Bürgerentscheid in Frankfurt: Rennbahn oder DFB-Akademie?

Was wird aus W. wenn es in Frankfurt keine Rennbahn mehr gibt? Ich habe ihn lange nicht mehr gesehen, aber manchmal fällt mir diese alte Szene ein: Ich laufe auf dem Weg zum Uni-Turm die Senckenberger Anlage entlang und biege um die Ecke in die Robert-Mayer-Straße, als mir ein Taxi entgegenkommt und hält: Der ewig klamme W. streckt seinen Kopf aus dem hinteren linken Seitenfenster und erzählt glücklich, er habe aufs richtige Pferd gesetzt und 1.000 Mark gewonnen. Deshalb gönnt er, der sonst mit dem Moped durch die Stadt fährt, sich ein Taxi.

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Bildungs-Dünkel

„Gallien in seiner Gesamtheit ist in drei Teile geteilt“ – So lautet die Übersetzung des ersten Satzes aus Caesars „De Bello Gallico“. Nach der Lektüre des Artikels „Eins Komma Null“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung habe ich heute morgen den ersten Bildungsbürger (Allgemeinen Deutsche Hochschulreife bis in die 4. Generation nachweisbar) gefragt, den ich traf, ob er sich an diese Latein-Lektüre erinnert. Und tatsächlich, der Satz war meinem Gegenüber auch nach einigen Jahrzehnten noch präsent.
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Was macht eigentlich…

Norbert Niemann?

Ich habe mich das in der Vergangenheit öfter gefragt. Noch immer klingt sein TAK TAK TAK in meinen Ohren, wenn ich an den Ingeborg-Bachmann-Preis 1997 denke. Mit einem leidenschaftlichen, fast aggressiven Vortrag aus seinem Roman „Wie man´s nimmt“ gewann er den renommierten Preis. Meine Bereitschaft zur Bewunderung war auch damals schon recht ausgeprägt. Ich schrieb eine Besprechung über das Buch und besuchte seine Lesung im Frankfurter Literaturhaus, wohin ihn seine Mentorin, die Literaturwissenschaftlerin und Autorin Silvia Bovenschen begleitete:

Norbert Niemann liest im Literaturhaus Frankfurt 1997, links neben ihm: Silvia Bovenschen  (Foto: Carmen Treulieb)
Norbert Niemann liest im Literaturhaus Frankfurt 1997, links neben ihm: Silvia Bovenschen
(Foto: Carmen Treulieb)

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8 von 10 Pendlern fahren mit dem Auto nach Frankfurt

336 050 Menschen pendeln jeden Tag nach Frankfurt zu ihrem Arbeitsplatz, davon fahren nur 20 Prozent mit Bus und Bahn, 80 Prozent fahren mit dem Auto. Der Anteil des Bus- und Bahnverkehrs ist damit im Vergleich zu anderen Städten viel zu gering – obwohl in Frankfurt seit fast zehn Jahren das Verkehrsdezernat von Politikern der Grünen geleitet wird.

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Online-Proleten sind überall

Kürzlich habe ich meinen Account bei Disqus gelöscht, den ich einst eingerichtet hatte, um gelegentlich Artikel der Frankfurter Rundschau zu kommentieren – und zwar nicht anonym, sondern unter Echtnamen. Aber dann hatte ich keine Lust mehr, mich von durchgeknallten Wutbürgern beschimpfen zu lassen. Männlicher Rentner, ehemals Beamter oder höherer Angestellter, Eigenheimbesitzer – so stelle ich mir den typischen Online-Prolet vor, wie er sich überall anonym in Kommentaren auslebt.

Schön beobachten kann man diese Spezies, wenn sie sich zum Ausbau der Main-Weser-Bahn äußert. Die flegelhaften Kommentatoren sind Anhänger der Bürgerinitativen gegen den Ausbau (Bahnane oder 2statt4) und beschimpfen die Befürworter des seit Jahrzehnten geplanten Infrastrukturprojekts, das endlich eigene Gleise für die S6 zwischen Frankfurt und Bad Vilbel vorsieht, als verlogen, korrupt, dämlich etc.

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Kreditfesseln

Ich erinnere mich gut an die Briefe der KKB (Kundenkreditbank), die meine Eltern viele Jahre regelmäßig bekamen. Mein Vater sagte dann immer stolz: Die bieten uns einen Kredit an, also halten sie uns für solvente Kunden. Diese Sichtweise ist bis heute weit verbreitet. Die meisten Menschen – ob Deutsche oder Griechen – haben ihre Konsumwünsche nicht im Griff und zahlen lieber Zinsen als zu warten, bis sie sich ein Gut leisten können.

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Neues zum Vergewaltigungsskandal in Rotherham

Als vor zehn Tagen erstmals in Frankfurt zu einer Pegida-Veranstaltung auf der Hauptwache aufgerufen wurde, beschrieb ein junger FR-Journalist das Plakat eines Pegida-Anhängers und twitterte:

„Moslems“, die „weiße Kinder“ vergewaltigen: Der Rassismus bei #Pegida Frankfurt ist fast mit Händen zu greifen.“

Anlass war, dass die Organisatoren von Pegida Rhein-Main den Link zu einem Youtube-Video verbreitet hatten, in dem N24 über die jahrelange brutale Vergewaltigung von ca 1.400 Mädchen in der Stadt Rotherham berichtet hatten. Der Fall wurde im vergangenen August bekannt.

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Großbanken spekulieren weiterhin auf Kosten der Steuerzahler

Ich erkläre ihnen die ganze Zeit, dass wir das Vertrauen der Märkte wiedergewinnen müssen. Zeigen, dass wir zur Haushaltsdisziplin in der Lage sind. Die öffentlichen Ausgaben stutzen. Zack, zack. Ansonsten gibts Panik auf den Märkten. Staatsanleihen werden herabgestuft. (…) Dann werden die Kredite teurer. Die öffentliche Versorgung wird unerschwinglich. Aufruhr, Straßenschlachten. Hässliche Sache.

Im wunderbar witzigen Roman „Die Werte der modernen Welt“ von Marina Lewycka) weiß der skrupellose Investmentbanker Chicken genau, wie er heil aus der Finanzkrise herauskommt: Er wird Finanzberater der englischen Regierung und sorgt dafür, dass das Casino weiterläuft.

Fiktion? Sven Giegold schreibt heute als Gastkommentator in der Frankfurter Rundschau, dass den Finanzmarktregulierern die Puste ausgeht:

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