Vom Todesstreifen zum grünen Band

Er hat sich auf den Weg gemacht, sich in der Mitte des Lebens frei genommen für eine besondere Grenzerfahrung: Burkhard Fiebig ist im Sommer 2012 in zwei Monaten 1.300 Kilometer gewandert, die gesamte ehemalige Grenze entlang zwischen Ost und West. Seine Neugier, sein Interesse und seine Offenheit haben Begegnungen ermöglicht, die er in seinem Buch „Ab durch die Mitte – Eine Grenzerfahrung in Wanderstiefeln“ beschreibt.

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Frankfurter Wegsehenswürdigkeiten

Während meines Studiums wohnte ich einige Jahre in Frankfurt-Sachsenhausen, unweit des Alten Schlachthofs. Das Haus steht heute noch, ein Altbau, dessen Vorderseite zur Seehofstraße zeigt, die Rückseite wendet sich der stark befahrenen Gerbermühlstraße zu. Das Haus hat von der Aufwertung des angrenzenden Viertels, das sich heute Deutschherrnviertel nennt, nicht profitiert.

Mein damaliger Mitbewohner sagt heute noch, wenn er nach seiner Wohngegend gefragt wird: „Ich wohne am Lokalbahnhof“. Das stimmt insofern, als er an der S-Bahnhaltestelle Lokalbahnhof aussteigt, wenn er nach Hause will. Allerdings nimmt er aus der S-Bahn aussteigend nicht den Wegweiser zum Lokalbahnhof, sondern fährt die Rolltreppe zur Siemensstraße hoch. Das Ausmaß an Trübsinn und Hässlichkeit, das einen hier empfängt, ist unglaublich.

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Die schwarze Republik oder Die Schönheit der Kanzlerin

„Und wo ist eigentlich die Sozialistische Internationale? Sie singt so schöne Lieder.
Auf Angela Merkel bin ich stolz“
(Norbert Blüm in der FAS vom 1.11.2015)

Da steht der ehemalige Arbeitsminister nicht allein. Nicht nur wegen ihrer Haltung gegenüber den nach Deutschland flüchtenden Menschen erfährt die Bundeskanzlerin ungewohnte Zustimmung auch von Intellektuellen. Martin Walser sprach in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 22.11.15 von der Schönheit Angela Merkels: „Nie sind ihre Sätze fertig, bevor sie gesagt werden. Nie sagt sie, wie viele Politiker, Phrasen auf, die sie auswendig kann. (…) Bei Frau Merkel werden wir Zeuge, wie Geist und Natur zusammenfinden, und eben deshalb ist sie schön.“

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Buchmesse 2015: Fazit

So viele Interviews, Lesungen, Diskussionen, so viele Anregungen, Widersprüche, Assoziationen – die Frankfurter Buchmesse war auch dieses Jahr wieder eine Bereicherung:

Herfried Münkler, der über die heroischen und postheroischen Gesellschaften sprach. Wie es den Nazis gelang, Teile der Gesellschaft zur heroischen Gemeinschaft zu schmieden, die bereit ist, für die gemeinsamen Ziele zu sterben. Mir fällt die Rede von Jutta Ditfurth ein, mit der sie am 31.3.2012 am Frankfurter Hauptbahnhof die „Träger_innen der sozialen Revolution“ zu einer Kampfeinheit schmieden wollte. Diese Helden sind dann losgezogen und haben in der Frankfurter Innenstadt die Scheiben von Brautgeschäften eingeworfen.

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Disziplin und gute Bücher

„Warum können wir nicht mehr lesen – Was macht das Digitale mit unserem Gehirn und können uns Bücher davon befreien?“ fragte vor wenigen Monaten Hugh McGuire. André Pleintinger hat den Artikel aus dem Englischen übersetzt, den ich allen (ehemaligen?) Bücher-LeserInnen sehr ans Herz lege. (KLICK)

Auch ich habe in den vergangenen Jahren zahlreiche rationalisierende Argumente für die Tatsache gefunden, dass es mir schwerer fällt, mich auf ein Buch zu konzentrieren. Wir hängen alle an der Leine und müssen uns mühsam losreißen von der digitalen Sphäre, weil wir sonst etwas wesentliches verlieren: Die Fähigkeit, uns allein mit einem Text ganz in der Welt zu fühlen.

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Bildungs-Dünkel

„Gallien in seiner Gesamtheit ist in drei Teile geteilt“ – So lautet die Übersetzung des ersten Satzes aus Caesars „De Bello Gallico“. Nach der Lektüre des Artikels „Eins Komma Null“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung habe ich heute morgen den ersten Bildungsbürger (Allgemeinen Deutsche Hochschulreife bis in die 4. Generation nachweisbar) gefragt, den ich traf, ob er sich an diese Latein-Lektüre erinnert. Und tatsächlich, der Satz war meinem Gegenüber auch nach einigen Jahrzehnten noch präsent.
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Krähen

„Guck mal, der Dicke da liegt seit Stunden faul aufm Sessel“. – „Und jetzt kriegt er auch noch den Pelz gekrault“ – „Kannst du dir so ein Leben vorstellen?“ – „Nee, das ist doch stinklangweilig!“

Sie sitzen hoch oben in Nachbars Tannenbaum und schwatzen, eine besonders große Krähe hockt auf dem Dachsims und nickt rüber zu uns. Der auf dem Sessel zusammengerollte Kater knurrt leise zu den despektierlichen Kommentaren der schwarzen Vögel.

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Demokratische Mitwirkung braucht Ziele

Es ist zwar schon vor 4 Jahren erschienen, aber nach wie vor hoch aktuell: „Mut statt Wut – Aufbruch in eine neue Demokratie“ von Claus Leggewie:

„Produktiv wird Empörung, wenn jenseits von Wohlstandsmehrung und Katastrophenabwehr also neue Ziele erkennbar werden, wenn Verantwortung für die soziale und Schutz der natürlichen Umwelt keine Phrase ist, wenn wir wirklich Verantwortung für künftige Generationen übernehmen. Mit anderen Worten: Wenn wir anstelle unserer luxuriösen Zukunftsblindheit lernen, im Futur zwei zu denken und handeln: was wir heute getan haben werden müssen, damit unsere Kinder und Enkel 2030 oder 2050 ein anderes und besseres Leben führen können.

Demokratische Mitwirkung braucht Ziele.“

Claus Leggewie ist vor kurzem 65 Jahre alt geworden, ein Anlass für den NDR dieses Interview zu führen: „Die Zukunft Europas liegt im Süden“