Protokoll eines Verbrechens

Ortwin Ennigkeit, der Ermittler im Fall des im Jahr 2002 entführten und ermordeten Jakob von Metzler hat (zusammen mit Barbara Höhn) ein Buch geschrieben: „Um Leben und Tod: Wie weit darf man gehen, um das Leben eines Kindes zu retten? – Der Fall Jakob von Metzler – Protokoll eines Verbrechens“.

„Nach tagelangen Vernehmungen hatte Kriminalhauptkommissar Ortwin Ennigkeit auf Weisung des Frankfurter Polizeivizepräsidenten Wolfgang Daschner dem Entführer des elfjährigen Jakob von Metzler die »Zufügung von Schmerzen« angedroht, falls er nicht endlich das Versteck des Kindes verrate. Zur tatsächlichen Anwendung von Gewalt kam es nicht, die Drohung genügte. Doch die Hoffnung, den Wettlauf gegen die Zeit zu gewinnen und Jakobs Leben zu retten, erfüllte sich nicht: Magnus Gäfgen hatte den Jungen bereits unmittelbar nach der Entführung getötet. In der Folge entbrannte eine beispiellose rechtspolitische Diskussion über »Folter«: In wahren Leserbrieffluten wurden die Ermittler als Helden gefeiert, während sie sich vor Gericht wegen Verletzung der Menschenwürde verantworten mussten.“ (so amazon in der Kurzbeschreibung des Buchs.)

Ich erinnere mich gut an die damalige Diskussion in Frankfurt. Aus dem links-grünen Milieu warnten viele davor, die „Folterandrohung“ zu bagatellisieren. Stefan Hebel hat in der Frankfurter Rundschau kürzlich in einem Leitartikel nochmals diese Sichtweise dargelegt, die ich intellektuell, aber nach wie vor nicht emotional nachvollziehen kann.

In einem Interview in der Frankfurter Allgemeinen erläutert heute der damalige Ermittler Ortwin Ennigkeit seine Sicht:

„Stefan Tomik: Der Begriff der Folter passt nicht?

Ortwin Ennigkeit: Absolut nicht. Um Gottes Willen. Wir wollten kein Geständnis erpressen, wir wollten das Leben eines Kindes retten. Die Täterschaft war ja längst klar. Es kann doch nicht sein, dass ein Kind sterben muss, weil sein Entführer keine Lust hat zu sprechen. Wenn ein betrunkener Autofahrer sich gegen ein Blutprobe wehrt, darf die Polizei gegen ihn unmittelbar Zwang anwenden. Sie darf ihm Schmerzen zufügen, seinen Widerstand brechen. Aber ich durfte dem Entführer nicht einmal mitteilen, dass als absolut letztes Mittel eine Zwangsmaßnahme in Erwägung gezogen worden war, um das Leben eines Kindes zu retten?“

(aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 18.9.2011)

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