Krisenzeiten 5

„Wir haben nicht damit gerechnet, aus Machtarroganz, aus kapitalistischer Überlegenheitsarroganz, aus Durchsetzungsarroganz: Kapital schafft alles – auch Viren, und deshalb keine Vorsorge getroffen, an Schutzkleidung, Masken, etc.“ (Bazon Brock im dlf-Podcast „Optimisten sind Volksverdummer“: KLICK)

Denkt ihr öfter als früher an den Tod? An Euren oder an den Eurer Angehörigen? Denkt Ihr: Mist, ich wollte doch noch Delfine in Freiheit sehen? Oder, wenn das rum ist, gehe ich jede Woche dreimal ins Restaurant? Und, sobald ich darf, fahre ich ans Meer?

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100. Geburtstag von Marlen Haushofer

In meiner Jugend war Marlen Haushofer für mich der Gegenentwurf zu Simone de Beauvoir. Beide habe ich geliebt. Ich fuhr nach Paris, setzte mich allein ins Cafe Flore und stellte mir vor, gleich kommt Simone mit Sarte, Albert Camus und dem kleinen Bost zur Tür herein. Ich konnte nicht einmal französisch, nur das Nötigste, um Cafe oder Wein zu bestellen, aber das hat beim Tagträumen eher noch geholfen.

Simone de Beauvoir wurde in eine reiche Bürgerfamilie hineingeboren, die im 1. Weltkrieg und durch die Oktoberrevolution ihr Vermögen verlor. Während des Philosophie-Studiums lernte sie Jean-Paul Sartre kennen und begann mit ihm eine intellektuell fruchtbare Beziehung, die ein Leben lang hielt, aber nicht exklusiv war. Ihren feministischen Klassiker „Das andere Geschlecht“ habe ich natürlich gelesen, aber weit mehr bedeutet haben mir ihre Memoiren, in denen sie ihr Leben in Paris und die Gespräche mit den wichtigsten Philosophen ihrer Zeit schildert.

Marlen Haushofer, ist 12 Jahre nach Beauvoir, am 11.4.1920 in einer kleinen Stadt in Oberösterreich als Tochter eines Försters und einer Kammerzofe geboren. Als sie 10 Jahre alt war, schickten ihre Eltern sie auf ein Ursulinen-Internat. Sie hat diese Zeit, die sie als Verbannung empfindet, in ihrem Roman: „Himmel, der nirgendwo endet“ beschrieben.

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Traffiq hat’s verbockt: Verzögerung des S 6-Ausbaus

Heute erschien in der Frankfurter Neuen Presse ein Artikel zum Ausbau der Main-Weser-Bahn. Die S6 zwischen Bad Vilbel und Frankfurt soll durch den Ausbau die dringend notwendigen eigenen Gleise bekommen. Die Fertigstellung verzögere sich u.a. durch den Protest von Harheimer BürgerInnen gegen die abrupte Nidda-Brückensperrung, so die DB. (Genaueres zu unserem Protest hier: KLICK)

Zu diesem Artikel der FNP (S6-Ausbau wird erst ein Jahr später fertig)
habe ich heute folgenden Leserbrief geschrieben (weil manchmal braucht’s mehr Reichweite).

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Krisenzeiten 4

Im Frankfurter Stadtteil Bonames gab es früher einen Smart-Markt. Diese Märkte wurden in Frankfurter Stadtteilen mit geringer Infrastruktur eingerichtet und sollten die Nahversorgung insbesondere für ältere und weniger mobile BürgerInnen verbessern. Die Mitarbeiter der Märkte waren Langzeitarbeitslose, die im Rahmen des „Frankfurter Wegs zum Berufsabschluss“ ihre Ausbildung zum Verkäufer oder Kaufmann-/Kauffrau im Einzelhandel absolvieren konnten. Tolle Idee, von der man aber inzwischen nichts mehr hört.

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Krisenzeiten 3

Mittwoch ist mein Oldie-Tag. Weil ich seit acht Jahren als Freiberuflerin arbeite und das überwiegend von zuhause – weshalb sich bei mir das Arbeitsleben nicht viel anders anfühlt als vor der Corona-Krise – habe ich irgendwann beschlossen, mir einen Nebenjob zu suchen. Gefunden habe ich eine Stelle als Leiterin eines Aktivclubs. Eine feste Gruppe von Menschen zwischen Ende 50 und Mitte 80 trifft sich einmal die Woche vormittags zu Museumsbesuchen, Vorträgen, Stadtspaziergängen etc. Ich plane das Programm, organisiere Referenten oder schreibe selber Vorträge und bin immer auf der Suche nach interessanten und kostengünstigen Events für meine Leute.

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Krisenzeiten 2

Autofrei leben hat in Krisenzeiten Nachteile. Große Vorräte anlegen geht nicht, wenn man alles nach Hause tragen oder im Fahrradkorb transportieren muss. Aber seit heute mittag ist Hamstern in Frankfurt sowieso verboten.

Mein Dorf im Frankfurter Norden ist noch ein bisschen ruhiger als sonst. Zwei Müttern mit Kinderwagen begegne ich auf dem Weg zum Supermarkt und zurück. Im Netto schreit ein alter Mann die Leute an: Abstand halten!

Drosten tröstet mich nicht mehr. Worüber auch. Wie fragil alles ist, wissen wir ohnehin.

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Krisenzeiten 1

Ich warte. Ich lese. Ich warte. Morgens die Zeitungen, vormittags die Pressekonferenz des Robert-Koch-Instituts, nachmittags der Podcast des Virologen Christian Drosten von der Charite. Twitter, Google News, fiebrige Unruhe, nichts Verpassen, Sofastarre.

Draußen scheint die Sonne, im Kleingarten sieht es schlimm aus. Das Springkraut hat sich während des warmen Winters ausgebreitet, lebt in friedlicher Koexistenz mit einer klettenartigen Pflanze, die breitflächig den Boden überzieht.

Heute noch wird Kanzlerin Merkel verkünden, ob es eine Ausgangssperre gibt oder nur Ausgangsbeschränkungen. Wenn wir nicht mehr in den Garten können, wird es hart. Die 80-jährige verwitwete Gartennachbarin hat mir am Montag das Du angeboten: „Umarmen können wir uns leider nicht“, sagt sie tapfer.

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CDU Harheim und der kommunikative Super-Gau

Ich habe den Ortsvorsteher und CDU-Vorsitzenden von Frankfurt-Harheim Frank Immel immer für einen umgänglichen Menschen gehalten. In einem kleinen Dorf wie Harheim spricht man miteinander, tauscht sich über Probleme aus, wie z.B. dem schlechten Busverkehr, und schaut manchesmal über politische Differenzen hinweg, wenn es dem Wohl des Stadtteils dient.

Gestern haben die Frankfurter Jusos Herrn Immel wegen Verleumdung angezeigt. Wie in meiner Post vom 11.2.2020 beschrieben (KLICK), hatte die CDU Harheim den Vorsitzenden der „Werte-Union“ Alexander Mitsch eingeladen. Ich habe daraufhin spontan per Twitter zu einer Demo in meinem Stadtteil aufgerufen, weil ich fürchte, dass es in der CDU Harheim Kräfte gibt, die den Ortsverein noch weiter nach rechts rücken wollen. Angemeldet wurde die Demo von den Frankfurter Jusos. Es wurde optimistisch mit 30 bis 50 Personen gerechnet. Via Twitter habe ich auch die Frankfurter Grünen, die SPD, die LINKEN und DIE PARTEI angeschrieben. Dass sich viele auf den Weg nach Harheim machen, war unwahrscheinlich, dazu ist der ÖPNV einfach zu schlecht (z.B. einfache Strecke ab Frankfurt Bornheim 60 Minuten). Außerdem habe ich eine Twitter-Unterhaltung mit dem Frankfurter CDU-Chef Jan Schneider geführt, der am Mittwoch schließlich die Absage der Veranstaltung bekannt gab.

Was dann folgte, kann man nur als kommunikativen Super-Gau bezeichnen. Auf ihrer Webseite bezeichnet die CDU Harheim die angekündigten Demonstranten als linksextrem und nannte als Grund für die Absage der Veranstaltung, dass man „die Bürger unseres Stadtteils und ihr Eigentum“ schützen wolle. Die CDU warnt also vor marodierenden Banden, gleichwohl wissend, dass sie es lediglich mit mir, einer Harheimer Bürgerin – mit der nahezu jedes CDU-Mitglied in Harheim schon ein Schwätzchen gehalten hat – und einer kleinen Gruppe Jusos zu tun haben. Warum macht Herr Immel das?

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