Autogerechtes Harheim 2019

Man kann als Ortsbeirat von Harheim so allerhand machen. Sich zum Beispiel um zugeparkte Gehwege kümmern:

In dieser Straße (Foto unten) ist das Gehwegparken erlaubt und die Fußgänger dürfen auf der Straße gehen. Was die Stadt Frankfurt aber vergaß, als sie 2009 die Straße in eine verkehrsberuhigte Zone umwandelte, war die Klärung der Streupflicht. Seit 10 Jahren fühlt sich niemand zuständig für den sicheren Fußverkehr bei Schnee und Eis. Wäre dies nicht eine schöne Aufgabe für den Ortsbeirat?

Auf diesem Gehweg in der Korffstraße in Harheim wurde vor einigen Monaten ein Mann angefahren, der aus seiner Hoftür auf den Gehweg trat. Ein PKW-Fahrer, der keine Lust hatte zu warten, bis der Bus, der aus der Gegenrichtung kam, die schmale Straße passiert hat, fuhr auf den Gehweg und verletzte dabei den Fußgänger. Der Ortsbeirat schrieb einen Antrag an den Magistrat und forderte Poller. Diese wurden auf dem Gehweg (!) errichtet und, wie ich heute sah, bereits angefahren:

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Ist Traffiq schuld am schlechten ÖPNV im Frankfurter Norden?

Als noch der Grüne Stefan Majer Verkehrsdezernent in Frankfurt war, hielt ich sein mangelndes Interesse an einem ordentlichen ÖPNV im Frankfurter Norden für den Ausdruck grünen Lebensgefühls: Innenstadtnah wohnen, am liebsten im Nordend, einkaufen auf dem fußläufig erreichbaren Wochenmarkt, ansonsten viel mit dem Fahrrad unterwegs. Ein Verkehrsdezernent muss aber die ganze Stadt im Blick haben und da sieht es in vielen Stadtteilen so aus: Der nächste Supermarkt ist ein bis zwei Kilometer entfernt, einen Wochenmarkt gibt es nicht, es existiert keine direkte Anbindung zum Schienenverkehr, die Busse fahren nur alle 30 Minuten.

Als dann Klaus Oesterling (SPD) nach der Kommunalwahl 2016 neuer Verkehrsdezernent wurde, dachte ich, jetzt wird der ÖPNV besser – der Mann lebt autofrei außerhalb der Innenstadt, er wird’s richten. Pustekuchen!

Im Frankfurter Norden wird derzeit die Main-Weser-Bahn ausgebaut, damit die S6 eigene Gleise bekommt – ein seit Jahrzehnten geplantes Projekt, das ich unterstütze, denn die Verspätungen der S6 sind legendär. Selbstverständlich bin ich davon ausgegangen, dass ein Projekt mit einem derart langen Vorlauf so geplant wird, dass die Belastungen für die Fahrgäste möglichst gering sind.

Vor einem Jahr hat eine kleine Oppositionspartei im Frankfurter Römer den Magistrat gefragt, wie die Fahrgäste zur S-Bahn kommen, wenn die erforderliche Sperrung der Nidda-Brücke umgesetzt wird. Diese Brücke befährt der Bus 25, der die Fahrgäste von Nieder-Erlenbach und Harheim zum S-Bahn-Halt Berkersheim bringt. (https://www.stvv.frankfurt.de/download/B_276_2019.pdf )

Nach 10 Monaten (!) hat der Magistrat geantwortet: Der Bus 25 wird drei Monate lang ganz gestrichen. Allein in der Zeit von 7 bis 9 Uhr fahren 16 Kleinbusse von Nieder-Erlenbach über Harheim zum Bahnhof Berkersheim und transportieren ca. 400 Fahrgäste. Der Magistrat meint, die könnten alle noch in den ohnehin vollen Schulbus 28 einsteigen und wenn das nicht passt, weil die Leute zum West- oder Hauptbahnhof müssen, dann sollen sie erst mit dem Bus nach Nieder-Erlenbach fahren, dort in den Bus nach Bad Vilbel einsteigen, wobei allerdings die Tarifgrenze überschritten wird, und da in die S-Bahn einsteigen. Dann müssen die halt eine Stunde früher aufstehen und ein bisschen tiefer in die Tasche greifen, na und!

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Erstes autofreies Wohngebiet in Frankfurt

„Schade, dass die schwarz-grüne Stadtregierung nicht die Gelegenheit zu einem wirklichen Zukunftsprojekt genutzt hat und das Neubaugebiet zum autofreien Viertel erklärt hat. Für ein solches ökologisches Vorzeigemodell wäre das Neubaugebiet „Am Eschbachtal – Harheimer Weg“ bestens geeignet: Neben der perfekten Verkehrsanbindung verfügt der Stadtteil über gute Nahversorgung und eine fußnahe Kinderbetreuung.“

Das habe ich im Dezember 2013 hier geschrieben. Das Baugebiet ist seit 40 Jahren geplant, es wurde aus verschiedenen Gründen immer wieder verschoben, weil es dringendere Bauprojekte gab oder weil die Prognosen davon ausgingen, dass die Menschen die Städte verlassen würden. In den letzten sechs Jahren war es das Verdienst einer kleinen Anwohnerinitiative, die mit viel PR den Bau des Wohngebiets verhindern konnte. Man könnte fast meinen, die Politik hatte Angst vor dieser kleinen Gruppe älterer Herren mit Flipcharts, eine andere Erklärung wäre, dass die Initiative hochrangige Fürsprecher im Römer hat.
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Ludwig-Börne-Preis 2019 – Eva Menasse fürchtet das Internet

Solange Kopf und Herz vom Alten besetzt sind, findet das Neue keinen Platz. (Ludwig Börne)

Eines Abends vor circa 25 Jahren bin ich zum Wasserhäuschen in meiner Straße gegangen, um eine Packung Erdnüsse zu kaufen. Während ich wartete bis ich an die Reihe kam, hörte ich einem Gespräch von zwei Thekenstehern zu, sie pöbelten über Ausländer. Als ich meine Nüsse hatte, drehte ich mich zu den Männern um und sagte: „Schämen Sie sich nicht? Der Mann, an dessen Theke Sie gerade Ihr Bier trinken, ist auch Ausländer.“ Das Geschrei der beiden Männer hinter meinem Rücken hörte ich noch an der Haustür.

An diese lang zurückliegende Begebenheit musste ich gestern in der Paulskirche denken. Die Bier trinkenden Männer dachten, sie wären unter sich, aber sie bewegten sich in einer kleinen Öffentlichkeit. Nicht anders ist das heute auf Facebook oder Twitter.

Ginge es nach Florian Illies, dem Laudator des Ludwig-Börne-Preises 2019 und der Preisträgerin Eva Menasse (eine wunderbare Autorin!) gäbe es kein Twitter, keine Blogs, kein Facebook. Die schöne alte Öffentlichkeit wäre noch organisiert wie eine Preisverleihung in der Paulskirche: Jovial, selbstgewiss und von oben herab verkündet (meistens) ein Mann von publizistischem Rang, wie die Herren und Damen im Publikum die Welt zu sehen haben. Der Laudator bestimmt beim Börne-Preis allein den oder die PreisträgerIn. Illies hat diese Macht genutzt, seine Kritik an der neuen digitalen Welt, die er bereits 2014 in der Paulskirche vorgetragen hat, zum Hauptthema dieses Vormittags zu machen.

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Verkehrspolitik in Frankfurt – Alles eine Frage der Wahrnehmung

Engagierte Verfechterin des Nahverkehrs oder Querulantin? Alles eine Frage der Wahrnehmung und die ist in der Regel durch eigene Interessen gesteuert. Hier der eigennützige Anspruch des Fahrgastes in angemessener Zeit zum Ziel zu kommen, dort der verständliche Wunsch des Verkehrsunternehmens nach möglichst guter PR.

In Frankfurt-Harheim ist der Busverkehr immer wieder ein Thema. Wir zahlen den gleichen Preis fürs Ticket (90 Euro im Monat) wie die Innenstädter, bekommen dafür aber nur alle 30 Minuten einen Bus vorbei geschickt (außer in den Berufspendlerzeiten). Der Bus ist oft zu spät, was ziemlich blöd ist, weil dann der Anschluss an den städtischen Schienenverkehr verpasst wird. Wer kann, fährt mit dem Rad zur S-Bahn oder U-Bahn-Haltestelle, aber die vielen alten Leute in meinem Stadtteil können das nicht. Darum bleibe ich an dem Thema dran, schreibe gelegentlich meine Beschwerdemails an Traffiq, dem in Frankfurt für den Busverkehr zuständigen Verkehrsunternehmen und sage zu, wenn die Presse mal wieder jemanden sucht, der sich vor einem Bus ablichten lässt, um einen Artikel über den schlechten ÖPNV in Harheim zu illustrieren.

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Richtfest der Harheimer Unterkunft

Erfreuliche Nachrichten hatten die Frankfurter Dezernenten Mike Josef (Planen, Bauen) und Daniela Birkenfeld (Soziales) beim heutigen Richtfest in Harheim zu melden: Alle Klagen gegen das Bauprojekt wurden beigelegt bzw. zurückgezogen. Das ist ein gutes Zeichen für ein ursprünglich umstrittenes Projekt (siehe meine Post Harheim – ein Paradies in Frankfurt vom 22.1.2016). Neben einem Wohnriegel für ca. 90 Geflüchtete sieht das Gebäude einen Trakt für gemeinschaftliches Wohnen sowie für Betreutes Wohnen vor. Ende des Jahres können die ersten Menschen einziehen.

Der katholische Pfarrer brachte Brot und Salz mit.
Zum Reden mussten alle ins Gebälk aufsteigen

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Der Peter hat alles richtig gemacht

Die Mehrheit der Frankfurter ist zufrieden mit der Arbeit des Oberbürgermeisters Peter Feldmann, hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa in einer aktuellen Umfrage festgestellt. Circa 1.000 BürgerInnen wurden dazu in Frankfurt befragt. Ich war nicht darunter. Aber was hätte ich geantwortet? Dass ich es gut finde, dass wir einen jüdischen Oberbürgermeister haben? Dass es dem sozialen Frieden zugute kommt, wenn er die Nähe zum normalen Bürger pflegt und eher beim Bonameser Weihnachtsmarkt als in der Oper anzutreffen ist? Dass ich mich freue, dass unser Bürgermeister mir die Hand gibt, wenn ich ihn treffe? Alles richtig.

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