Integratives Wohnprojekt in Harheim

Vor einem Jahr war es in meinem Stadtteil ungemütlich geworden. Die Stadt Frankfurt war bei ihrer Suche nach Grundstücken für Flüchtlingsunterkünfte auch in Harheim, einem der kleinsten Stadtteile Frankfurts und idyllisch an der Nidda gelegen, fündig geworden. Viele Bürger, vor allem aus dem Neubauviertel, an dessen Rand das betreffende Grundstück liegt, hatten sich empört. Zu der Anhörung, in der die Verantwortlichen des Projekts Rede und Antwort standen, waren auch Anhänger rechter Gruppierungen angereist, in der Hoffnung, die Stimmung weiter anheizen zu können. (Ich habe über die Veranstaltung hier berichtet: KLICK)

Die Kritik an den geplanten Holzmodulen nahm die Stadt auf und plante um: Die neuen Unterkünfte werden jetzt im Reihenhausstil gebaut. Dennoch formiert sich aktuell neuer Widerstand im Stadtteil: Die Interessengemeinschaft IG Harheim hat in den letzten Tagen im Dorf Flugblätter verteilt und ruft die BürgerInnen dazu auf, bei der am Montag stattfindenden Ortsbeiratssitzung gegen das Projekt zu protestieren.

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ÖPNV in Frankfurt: Kommunikation mit Fahrgästen

Im Frankfurter Norden sind mehrere Stadtteile nur per Bus an das städtische Verkehrsnetz angebunden. Vor einigen Jahren hat die damalige Stadtregierung von CDU und Grüne die Buslinien an einen privaten Betreiber vergeben. Weil er am billigsten war. Der Nachteil: Der Betreiber hat weder genug Personal, um defekte Busse zügig reparieren zu lassen, noch kann er sich Ersatzbusse leisten. Deshalb sind z.B. auf den beiden Linien 25 und 28 oft defekte Fahrzeuge unterwegs. Manche Türen lassen sich seit Monaten nicht mehr öffnen.

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Der übliche Ablauf seit Jahren: Die Fahrgäste beschweren sich, der zuständige Dienstleister traffiq antwortet nach zwei Monaten irgendwas, der Zustand bleibt unverändert. Der Fahrgast resigniert. Nach einiger Zeit bildet sich eine neue Beschwerdewelle: Die Fahrgäste beschweren sich, der zuständige Dienstleister traffiq antwortet nach zwei Monaten irgendwas….

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Gar nicht bösartig? FAG und AFD als Spielwiesen für Despoten

Journalisten von Mitgliederversammlungen oder Parteitagen auszuschließen, wie es die AfD tut, widerspricht der Pressefreiheit. Doch wie der designierte US-Präsident Trump halten die Populisten nicht viel von Transparenz.

Allerdings ist die Presse auch bei anderen Parteien oder Wählergemeinschaften nicht unbedingt gern gesehen. Ich erinnere mich an die Mitgliederversammlung der Flughafenausbaugegner (FAG) im Winter 2005, wenige Monate vor der Kommunalwahl. Die Wählergemeinschaft war zerstritten, die Unterschiede zwischen den Lerchesberg-Bewohnern, die sich ausschließlich für das Thema Flughafenausbau interessierten und den Mitgliedern, die aus dem links-grünen Milieu kamen und sich auch für soziale Themen stark machten, hatten sich in den letzten Monaten verschärft.

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Mehr Parkplätze für Frankfurter Eigenheimbesitzer

fordert die CDU in Harheim. In meinem beschaulichen Stadtteil entsteht aktuell ein neues Wohngebiet. Es liegt mit Blick zur Nidda auf einem ehemaligen Gewerbegelände und ist – ohne allzu lokalpatriotisch klingen zu wollen – eine der schönsten Wohnlagen Frankfurts. Die Reihenhäuser, die hier neu entstehen, kosten ca. 500.000 Euro.

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Wer wird denn gleich in die Luft gehen?

„Ich würde mich auch gern so aufregen wie du“ – sagte vor fast dreißig Jahren meine Tischnachbarin Inge in der Abendgymnasiumsklasse, als ich mal wieder mit dem Mathelehrer über das „unvermeidbare Restrisiko“ stritt und weiter: „Aber ich darf nicht, ich habe multiple Sklerose.“ Worauf sie nicht verzichten wollte, war ein Kind. Da studierten wir schon jede an einer anderen Uni. Die stille Inge lebt schon lange nicht mehr.

Ich aber führe mich gelegentlich immer noch auf wie das in meiner Kindheit berühmte HB-Männchen. Mein Vater, der selbstverständlich HB rauchte, nahm sich das Männchen als positives Vorbild. Kindheit prägt.
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Die Läden meiner Kindheit: Von Caspari zu Toom

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In meiner frühen Kindheit war Einkaufen gehen kein Stress. Ich lief an der Hand meiner Mutter ein Stück die Gangstraße entlang, links lag die Einfahrt des Getränkehändlers, wo sich der Modergeruch des Kellergewölbes mit dem Duft von Apfelsaft mischte. (Damals trank kein Mensch Apfelschorle, warum den Gödderdroppe verdünnen? Diese Unart wurde von den Zugezogenen in den 90ern eingeführt, weil zuviel Zucker nicht gesund ist für den dauernuckelnden Nachwuchs.)

Geradeaus der Weiße Turm, bei dessen Anblick ich mich täglich fragte, ob die Prinzessin noch im Turm eingesperrt war oder schon befreit wurde. Im Laden von Caspari kaufte meine Mutter sich kleine Nescafe-Döschen für 20 Pfennig. Gegenüber war ein Gemüseladen, der nach frischem Obst und gerade weggefegtem leicht angefaultem Gemüse roch. (In der Frankfurter Kleinmarkthalle kann man diesen Geruch noch finden.)

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Frankfurter Buchmesse 2016 (1): Meinungsfreiheit und Populismus

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Unter dem Motto „Für das Wort und die Freiheit“ lud der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am ersten Tag der Frankfurter Buchmesse drei Gäste auf sein Podium: Khola Maryam Hübsch, Autorin des Buches „Unter dem Schleier die Freiheit“ (Link zur Besprechung von Antje Schrupp), Schriftsteller und Kabarettist Tom Lanoye und den niederländischen Autor Frank Westerman. Die Diskussion zeigte einmal mehr, was die Populisten in den letzten Jahren angerichtet haben: Die Meinungsfreiheit ist in Verruf geraten.
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