Zum Ende der städtischen Förderung des FFGZ

Das Feministische Frauengesundheitszentrum e. V. Frankfurt wird 2013 keine Zuschüsse mehr von der Stadt erhalten. Die Mitarbeiterinnen und der Vorstand des FFGZ bitten Ihre Unterstützerinnen darum, gegen diesen Bescheid bei der Stadt Frankfurt Protest einzulegen.

Muss in Zeiten des Internets, mit seinen schnellen und kompetenten Informationen zu jedem Thema der Frauengesundheit, eine verschuldete Stadt wie Frankfurt eine solche Institution mit Steuergeld unterstützen Weiterlesen

Das letzte Rascheln? Teil 2

„Hast du den Artikel über XX in der FR/FAZ gelesen?“ Solange meine Peer-Group nicht die gleichen Blogs liest wie ich, muss ich ihre Zeitungen lesen. Denn Zeitungsartikel bieten noch immer die verlässlichsten Gesprächsthemen.

Heute war es ein Artikel im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, den meine Freundin mir empfahl und dessen Lektüre mir die Zornesröte ins Gesicht trieb: „Rosa Rollback“ wurde der Text von Carolin Wiedemann überschrieben, der sich mit der Pinkifizierung der kindlichen Lebenswelt beschäftigt.

Nichts lässt Leute älter erscheinen als eine Kritik des Zeitgeistes bei gleichzeitiger Idealisierung der Vergangenheit. Weiterlesen

Schöne neue Familie? – Teil 3

Hätte es eine Bestätigung für die Behauptung von Jesper Juul gebraucht, der Ausbau der U3- Kinderbetreuung sei allein ökonomisch motiviert, so lieferte sie an diesem Wochenende der Präsident des Bundes der Deutschen Arbeitgeber (BDA) Dieter Hundt. Er verlangt:

„die Elternzeit auf zwölf Monate zu verkürzen, sobald der Ausbau der Kinderbetreuung gewährleistet sei. Deutschland habe im europäischen Vergleich zu lange Elternzeiten, kritisierte Hundt. Das wirke sich negativ auf die Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt aus. Auch den Bezug des Elterngelds will Hundt auf ein Jahr begrenzen, um den Anreiz für Frauen, zügig an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren, zu verstärken.“

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) widersprach umgehend: Weiterlesen

Schöne neue Familie? – Teil 2

Der Ausbau der Betreuung für unter Dreijährige ist für viele Eltern unbestritten ein Segen. Es ist meiner Meinung nach keinem intelligenten Erwachsenen zuzumuten, über einen längeren Zeitraum den ganzen Tag mit einem Kleinkind allein in einer Stadtwohnung zu verbringen, unterbrochen nur von Spaziergängen und Treffen mit anderen Eltern, die auch nur übers Kind reden. Meine Idealvorstellung, ein Kind groß zu ziehen, ist daher die Teilzeitbeschäftigung für beide Eltern.

Ansonsten bin ich inzwischen sehr dafür, dass jede/r seinen eigenen Lebensentwurf lebt. Mütter, die mehrere Jahre wegen der Kinder zu Hause zu bleiben, erfahren heute statt Anerkennung eher Verachtung, gerade von Frauen. Sich dem gesellschaftlichen Mainstream zu unterwerfen und schnell wieder arbeiten zu gehen, bringt dagegen viel Lob. Der Arbeitgeber nutzt Mütter allerdings in der Regel als Manövriermasse. Weiterlesen

Schöne neue Familie? – Teil 1

„Die Tagesmutter, in Frankreich liebevoll Nounou genannt, trägt die Hauptlast der Betreuung. Morgens um 8.45 klingelt die Mittfünfzigerin mit den blonden Locken an der Wohnungstür. Abends um 19.30 Uhr, wenn Hadriens Mutter der Kanzlei den Rücken gekehrt hat und an manchen Tagen auch der Vater schon zu Hause ist, zieht die Nounou leise die Tür hinter sich ins Schloss. Bevor sie geht, pflegt sie Hadrien (2) um 18.30 Uhr noch zu baden und – sollte die Mutter noch nicht da sein – auch ins Bett zu bringen.“ („Wie Europa seine Kinder hütet“, Frankfurter Rundschau vom 17.11.2012)

Was hier so positiv als das französische Betreuungsmodell vorgestellt wird, verursacht mir Gänsehaut. Weiterlesen

Fliehkräfte von Stephan Thome

Warum machen auch Romane glücklich, die von unglücklichen Protagonisten erzählen? Worin besteht der Unterschied zwischen einem lediglich gut geschriebenen Buch und einem Buch, das in uns nachwirkt und uns bereichert?

Weil mich diese Fragen nach der Wirkung von Literatur schon früh beschäftigten, habe ich mich während meines Soziologie-Studiums auch mit Tiefenhermeneutik beschäftigt. Dieses sozialpsychologische Verfahren versteht Literatur als „kulturelle Objektivation“, die sich durch „szenisches Verstehen“ erklärt. Das hat mir damals großen Spaß gemacht, ermöglichte es mir doch, viele Monate mit der Lektüre von Marlen Haushofers Romanen und Erzählungen zuzubringen.

Das ist lange her. Heute könnte ich es nach der Lektüre von Stephan Thomes neuem Roman „Fliehkräfte“ auch einfach bei dem Ausrufer „Ich liebe diesen Mann!“ belassen. Weiterlesen

„Marktkonformer Großraumbürofeminismus“

Es passiert gelegentlich, dass mich Texte wegen ihres Wortwitzes und der pointierten und leidenschaftlich vorgetragenen Argumente so begeistern, dass mir darüber gar nicht auffällt, dass ich eigentlich eine ganz andere Meinung als die Autorin pflege. Bei der heutigen Lektüre der FAZ war ich allerdings wachsam. Der furiose Artikel, der uns die hinreißende Wortschöpfung „marktkonformer Großraumfeminismus“ beschert, wurde von einer ziemlich wütenden Antje Schmelcher geschrieben.

Anlass war der Streit um das Betreuungsgeld. Es geht aber um mehr. Wie sollen Frauen leben? Sind Karrierefrauen glücklicher? Sind alle Mütter dumm?

Klischees machen unfrei. Alle. Die Karrierefrau ebenso wie die Mutter.

Dazu fällt mir eine kleine Geschichte ein: Vor ein paar Monaten war ich mit den Geburtstagsgästen meiner Tochter in einem Kleinstadt-Kino. Während die Kinder sich den Film ansahen, saß ich im Cafe vor dem Vorführungsraum und las. Als der Kinobesitzer mich sah, sagte er zu seinem Kollegen: Ich glaubs net, jetzt ham schon die Mütter ein Tablet!

Früher wäre ich die Wände hoch. Früher hätte ich wahrscheinlich eine Diskussion über das veraltete Frauen- und Mutterbild des Mannes begonnen. Oder eine trockene Bemerkung fallen lassen, wer hier den Kino-Besuch finanziert. Inzwischen denke ich: „Was interessiert mich denn, welches Bild dieser Mensch von mir hat?“

Meistens sind wir Frauen aber nicht gelassen, schon gar nicht im Vergleich mit anderen Frauen. Immer müssen wir unsere Entscheidung verteidigen, für oder gegen ein Kind, für oder gegen die Babypause, für oder gegen die Krabbelstube und später den Hort, für frühen oder späteren Wiedereinstieg, Vollzeit-, Halbzeit- oder doch nur den 400 Euro Job, etc.

Der Streit über den richtigen weiblichen Lebensentwurf wird unter Frauen mit unglaublicher Verbissenheit ausgetragen. Warum? Weil wir uns entscheiden und verzichten müssen. Immer. Der Tag hat 24 Stunden, wer zehn Stunden außer Haus ist, kann in der verbliebenen „Quality-Time“ dem Kind keine entspannte Mutter sein, dafür hat sie das gute Gefühl, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Die Mutter, die den ganzen Tag zu Hause ist, fühlt sich oft abgeschnitten vom erwachsenen Alltag und ist finanziell abhängig von ihrem Mann, die Teilzeit-Mütter wiederum sind „immer auf der Flucht“, wie eine Kollegin mal mein tägliches Gerenne zum Kindergarten und zur S-Bahn und wieder zurück nannte.

„Sie nennen es Glück“ hat Antje Schmelcher ihren Artikel überschrieben, in dem sie die Argumente der kinderlosen Karrierefrauen für deren Lebensentwurf auseinander nimmt. Frauen wie Bascha Mika, Bettina Wündrich und Barbara Vinken, die in ihren Büchern das Glück der berufstätigen Frau propagieren.

Diese Frauen sind so unpolitisch, nicht einmal zu merken, wie ein Arbeitgeberpräsident sie für seine Zwecke einspannt„, antwortet Schmelcher und betont: „Nie war der Feminismus arbeitgeberfreundlicher und angepasster.

Da hat sie recht. Allerdings bläst auch die Gewerkschaftsbewegung ins gleiche Horn. (Lies dazu meine Anmerkungen zum Internationalen Frauentag 2012)

Mütter haben keine Lobby„, sagt Schmelcher, und „Nie gab es mehr Buchtitel, die ein negatives Bild der Mutter transportieren„.

Es sind Frauen, die sich selbst Feministinnen nennen, die ihre freie Zeit damit füllen, gegen andere Frauen, Mütter, zu wettern.

Anscheinend muss man sich als Frau immer noch sagen lassen, wie man zu leben hat.
Ausgerechnet ihrer Minister-Erzfeindin (Kristina Schröder) ähneln die angeblich linken Verwertungsfeministinnen aber mehr, als sie wahrhaben wollen: brennender Aufstiegswille innerhalb großer Institutionen, verbunden mit einer im Grunde unpolitischen und angepassten Haltung. (…) Ihr Konformitätsdenken ist von der Angst regiert, ihnen könnte etwas vorenthalten werden, doch in ihrer Wahlfreiheit liefern sie sich den Institutionen aus, statt sie zu verändern.“
(Antje Schmelcher im FAS-Artikel vom 29.4.2012 „Sie nennen es Glück“)

Was mich aber an all diesen Büchern und Diskussionen am meisten irritiert, ist eine Leerstelle. Wo bleibt eigentlich der Mann, wo der Vater? Wir sind beim Thema familienfreundliche Arbeitszeiten für beide Geschlechter seit 30 Jahren nicht weitergekommen. Warum wird darüber nicht mehr diskutiert? Warum kämpfen die Gewerkschaften nicht für mehr Teilzeit-Jobs für Männer?

Und von wessen Glück reden wir eigentlich? Erwachsene, reife Menschen zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine notwendige Zeit lang ihre Interessen zugunsten ihrer Kinder zurückstellen können. Das machen Väter und Mütter seit Menschengedenken. Und ja, das macht sie glücklich, manchmal.

Hat Antje Schmelcher vielleicht recht: Sind die Bücher dieser kinderlosen „Feministinnen“ lediglich Rechtfertigungsprosa des eigenen Lebensentwurfs?

Frauentag 2012: Ich bin doch nicht blöd

Ich habe darauf gewartet, dass heute am Internationalen Frauentag wieder das Teilzeit-Bashing los geht. Heute ist es die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die den Gewerkschafterinnen den Platz einräumt, uns Teilzeit arbeitende Mütter als dumm, nein, nur als „maßlos unwissend“ zu bezeichnen.

Letze Woche habe ich irgendwo die Aussage von Ursula Ott, Chrismon-Redakteurin, gelesen, für sie als Mutter käme es nie in Frage, Teilzeit zu arbeiten, sie wolle „in ihrem Beruf aufgehen“.

Das erinnert mich an die Personalchefin eines Telekommunikationsunternehmens, die ich Ende der 90er Jahre kennengelernt habe. Sie sprach gerne davon, die Mitarbeiter müssten sich mit dem Job identifizieren. Besonders gesund war das für die Angestellten nicht, da das Unternehmen wöchentlich die Besitzer wechselte und schließlich doch Pleite ging.

Jetzt mal zum Mitschreiben, bzw. copyundpaste: Frau kann ihre Arbeit lieben und gut machen und dennoch mit der halben Stundenzahl zufrieden sein. Sie verzichtet vielleicht auf Konsum, genießt dafür aber die gemeinsame, ungehetzte Zeit mit ihren Kindern. Vielleicht ist sie aber auch nur froh, Zeit für ihren Garten oder zum Bloggen zu haben. Wenn man sich allein die Bücherblogger-Szene anschaut, da wird soviel gelesen und rezensiert, das können gar nicht alles Vollzeitangestellte oder Buchhändler sein. Liebe Redakteure: Die BloggerInnen schreiben das alles (noch) umsonst – das ist Ehrenamt, das ihr doch sonst gern lobend erwähnt.

Ich wüsste gern, wer bei all diesen Vollzeit arbeitenden Müttern die Begleitung von Ausflügen in der Grundschule übernimmt. Ich war immer froh, dass es Mütter gab, die das für mich übernehmen konnten, sonst hätte in den vergangenen vier Jahren kein Ausflug und keine Klassenfahrt in der Klasse meiner Tochter stattgefunden.

In der FAZ darf die Hanauer Frauenbeauftragte Imke Meyer heute von einer Teilzeitfalle sprechen, „weil die Frauen „aus maßloser Unkenntnis“ im Alter dann nur eine „Teilzeitrente“ hätten“.

Liebe Gewerkschafterinnen, ich bin nicht blöd. Ich kann rechnen. Man kann mich nachts wecken und ich plaudere aus, welche Rente ich nach heutigem Stand mit 67 bekomme. Vielleicht sind die Frauen heute einfach mutiger und gestalten ihr Leben nach eigenen Regeln. Und denken nicht wie frühere Generationen ab dem 40. Geburtstag an die bevorstehende Rente.

Wir bewegen uns noch!