Sarah Kirsch ist tot

Steine

O und die weißen hochaufgetürmten Städte
Abendsonnen schweben über steilen Terrassen
Schöne Menschen gehen durch Spiegelsäle.
In den dunklen niederen Straßen
Zielen Wasserwerfer auf jene
Die sich in Nestern verschanzen
In verglichenener Liebe kurz lebten.

(Sarah Kirsch, Die Flut, Gedichte, Aufbau Verlag 1989)

Die Dichterin Sarah Kirsch ist gestorben. Zum Nachruf in der ZEIT hier.

Felix Helbig ist gestorben

Dass mir der Lokalteil der Frankfurter Rundschau in den letzten Jahren wieder so einen Spaß gemacht hat, lag neben den „alten Hasen“ Claus-Jürgen Göpfert und Stefan Behr vor allem an ihm: Felix Helbig. Mit erst 32 Jahren ist gestern der leidenschaftliche und mutige Journalist gestorben, Ursache war wohl eine plötzlich auftretende Krankheit, die zu einem Autounfall führte.

Felix Helbig hat die besten Artikel über das Frankfurter Occupy-Camp geschrieben (siehe auch „Verpasste Chance für den Römer“), für das städtische Verbot der Blockupy-Tage hat er die richtigen Worte gefunden und und er hat uns den Fall Derege Wevelsiep (Hier geht es zum Artikel: „Das ist nicht mein Frankfurt) so nahe gebracht, dass ganz Frankfurt sich empörte.

„In ein paar Tagen werden die Frankfurter an ihre Fenster treten, sich verwundert die Augen reiben und feststellen, dass die Stadt noch steht. Sie werden auf die gläsernen Hochhausfassaden blicken, in denen sich friedlich die Sonne spiegelt, auf Bäume, die sich sanft im Wind wiegen, auf den Main, der träge dahinfließt.“ (Felix Helbig am 11.5.2012 in „Bannstadt Frankfurt“)

Zum Nachruf der Frankfurter Rundschau auf Felix Helbig.

„Wer nichts ist und wer nichts kann

geht zum Josef Neckermann“.

Diesen Spruch konnte sich mein Vater früher selten sparen, wenn die Rede auf das Unternehmen in der Hanauer Landstraße in Frankfurt kam. Heute wäre Josef Neckermann 100 Jahre alt geworden. (Link zum Wikipedia-Eintrag)

Jens Jessen hat am Sonntag bei der Verleihung des Ludwig-Börne-Preises über das Ende des Dritten Reiches und den Beginn der Bundesrepublik gesagt: „Es gab keine Stunde Null. Es gab den Bruch nicht, nicht im politischen Personal und nicht in der Gesellschaft.“

Weiterlesen

Blockupy: die Rückeroberung des öffentlichen Raumes

Gestern auf meinem langen Spaziergang durch die Stadt, vorbei an endlosen stinkenden Autoschlangen, auf dem Weg zu Platzbesetzungen durch Menschen, die sich gegen die europäische Finanzpolitik wehren, aber nicht gehört werden, fiel mir der vor knapp eineinhalb Jahren verstorbene Lutz Sikorski ein (Und nicht nur mir, Stefan Behr fragt sich heute in seiner „Personalabteilung“ in der FR auch, was Lutz auf seiner Wolke wohl über die aktuellen Frankfurter Verhältnisse denkt).

Lutz Sikorski wollte in seiner Stadt mitregieren, weil er sie verändern wollte. Die autofreie Hauptwache ist ein Beispiel dafür. Die Rückeroberung des öffentlichen Raums durch die Menschen war sein politisches Credo. (Artikel von Jurgen Schultheis in der FR vom 16.9.2008)

Und Lutz Sikorski hatte ein Herz. Ein Kollege hat mir einmal erzählt, wie er seine spätere, aus dem Iran stammende, Ehefrau kennen lernte: Sie war eine von mehreren AktivistInnen, die vor vielen Jahren das grüne Fraktionsbüro in Frankfurt besetzten, um auf ihr Anliegen hinzuweisen.

Hätte es die Blockupy-Verbote der schwarz-grünen Stadtregierung auch mit Lutz Sikorski gegeben? Ich glaube nicht.

Eva Strittmatter: Vor einem Herbst

Im Herbst soll einer auf mich warten.
Er soll so warten, das ich kommen muss.
In einem gelben alten Garten.
Kurz vor dem Winter. Kurz vorm Schluss
Von allem. In der Weile,
Die zwischen Schnee und Regen bleibt.
Da suche ich die eine Zeile,
Die man vielleicht im Leben schreibt.

(Eva Strittmatter)

Die Dichterin ist Anfang Januar im Alter von 80 Jahren gestorben. Link zum Nachruf des rbb.

Artikel in umamibuecher vom November 2009: Gedenken an Dichterinnen der DDR.

Lutz Sikorski ist tot

Das tut mir außerordentlich leid: Lutz Sikorski, grüner Machtpolitiker mit Humor, Verstand und Charme, seit 2006 Verkehrsdezernent in Frankfurt, ist vergangene Nacht gestorben. Seine Verdienste habe ich in diesem Blog bereits in einer Buchbesprechung im August 2009 (Richard Sennetts „Verfall und Ende des öffentlichen Lebens“ ) erwähnt.

Für die Grünen und alle FrankfurterInnen, die seine Vision einer Stadt teilen, in der der öffentliche Raum gleichberechtigt von allen Verkehrsteilnehmern genutzt werden kann, ist zu hoffen, dass sein Tod nicht das Ende der mutigen Frankfurter Verkehrspolitik bedeutet.