Gar nicht bösartig? FAG und AFD als Spielwiesen für Despoten

Journalisten von Mitgliederversammlungen oder Parteitagen auszuschließen, wie es die AfD tut, widerspricht der Pressefreiheit. Doch wie der designierte US-Präsident Trump halten die Populisten nicht viel von Transparenz.

Allerdings ist die Presse auch bei anderen Parteien oder Wählergemeinschaften nicht unbedingt gern gesehen. Ich erinnere mich an die Mitgliederversammlung der Flughafenausbaugegner (FAG) im Winter 2005, wenige Monate vor der Kommunalwahl. Die Wählergemeinschaft war zerstritten, die Unterschiede zwischen den Lerchesberg-Bewohnern, die sich ausschließlich für das Thema Flughafenausbau interessierten und den Mitgliedern, die aus dem links-grünen Milieu kamen und sich auch für soziale Themen stark machten, hatten sich in den letzten Monaten verschärft.

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Der kleine Mann und die gute Frau der SPD

„Kann man noch Sozialdemokraten wählen?“- diese Frage hat Slavo Zizek im auf dem Sofatisch liegenden Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 8. Mai 2016 gestellt und statt weiter für die Kaffee-Gäste am Pfingstsonntag die Wohnung aufzuräumen, habe ich nach der schnellen Lektüre den Laptop hochgefahren.

„Wenn man sich ansieht, was die Syriza-Regierung in Griechenland vor ihrer Kapitulation forderte, merkt man sofort, dass alle Maßnahmen schon vor vierzig Jahren zum modernen Standard der Sozialdemokratie gehörten. Und es ist ein trauriges Zeichen, dass man heute zur radikalen Linken gehören muss, um solche Maßnahmen zu fordern (…)“ schreibt der Philosoph und plädiert im Folgenden keineswegs für die Wahl radikaler Parteien. Weiterlesen

Nein zur AFD im Frankfurter Stadtparlament (2)

„Ich bin entsetzt über seinen Weg in der Politik“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtparlament Frankfurt Klaus Oesterling kürzlich in der Frankfurter Rundschau über Rainer Rahn, den Kandidaten der AfD. Oesterlings Kollege von der CDU, Michael zu Löwenstein, sprach von einem „AfD-Personal jenseits der Seriosität“ und bezog sich darin auf Rahns „irrlichternde politische Karriere“. (Mehr dazu hier)

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Frauen, okkupiert die Plätze!

Männer, allein oder in Gruppen, sind für Frauen gefährlich, überall auf der Welt. In meiner Jugend ging diese Gefahr von amerikanischen Soldaten in den hessischen Kasernen aus, die abends und nachts frustriert durch die Friedberger Altstadt flanierten, aber die dortigen Kneipen nicht betreten durften, da diese fast alle das „Off Limits“-Schild an der Tür hatten. Gefährlich sind betrunkene, verletzte, aggressive, schwache, dumme, intelligente, bürgerliche, proletarische – Männer.

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Eine Frankfurter Karriere

Jahrelang war er ein Liebling der Frankfurter Presse: Wenn Ardi Goldmann sich zu Wort meldete, wurde der Griffel gespitzt. Ob es um die Druckräume im Bahnhofsviertel ging („Die Drogenszene schadet den Hotels“ – Ardi Goldmann plädiert für Räumung der Druckräume) oder um Michael Quasts Fliegende Volksbühne („Frankfurt ist eine Kackstadt“), Ardi Goldmann musste keinen Leserbrief schreiben, wenn ihm etwas in seiner Stadt nicht passte. Es genügte ein Anruf in der Redaktion. Weiterlesen

Bürgerentscheid in Frankfurt: Rennbahn oder DFB-Akademie?

Was wird aus W. wenn es in Frankfurt keine Rennbahn mehr gibt? Ich habe ihn lange nicht mehr gesehen, aber manchmal fällt mir diese alte Szene ein: Ich laufe auf dem Weg zum Uni-Turm die Senckenberger Anlage entlang und biege um die Ecke in die Robert-Mayer-Straße, als mir ein Taxi entgegenkommt und hält: Der ewig klamme W. streckt seinen Kopf aus dem hinteren linken Seitenfenster und erzählt glücklich, er habe aufs richtige Pferd gesetzt und 1.000 Mark gewonnen. Deshalb gönnt er, der sonst mit dem Moped durch die Stadt fährt, sich ein Taxi.

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Bildungs-Dünkel

„Gallien in seiner Gesamtheit ist in drei Teile geteilt“ – So lautet die Übersetzung des ersten Satzes aus Caesars „De Bello Gallico“. Nach der Lektüre des Artikels „Eins Komma Null“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung habe ich heute morgen den ersten Bildungsbürger (Allgemeinen Deutsche Hochschulreife bis in die 4. Generation nachweisbar) gefragt, den ich traf, ob er sich an diese Latein-Lektüre erinnert. Und tatsächlich, der Satz war meinem Gegenüber auch nach einigen Jahrzehnten noch präsent.
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