Frankfurter Gewässer sind mit Fäkalienkeimen verseucht


Am Muttertag spazierte ich mit meiner Tochter am Pfingstberg entlang, einem idyllisches Fleckchen im Frankfurter Norden, wo ab und an ein paar Rinder grasen und Schafe ihr Gnadenbrot erhalten.

Der Weg führt den Eschbach entlang zum Jägersteg zwischen Harheim und Nieder-Eschbach. Eine junge Familie mit zwei kleinen Kindern spielte am Bach. Ich sprach die Familie an und fragte, ob sie wüssten, dass der Bach stark verunreinigt ist, weil in der Nähe eine Kläranlage ihr Abwasser einleitet. Sie verneinten.

Vor wenigen Wochen starben drei Menschen in der Frankfurter Uniklinik an einem Keim, den ein Mann eingeschleppt hatte, der zuvor in den Eschbach gefallen war.

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SPD in Frankfurt : Ein Stegner mehr

„Lieber ein Arroganter als gar kein Ganter, sagte die Gans.“ (Manfred Hinrich, 1926 – 2015, deutscher Philosoph)

Vorab muss man sagen: Die WählerInnen sind schuld. Nur 39 Prozent der Wahlberechtigten haben im März 2016 ihr Wahlrecht wahrgenommen. Von denen, die es taten, wählten 8,9 Prozent die AFD. Schwarz-Grün verlor die Macht. Theoretisch wäre eine rot-rot-grüne Minderheiten-Regierung möglich gewesen, aber zwischen der SPD und den Grünen in Frankfurt herrscht seit langem mieses Klima und ob die Linken sich wirklich die Machtbeteiligung zugetraut (und angetan) hätten, weiß man nicht. Die SPD versuchte in den ersten Wochen nach der Wahl, die Grünen aus der Stadtregierung zu verbannen und wollte lieber mit der FDP zusammenarbeiten (siehe Artikel vom 11.4.2016). Allerdings beharrte die CDU auf ihrem langjährigen Partner, den Grünen.

Gestern Abend wurde in Frankfurt der erste gemeinsame Haushalt von schwarz-rot-grün debattiert. Man kann die Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung via Livestream mithören. (Den Link zum Stream veröffentlicht die Stadt Frankfurt auf ihrer Webseite Frankfurt.de, die nächste Sitzung findet am 29.6.2017 statt)

Die SPD ist nun also wieder an der Stadtregierung beteiligt, nach 10 Jahren Abstinenz. Ich freue mich darüber, weil wir mit Klaus Oesterling (SPD) jetzt einen Verkehrsdezernenten haben, der unter umweltfreundlicher Mobilität mehr versteht als Radwege für Innenstädter.

Allerdings haben wir jetzt auch einen Ralf Stegner in Frankfurt, er ist weiblich und heißt Ursula Busch. Die Ähnlichkeiten im Auftreten sind frappierend.

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Jugendliche Arbeitshaltung

Ich habe ein neues Hasswort: Arbeitshaltung. Nicht, dass ich etwas gegen Leistungsorientierung, Disziplin und Verantwortung hätte, ich bin nur der Meinung, es gibt wichtigere Dinge im Leben eines Jugendlichen.

Chaotische, muffige Jugendzimmer, alte Keksverpackungen unterm Bett, die erst als solche erkennbar werden, wenn man die Staubflusen abgeschlagen hat, Antworten wie: „Ja,ja, mach ich schon, kümmer dich nicht“, die aber niemals zu irgendwelchen Ergebnissen führen – kennen alle Eltern.

Aber unabhängig vom Alltagskram bin ich an manchen Tagen voller Bewunderung für meine Tochter. Wie sie sich zurechtfindet in ihren Peergroups, wie sie die Balance findet zwischen Nähe und Abgrenzung von ihren Eltern. Wie sie die sozialen Medien nutzt, um sich neue Kreise zu erschließen (zur Zeit ist es die Jodel-App – die eigentlich für Studenten entwickelt wurde).

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Lieber cool und intelligent

Den Hype um die Toten Hosen habe ich noch nie verstanden. Krawallmusik für spätpubertäre Jungs halt. Die grottenschlechten Songtexte schreibt Campino für die Band. („Trinken einen auf den Tod, trinken zwei auf das Leben. Der Horizont wird rot, doch hab noch Bock zu reden. Alles dreht sich, doch das geht ja jedem so auf dem Planeten.“)

Früher ließ sich Campino bei Konzerten gern ins Publikum fallen. Bis er einmal im Osten auftrat und die dort nicht wussten, dass sie ihn auffangen müssen. Also plumpste er hart auf den Boden. Viel mehr weiß ich nicht über die Band. Zur Zeit kann man dem Campino aber nicht entgehen, weil er sich gegen Jan Böhmermann in Stellung bringt. Das ist ziemlich peinlich.

Lieber uncool sein als ein cooles Arschloch, das nicht in der Lage ist, sich konstruktiv einzubringen“, meint Campino über Böhmermanns Kritik am Deutschen Musikpreis Echo.

Ich sehe das anders. Böhmermann ungetrübter Blick auf die deutsche Musikszene ist witzig und scharfsinnig:

Osterpost

Der Schweinezüchter in meinem Dorf fährt neben einem Porsche Cayenne noch zwei weitere Fahrzeuge des gleichen Herstellers. Zweifellos sind die Menschen hier passionierte Fleischesser und schauen nicht aufs Geld, so dass in meinem kleinen Stadtteil noch eine weitere Metzgerei ein gutes Einkommen hat.

Der Schweinezüchter mit dem teuren Fuhrpark fährt zweimal wöchentlich in die Stadt und grillt auf dem Markt seine Riesensteaks. Die Städter, vor allem die männlichen, lieben das. Rund um mein Dorf sind Felder, der Flusslauf ist renaturiert und wir haben ein kleines Naturschutzgebiet. Leider stinkt es hier sehr oft.
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Hölle Eigentümergemeinschaft

„Die Hölle, das sind die anderen“, schrieb Jean-Paul Sarte 1944 in seinem Theaterstück „Geschlossene Gesellschaft“. Der Prototyp der aneinandergeketteten Gruppe von Menschen mit widerstreitenden Interessen – die Eigentümergemeinschaft – gab es damals in Frankreich noch gar nicht, dort wurde der Erwerb von Wohnungseigentum erst 1965 gesetzlich geregelt.

In Deutschland gab es schon um 1900 sogenanntes „Stockwerkseigentum“. Diese Eigentumsform hatte auch den Spottnamen Händelhaus (in Süddeutschland: „Streithäuser“), weil es häufig zu Streit zwischen den Eigentümern kam. Daran hat sich auch heute nichts geändert, auch wenn seit 1951 das Wohnungseigentumsgesetz das Verhältnis der Eigentümer nach innen und außen regelt. Inzwischen verfügen in Deutschland circa 15 Prozent aller Haushalte über eine Eigentumswohnung. Das heißt, fast 6 Millionen Haushalte finden sich – meist ziemlich unvorbereitet – in dieser Zwangsgemeinschaft zusammen.

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„Die Rückkehr der Diener“ von Christoph Bartmann

Jammern über lange Supermarktschlangen ist eigentlich obsolet. Sobald vier oder fünf Kunden an der Supermarktkasse stehen, drückt die Kassiererin einen Knopf und es ertönt die Durchsage: „Wir öffnen Kasse 2 für Sie!“

Kürzlich wartete ich an dritter Stelle an der Kasse unseres (einzigen) Dorf-Supermarktes, hinter mir stellten sich zwei Mädels von 9 oder 10 Jahren mit ihren Süßigkeiten an. Es verging keine Minute, da riefen sie: „Hallo, kann man nicht mal ne weitere Kasse aufmachen?“. Die anderen Wartenden ließen die ungeduldigen Mädchen vor. Als ich ein paar Minuten später an ihnen vorbei radelte, warfen sie gerade die Duplo-Verpackung auf den Gehweg und schlenderten weiter.

So ist das also, wenn man in einem der Frankfurter Neubaugebiete groß wird: Diener überall. Eltern, die für eine halbe Million ein Häuschen kaufen, beschäftigen natürlich Personal zum Putzen, Bügeln und Kinder „bespaßen“. Die Männer von der Straßenreinigung, die Frauen an der Supermarktkasse, wahrscheinlich auch die Erzieher im Hort: Für die moderne Mittelklasse, ob alt oder jung, sind das Dienstboten.

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