Meine Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2011

Nachdem ich alle Leseproben für den Deutschen Buchpreis 2011 gelesen habe (Marlene Streeruwitz habe ich ausgelassen; ich bin schon so lange Feministin – ich darf das), weiß ich welche Bücher (alphabetisch gelistet) ich im kommenden Herbst lesen will.

1. „Letzte Fischer“ von Volker Harry Altwasser, denn ich muss unbedingt wissen, was es mit der Kurznasenseefledermaus auf sich hat. (Zu meiner Rezension nach der Lektüre des ganzen Romans geht es hier.)

2. „Gegen die Welt“ von Jan Brandt, weil ich es nach der Leseprobe für möglich halte, mich 928 Seiten lang mit der Geschichte eines ostfriesischen Schuljungen zu beschäftigen.

3. „Léon und Louise“ von Alex Capus, weil ich einer Liebesgeschichte, die in Paris spielt, nicht widerstehen kann.

4. „Wenn wir Tiere wären“ von Wilhelm Genazino. Ich mag Genazinos unentschlossene, dem Scheitern nahe Helden und natürlich aus Frankfurter Lokalpatriotismus. (Hier geht es zu meiner Besprechung des Romans)

5.„Sickster“ von Thomas Melle, weil ich gerne meine Vorurteile über reiche Bürgersöhnchen pflege („Gähnen in St. Moritz, Kotzen in Florida, mehr nicht“).

6. „Sturz der Tage in die Nacht“ von Antje Rávic Strubel, wegen der wunderbar eingängigen Sprachmelodie.

Nachtrag vom 14.9.2011: Und hier ist die offizielle Shortlist des Deutschen Buchpreises 2011.

Longlist 2011

Die Longlist für den Deutschen Buchpreis wurde heute bekannt gegeben. Meine Favoritin, die Frankfurter Autorin Zsuzsa Bank fehlt bedauerlicherweise. Dafür haben es die Frankfurter Peter Kurzeck und Wilhelm Genazino (Besprechung seines Buches „Ein Regenschirm für diesen Tag hier im Blog), auf die Liste geschafft.

Die shortlist wird am 14.9.2011 bekannt gegeben. Näheres auf den Seiten des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und demnächst hier im Blog.

„Ich glaube wirklich, dass ich überrascht bin“

Melinda Nadj Abonji erhält den Deutschen Buchpreis 2010 für ihren Roman „Tauben fliegen auf“. Ich war dieses Jahr nicht (wie im vergangenen Jahr) bei der Preisverleihung dabei. Das Video zeigt Auszüge aus der diesjährigen Preisverleihung.

Die Preisverleihung war der Startschuss für die diesjährige Buchmesse, es locken u.a. Veranstaltungen im Lesezelt auf dem Messegelände, im Hauptbahnhof und die Open Books des Frankfurter Kunstvereins.

Gejammert wird nicht

Russinnen sind stark. Sie sorgen für das schwache Geschlecht und ihre Kinder, sie jammern nicht über ihr hartes Leben, sie arbeiten, sind diszipliniert und kämpferisch.

Schon als ich vor Jahren „Plötzlich ist es Abend“ von Petra Morsbach gelesen habe, habe ich diesen Frauentyp kennengelernt. Inzwischen habe ich eine russische Freundin und sie entspricht diesem Bild auf fast gespenstische Weise. Sie ist gegenüber dem Hallodri an ihrer Seite loyal, aber niemals unterwürfig, sie steuert das Familienschiff zur Not allein, sie hat keine anderen Wünsche als ein gutes Leben für ihre Kinder.

So eine Frau ist auch Rosalinda, die Protagonistin in Alina Bronskys Roman, der es auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis geschafft hat: „Die schärfsten Gerichte der tartarischen Küche„. Schade, dass solche Bücher keine Chance haben auf den Preis. Es muss was Exprimentelles (ohne Satzzeichen) oder was monumental Langweiliges sein („Der Turm“).

Was wird aus Menschen, die jahrzehntelang um alles Lebensnotwendige anstehen, feilschen, kungeln müssen? Die nie den Luxus kannten, sich nach ihren „eigenen Bedürfnissen“ zu richten, die kein „Zimmer für sich allein“ kennen, nur zwei Zimmer für vier Leute mit Gemeinschaftsküche und -klo. Rosalinda will unbedingt ein besseres Leben für ihre Familie, darin ist sie unerbittlich. Diese Unerbittlichkeit führt sie schließlich mit ihrer Enkelin nach Deutschland.

Ein sehr lesenswertes Buch von einer jungen Autorin, die als Jugendliche von Russland nach Deutschland kam.

Alina Bronsky liest auf der Frankfurter Buchmesse: Am Sonntag, dem 10.10.2010 um 13 Uhr im Lesezelt auf dem Messegelände.

Shortlist DBP 2010

Na, da hab ich ja ganz schön daneben gelegen mit meiner Shortlist. Und mein Favorit für den Deutschen Buchpreis 2010: „Thomas Hettche: Die Liebe der Väter“ ist nicht dabei. Der Sieger unter den sechs Finalisten aus insgesamt 148 von der Jury gelesenen Romanen wird am Vorabend der Frankfurter Buchmesse bekannt gegeben.

Die nominierten Romane:

• Jan Faktor, Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag (Kiepenheuer & Witsch, März 2010)

• Thomas Lehr, September. Fata Morgana (Carl Hanser Verlag, August 2010)

• Melinda Nadj Abonji, Tauben fliegen auf (Jung und Jung Verlag, August 2010)

• Doron Rabinovici, Andernorts (Suhrkamp Verlag, August 2010)

• Peter Wawerzinek, Rabenliebe (Galiani Berlin, August 2010)

• Judith Zander, Dinge, die wir heute sagten (Deutscher Taschenbuch Verlag, September 2010)

Kristof Magnusson: Das war ich nicht

Dieses Buch hat mir großen Spaß gemacht. Ein amerikanischer Starautor, der den versprochenen Jahrhundert-Roman nicht liefern kann, seine deutsche Übersetzerin, die gerade aus ihrem adretten Leben geflüchtet ist und dringend das Geld braucht, das ihr die Übersetzung des Manuskripts einbringen würde und ein junger, übermüdeter Investment-Banker, der mit seinen waghalsigen, aber uneigennützigen Spekulationen die Finanzkrise auslöst, das sind die Figuren in Kristof Magnussons rasantem Roman „Das war ich nicht“.

Wie er zu diesem Thema fand, wollte die FAZ in einem Interview von Magnusson wissen?

„Ich stand auch schon mal in einer Bankfiliale, vor mir eine 75 Jahre alte Rentnerin und ein Berater, der ihr Zertifikate aufschwätzte“, berichtet er. Er habe bewusst in diese ihm fremde Finanzwelt eintauchen wollen. Zur Vorbereitung habe er viel gelesen, über die Fehlspekulationen des Société-Générale-Händlers Jérôme Kerviel zum Beispiel, und über Nick Leeson, der die Barings Bank in den Ruin trieb.“

Das Ergebnis ist aber weniger investigativ als vielmehr schelmisch. Ein Happy End gibt es auch – nicht für die globale Finanzwelt, aber für unsere drei liebenswerten Protagonisten. Dieses intelligente und witzige Buch (Kunstmann Verlag, 19,90 Euro) ist zu Recht auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis gelandet.

Mehr zum Buch in der FAZ und bei Karthause.

„Der Ministerpräsident“ von Joachim Zelter

Am 8. September wird die Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2010 bekanntgegeben, einige der 20 nominierten Romane will ich bis dahin gelesen haben.

Begonnen habe ich mit „Der Ministerpräsident“ von Joachim Zelter. Protagonist des knapp 200 Seiten starken Romans ist Claus Urspring, Ministerpräsident. Nach einem schweren Autounfall liegt er im Krankenhaus. Er erinnert sich weder an seine Frau, noch an den Namen seiner Partei – nicht einmal der schwäbische Dialekt ist ihm geblieben.

Der Unfall kommt zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt, denn der Wahlkampf steht vor der Tür. Für einen neuen Kandidaten fehlt die Zeit. Also versucht März, der persönliche Referent des Ministerpräsidenten, alles, um Urspring Wahlkampf-tauglich erscheinen zu lassen.

Was jetzt passiert, ist tragikomisch und abstrus, aber sehr realistisch. Weil z.B. das Hinken des Ministerpräsidenten ihn Stimmen kosten könnte, soll Urspring bis zum Wahltag nur noch Fahrrad fahren, sein Berater bastelt dazu ein neues politisches Konzept („CO2-Einsparung um 20 %“), dem sich auch der Gegner nicht entziehen kann. Ursprings Parteitagsrede wird von der Tontechnikerin Hannah aus Wort- und Satzstücken zusammengesetzt und als Playback auf dem Parteitag abgespielt, während Urspring auf der Bühne steht und die entsprechenden Gesten und Mundbewegungen versucht. Alles läuft nach Plan, bis Urspring sich von Hannah ver- und entführen lässt zu einer rasanten Fahrradtour, die die Pläne von März zunichte zu machen droht.

Wer würde bei dieser Geschichte nicht an Dieter Althaus denken, den ehemaligen Thüringer Ministerpräsidenten. Zelter gesteht in einem aktuellen Interview in der Jungen Welt auch ein, dass sein Roman von diesem Ereignis inspiriert wurde: Als Althaus verunglückt ist, hat einer der ihn behandelnden Ärzte im Fernsehen gesagt: »Er weiß, daß er Ministerpräsident ist, und er will es auch bleiben.« Ich fand diesen Satz geradezu grotesk. Ich dachte mir: Das ist ja eine schmale Grundlage, um Ministerpräsident zu bleiben: Er weiß, daß er es ist … Aber der Fall Althaus war nur ein Anstoß. Der Roman könnte von allen Ministerpräsidenten oder Politikern der Bundesrepublik handeln.

Fazit: Das Buch hat mir sehr gut gefallen.

Joachim Zelter: „Der Ministerpräsident“, Verlag Klöpfer und Meyer; 18,90 Euro

Deutscher Buchpreis 2010 – meine Shortlist

Heute habe ich mir in der Buchhandlung meines Vertrauens das Büchlein mit den Leseproben der Longlist, das sind die 20 für den Deutschen Buchpreis 2010 nominierten Romane, besorgt. Die Leseproben gibt es auch online und zwar hier.

Angesichts der häufig von Literaturkritikern vorgetragenen These, der erste Satz sage schon fast alles über die Qualität eines Romans aus, erlaube ich mir heute ungeniert ein schnelles Urteil zu fällen. Grundlage meiner persönlichen Shortlist (eine Auswahl von sechs Romanen aus der Longlist) sind die 4-seitigen Leseproben.

Meine Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2010

Alina Bronsky: Die schärfsten Gerichte der tartarischen Küche

Jan Faktor: Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder Im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag

Thomas Hettche: Die Liebe der Väter

Mariana Leky: Die Herrenausstatterin

Kristof Magnusson: Das war ich nicht

Joachim Zelter: Der Ministerpräsident

Nachtrag einen Tag später: Heute finde ich meine schnelles Urteilen doch eher unverschämt, statt ungeniert. Nach erneutem Lesen der Auszüge gehört auf meine Shortlist noch Michael Kohlmeyer: Ich wüsste zu gern, wie es mit „Madalyn“ weitergeht. Und auch die „Meeresstille“ von Nicol Ljubic, die mit ihrem sehnsuchtsvollen Ton verführt.