Verrat: Max Frisch und Ingeborg Bachmann

Heute wäre Max Frisch hundert Jahre alt geworden. Seine Romane „Stiller“ und „Mein Name sei Gantenbein“ waren viele Jahre meine Lieblingsbücher. Wunderbar sind auch die von Uwe Johnson zusammengestellten „Stichworte“ aus Frischs Werk.

Max Frisch war mehrere Jahre mit der Lyrikerin Ingeborg Bachmann liiert.

„Im Juli 1958 lernte Frisch die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann kennen. (…) Obwohl Bachmann einen schriftlichen Heiratsantrag ablehnte, folgte Frisch ihr 1960 nach Rom, wo er bis 1965 seinen Lebensmittelpunkt behielt. Die Beziehung gilt als intensiv, jedoch auch als für beide Seiten problematisch: Frisch, der seine sexuelle Untreue selbst stets offen eingestand, reagierte mit starker Eifersucht auf seine neue Partnerin, die für sich die gleichen Rechte einforderte.

Sein 1964 veröffentlichter Roman Mein Name sei Gantenbein gilt (…) als literarische Reaktion auf die Beziehung, die im Winter 1962/63 in Uetikon zerbrochen war. (…) Hier greift Frisch die im Tagebuch 1946 –1949 geäußerte Auffassung wieder auf, dass das Wesentliche für die Sprache unsagbar bleibe.“ (wikipedia)

Bachmann und Frisch habe wunderbare Sätze zum Verrat hinterlassen:

Meine Lieblingsstelle in Ingeborg Bachmanns „Undine geht“ (enthalten in dem Band „Das dreißigste Jahr“):

„Mein Gelächter hat lange die Wasser bewegt, ein gurgelndes Gelächter, das ihr manchmal nachgeahmt habt mit Schrecken in der Nacht. Denn gewußt habt ihr immer, dass es zum Lachen ist und zum Erschrecken und dass ihr euch genug seid und nie einverstanden wart. Darum ist es besser, nicht aufzustehen in der Nacht, nicht den Gang hinunterzugehen, nicht zu lauschen im Hof, nicht im Garten, denn es wäre nichts als das Eingeständnis, dass man noch mehr als durch alles andere verführbar ist durch einen Schmerzton, den Klang, die Lockung und ihn ersehnt, den großen Verrat.“

Max Frisch in „Mein Name sei Gantenbein“:

„Ich lechze nach Verrat. Ich möchte wissen, dass ich bin. Was mich nicht verrät, verfällt dem Verdacht, dass es nur in meiner Einbildung lebt, und ich möchte aus meiner Einbildung heraus, ich möchte in der Welt sein. Ich möchte im Innersten verraten sein.“

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