Krisenzeiten 10: Rausch

Wird man in 10 Jahren noch wissen, was im Frühjahr 2021 mit „Öffnungsrausch“ und „Verweilverbot“ gemeint war? Erstere Vokabel hat gestern der bayerische Ministerpräsident Markus Söder benutzt. Er meinte damit, die vorsichtige Aufhebung des Shutdowns (oder wie Heribert Prantl sagt: des Notstands), also der Wiedereröffnung von Gastronomie, Kultur etc. nach 4-monatiger Schließung (und einem ersten Lockdown von Mitte März bis Anfang Mai 2020) dürfe nicht in Ekstase geschehen. Ich bezweifele, dass nach diesem Jahr der Pandemie noch viele Leute diesen lustvollen Zustand kennen.

Mit „Verweilverbot“ hat sich die Stadt Düsseldorf in die Schlagzeilen geschrieben. Dort darf man aktuell bei einem Spaziergang am Rheinufer nicht mehr auf einer Bank sitzen oder auch nur stehen bleiben.

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Krisenzeiten 9: Gehen

Vor drei Monaten habe ich meinen letzten Beitrag geschrieben, der von der Corona-Krise inspiriert war, was nicht heißt, dass für mich das Thema nicht ständig „virulent“ wäre. Wie auch, die Infektionszahlen steigen und die Fluchtwege (Kleingarten, Radausflüge) werden ungemütlich.

Ich gehe. Ich gehe und sinniere. Ich gehe, sinniere und plane.

Außer an meinem Oldie-Mittwoch, an dem ich in den vergangenen Monaten Erzähl-Spaziergänge durch die Frankfurter Parks angeboten habe, fahre ich möglichst nicht mehr in die Stadt. Mein Dorf am Rand von Frankfurt ist eine Insel, umgeben von Bach, Fluss und Feldern. Hier gehe ich die Windrichtungen ab, Ziel ist zum Beispiel ein zwei Kilometer entfernter Hofladen mit Cafe, der zu einem Aussiedlerhof gehört und über eine große Terrasse verfügt. Aber bei Wind und Regen über die ungeschützten Felder dorthin zu gehen, macht wenig Spaß.

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Krisenzeiten 8: Randale

Heute Nacht haben in Frankfurt auf dem Opernplatz Hunderte junge Männer randaliert, auch eine junge Frau war auf den Videos zu sehen, sie haben Mülltonnen geworfen, eine Bushaltestelle zerstört und die Polizei angegriffen. Mich haben die Bilder an den 18. März 2015 erinnert, da war der Blockupy-Protest zur EZB-Eröffnung (KLICK). Ich habe damals mit Occupy und Blockupy sympathisiert und oft über das Occupy-Camp und die Demos berichtet. Der 18. März 2015 war für mich eine Zäsur, ich war seitdem kaum noch auf Demos.

Kann man die Ereignisse vergleichen? Ich denke schon, es handelt sich bei den Randalierern um überwiegend junge frustrierte Männer, die glauben, Gewalt wäre cool.

Vor einer Woche hat Frederike Haupt in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über die Szene vor der Alten Oper berichtet: „In Frankfurt kommen besonders viele Menschen an die Party-Hotspots. So feierten an den vergangenen Wochenenden bis zu 2.500 Leute auf dem zentralen Opernplatz. Ein Sprecher des Ordnungsamtes sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, es sei wegen der schieren Zahl der Feiernden nicht möglich, die Regeln durchzusetzen, die seit Corona gelten. Zudem träten viele Partybesucher der Stadtpolizei gegenüber aggressiv auf.“
Link zum Artikel: KLICK)

Man musste also damit rechnen, dass die Stimmung auf dem Platz kippen kann.

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Krisenzeiten 7: Mehr Aufregung!

Tatsächlich ist alles ruhig. Der Kleingarten ist unser aller Rettung. Wir gehen abwechselnd hin, das Kind lernt dort fürs mündliche Abi, bekommt Besuch von Freunden (einzeln, hoffe ich). Alle sind begeistert von diesem Ort, dem in Vor-Corona-Zeiten der Ruch des Spießigen anhaftete.

Gestern hatte ich einen leichten Lagerkoller und fuhr in die Stadt. In der U-Bahn waren viele männliche Kinder und Jugendliche ohne Maske – wahrscheinlich ist das die zeitgemäße Mutprobe. Ich habe einen Abstecher zur Demo am Rossmarkt gemacht, dort sprach eine AfD-Vertreterin vor 15 Anhängern gegen die Corona-Maßnahmen, weitläufig abgesperrt und beschützt von Polizisten vor ca. 300 Gegendemonstranten, die auch zu eng standen. Auf der Zeil war die Hölle los, das Kaufhaus, in das ich flüchtete, quält seine Kunden mit einem brutalen Lichtkonzept, ein perfekter Migräne-Trigger. Dennoch war es gut, mal wieder fremde Menschen zu sehen.

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Krisenzeiten 6: Würde

Jetzt also doch: Maskenpflicht. Einkaufen, Bus und Bahn fahren wird für Allergiker eine Herausforderung. Wer sowieso schon Probleme mit der Nasenatmung hat, für den wird der Atemwiderstand durch die Maske auf einer längeren Fahrt mit dem ÖPNV schwierig zu bewältigen sein.

Ach, dann fahren wir halt wieder alle Auto, gell!

Der Tagesspiegel hat ein interessantes Interview mit Wolfgang Schäuble geführt:

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Krisenzeiten 5

„Wir haben nicht damit gerechnet, aus Machtarroganz, aus kapitalistischer Überlegenheitsarroganz, aus Durchsetzungsarroganz: Kapital schafft alles – auch Viren, und deshalb keine Vorsorge getroffen, an Schutzkleidung, Masken, etc.“ (Bazon Brock im dlf-Podcast „Optimisten sind Volksverdummer“: KLICK)

Denkt ihr öfter als früher an den Tod? An Euren oder an den Eurer Angehörigen? Denkt Ihr: Mist, ich wollte doch noch Delfine in Freiheit sehen? Oder, wenn das rum ist, gehe ich jede Woche dreimal ins Restaurant? Und, sobald ich darf, fahre ich ans Meer?

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Krisenzeiten 4

Im Frankfurter Stadtteil Bonames gab es früher einen Smart-Markt. Diese Märkte wurden in Frankfurter Stadtteilen mit geringer Infrastruktur eingerichtet und sollten die Nahversorgung insbesondere für ältere und weniger mobile BürgerInnen verbessern. Die Mitarbeiter der Märkte waren Langzeitarbeitslose, die im Rahmen des „Frankfurter Wegs zum Berufsabschluss“ ihre Ausbildung zum Verkäufer oder Kaufmann-/Kauffrau im Einzelhandel absolvieren konnten. Tolle Idee, von der man aber inzwischen nichts mehr hört.

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Krisenzeiten 3

Mittwoch ist mein Oldie-Tag. Weil ich seit acht Jahren als Freiberuflerin arbeite und das überwiegend von zuhause – weshalb sich bei mir das Arbeitsleben nicht viel anders anfühlt als vor der Corona-Krise – habe ich irgendwann beschlossen, mir einen Nebenjob zu suchen. Gefunden habe ich eine Stelle als Leiterin eines Aktivclubs. Eine feste Gruppe von Menschen zwischen Ende 50 und Mitte 80 trifft sich einmal die Woche vormittags zu Museumsbesuchen, Vorträgen, Stadtspaziergängen etc. Ich plane das Programm, organisiere Referenten oder schreibe selber Vorträge und bin immer auf der Suche nach interessanten und kostengünstigen Events für meine Leute.

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