglichkeiten zu nutzen, um diese Missstände zu ändern – aber vielleicht hören sie in Berlin nicht mehr auf den Grünen aus Süddeutschland. Jürgen Trittin ist zum Beispiel nicht gut auf Palmer zu sprechen und hat am Tag, als dieser sein neues Buch von der stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Julia Klöckner vorstellen ließ, getwittert: „Wie, hatte @SteinbachErika keine Zeit? Stattdessen nur #BurkaJulia @JuliaKloeckner? Bitter für Boris“


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Buchmesse 2017 eröffnet mit Sacktuch

Meine Oma, die in den späten 80ern in schlechter Laune verschied, benutzte noch das Wort Sacktuch. Heute sagt jeder Tempo, weil kaum einer mehr ein Taschentuch aus Stoff benutzt. Sacktücher wurden früher den Männern zum Geburtstag oder zu Weihnachten geschenkt und von den Gattinnen ordentlich heiß gewaschen und gebügelt.

Seit gestern Abend wissen auch jüngere Menschen wieder, was es mit dem Sacktuch auf sich hat: Man kann es in kommunikativ herausfordernden Situationen aus der Hosentasche ziehen und geräuschvoll hinein schneuzen.

Soviel zum Deutschen Buchpreis 2017. Wer mehr darüber wissen will, dem sei der Artikel von Andreas Platthaus in der FAZ empfohlen: „Ihn hat es gerührt, uns geschüttelt“.

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Frauke Petry will nicht der AFD-Fraktion angehören

„Eine anarchische Partei kann dem Wähler kein Angebot für eine Regierungsübernahme machen“, mit diesen Worten hat Frauke Petry in der Bundespressekonferenz mitgeteilt, dass sie der AFD-Fraktion im Bundestag nicht angehören will. Ohne auf die Proteste ihrer Parteifeinde oder auf Fragen der Journalisten einzugehen, rauschte sie aus dem Saal. Das bedeutet wohl, dass sie als Fraktionslose in den Bundestag einzieht und dort versucht, weitere AFDler abzuwerben.

Haben sich die Demokratie verachtenden Protestwähler das so vorgestellt?