Piraten ohne Frauen

Gratulation an die Piraten, die mit 15 Abgeordneten ins Berliner Landesparlament einziehen werden.

„Unter den voraussichtlich 15 Piraten, die nun ins Abgeordnetenhaus einziehen, ist lediglich eine Frau. Bei der Listenaufstellung am Jahresanfang hatte nur eine Frau kandidiert. Ob das die Kräfteverhältnisse im Landesverband widerspiegelt, ist unklar: Die Piraten lehnen die „Erfassung des Merkmals Geschlecht“ laut ihrem Grundsatzprogramm ab“, schreibt die taz heute.

Antje Schrupp hat sich schon vor zwei Jahren ausführlich mit dem Thema Piraten und Frauen befasst und heute erneut dazu gepostet:

„Die Grünen zum Beispiel haben ja auch nur deshalb so viele Frauen in ihren Reihen, weil sie eine Quote haben. Und offenbar brauchen sie die Quote auch nach 30 Jahren immer noch, weil ohne solchen äußeren Druck offenbar auch hier die Parteistrukturen und die Art und Weise, wie hier Politik gemacht wird, für Frauen schlicht weniger attraktiv sind als für Männer. Jedenfalls habe ich schon mit vielen grünen Frauen gesprochen, die gesagt haben: Hätten wir die Quote nicht, wären auch unsere Gremien ratzfatz wieder männerdominiert.“ (Hier bei Antje Schrupp weiterlesen)

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7 Gedanken zu “Piraten ohne Frauen

  1. Martin Kliehm (@kliehm) 21. September 2011 / 15:58

    Das Thema Frauen beschäftigt derzeit ziemlich viele Außenstehende, die Presse und auch einige Piratinnen und Piraten. Quoten können auch zur Lächerlichkeit werden, etwa wenn dem Vernehmen nach bei den Linken immer Männer und Frauen abwechselnd in Gremien reden müssen. Darum verstehe ich die ablehnende Haltung vieler Parteimitglieder gegenüber Quoten.

    Ich stimme aber zu, dass an der bisher eher geringen weiblichen Beteiligung (die höher ist als der Prozentsatz an Kandidatinnen auf Listen) innerhalb der Piratenpartei ein gesellschaftliches Problem zum Ausdruck kommt. Eine Quote kann vielleicht eine schnelle Lösung sein, aber lieber wäre mir es, die Ursachen zu erkennen und die Barrieren zu beseitigen, die bisher verhindern, dass sich Frauen stärker in der Piratenpartei einbringen. Vielleicht ist „stärker“ auch das falsche Wort im Zusammenhang mit Frauen, die sich eben anders, auf ihre Art einbringen und nicht so ämtergeil sind.

    Die Diskussion wird geführt, aber dazu muss man zuerst das Problem anerkennen, um Lösungen zu entwickeln. Ignoranz im Sinne von „wir sind postgender“ führt nicht weiter. Leider stoße ich auch bei vielen Piratinnen auf Unverständnis, die sich diesen Schuh nicht anziehen wollen, weil Feminismus oft so ein 1970er-Image hat, auch wenn wir auch heute noch lange keine gesellschaftliche Gleichberechtigung haben.

    • Carmen 21. September 2011 / 16:41

      In mancher Hinsicht waren wir in den 1970ern und 1980ern sogar weiter. Die Zuschreibung von Geschlechterrollen scheint mir heute viel restriktiver und das Bewusstsein für das sexuelle Selbstbestimmungsrecht ist bei jungen Frauen häufig geringer ausgebildet. Man mag ja die Quotierung kritisieren, dennoch ist das Frauenstatut der Grünen für mich eine wichtige und notwendige Errungenschaft.

      Was die weibliche Beteiligung in den politischen Gremien betrifft, muss man natürlich auch sagen, dass es sich bei vielen Sitzungen um bloße Vernichtung von Lebenszeit handelt. Die typische Ausschusssitzung einer Stadtverordnetenversammlung, bei der alle Männer aller Parteien zu jedem Tagesordnungspunkt zu Wort kommen müssen, weil die Pressevertreter im Raum sitzen, ist für viele Frauen schwer auszuhalten. Mir entspricht ein temporäres Engagement bei einer Bürger- oder Elterninitiative zur Erreichung eines bestimmten Ziels auch eher und dort trifft man auch in der Mehrzahl Frauen.

  2. Detlef Naumann (@BlaueWeihnacht) 22. September 2011 / 02:49

    Und wenn der Frauenanteil bei den Grünen dann bei 5% angelangt ist, weil die Frauen eben kein Interesse an der Politik haben, dann kommen diese 5% alle auf einen Posten, während die Männer in die Röhre schauen.

    Quoten müssen sich wenn an den Grundgesamtheiten orientieren.

    Wäre das cool eine Männerquote bei den Verwaltungsposten in Kindergärten. Eine echte Karriereschleuder. Weil es keine Männer gibt kommt jeder Idiot von Mann in die Leitungsposition. Nicht etwa weil er qualifiziert ist – nein er ist eben die Quote.

    Tolle Wurst!

    • Carmen 22. September 2011 / 07:36

      Der Frauenanteil bei den Grünen ist sehr hoch – eben weil politisch interessierte Frauen lieber dahin gehen, wo sie ihresgleichen finden. (Der grüne Blogger Alexander Nabert hat sich in seinem Beitrag: „Ob Quote oder nicht: Was zählt, ist der Feminismus!“ mit den Argumenten der Piraten gegen Quoten auseinandergesetzt.)

      Ich weiß nicht, wie du darauf kommst, dass Frauen kein Interesse an Politik haben? Weil die Piraten nur sehr wenig Frauen für sich interessieren können? Dann liegt das an der speziellen Parteikultur dort und natürlich an den Themen. Es ist also ein Problem der Piraten und nicht der politisch interessierten Frauen.

  3. Ilona 26. September 2011 / 11:24

    Welche Frau sollte eine Partei wählen, die nur eine Frau unter 15 Abgeordneten hat? Also wenn ich das lese, reicht es mir schon wieder.
    Altfeministin Ilona

    • Carmen 26. September 2011 / 14:00

      Ja, für uns Alt-Feministinnen ist die ganze Diskussion schon erstaunlich. „Die Piraten wollen Frauen nicht durch eine Quote degradieren“, habe ich gerade im Blog Kinderfresser Bar gelesen. Hääh?

      Mich erinnert das an die früheren Kommunisten – da wollten die Frauen auch immer Seite an Seite mit den Kerlen kämpfen, in der Küche und im Kinderzimmer waren sie dann aber doch allein…

      Gruß Carmen

      • Carmen 29. September 2011 / 15:56

        Es gibt zwar viel zu wenig Frauen bei den Piraten – aber den Text dieser Piratin sollte frau unbedingt lesen:

        „Wie in allen Parteien üblich, wurde ich hofiert, gewählt und motiviert – auch weil ich eine Frau bin. Es ist erschreckend: Die Strukturen in Parteien sind für Frauen äußerst unattraktiv, dennoch genießt man einen Vertrauensvorschuss, soll für alles kandidieren, was zur Verfügung steht, und immer nett lächeln. Dafür kann man sich in Anerkennung suhlen – bis zu dem Moment, wo eigenwilligere Gedanken kundgetan werden. So geschieht es täglich Frauen in allen Parteien. So geschah es auch mit mir.“

        Julia Schramm in einem Beitrag für die FAZ am 27.9.2011

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