Männer ohne Internet

„Das Internet ist ein harter Ort“ – sagt Jakob Augstein und blickt dabei in eine schmachtende ZuschauerInnenschar, die nichts lieber möchte, als mit ihm vernetzt zu sein.

Harald Welzer hat zwar eine Webseite aber kein Smartphone und ist stolz darauf. „Durch das Handy sind wir immer in einer anderen Welt“, sagte er auf der ARD-Bühne und ich hätte ihm so gern widersprochen. Nach seinem Auftritt lungerte ich eine Zeit lang am Hinterausgang rum, weil ich ihm von Twitter erzählen wollte und von den inklusiven Seiten des Internets, aber er kam nicht.

Richard David Precht findet, wir träumen zu wenig, weil wir immer auf das Handy starren, statt Wartezeiten mit Träumen zu verbringen.

Stephan Lessenich war auf dem Blauen Sofa (Klick zum Video) und hat mich mit seinen Vorschlägen für eine solidarische, inklusive und nachhaltige Demokratie überzeugt. Ich habe mir umgehend sein Buch gekauft und nach seinem Auftritt signieren lassen. „Wenn ich es gelesen habe, schreibe ich vielleicht im Blog drüber. Sind Sie auf Twitter, dann schicke ich Ihnen den Link?“, fragte ich ihn. Er antwortete mit leichter Empörung: Nein, ich habe sowas nicht.

Schade.

Buchmesse 2019

Aktuell beschäftigt mich sehr, wie leichtfertig manche Menschen und politische Bewegungen unsere Demokratie in Verruf bringen – nicht nur von Rechten wird sie derzeit angegriffen, auch die Phantasie der Klimaaktivisten, man müsse die Demokratie außer Kraft setzen, um schneller notwendige Maßnahmen zum Klimaschutz umsetzen zu können, entsetzt mich.

Gestern habe ich die Buchvorstellung „Energiewende einfach durchsetzen“ beim Vorwärts Verlag besucht. In 10 Jahren, meinte der Autor des Buches, Axel Berg, ließe sich die Energiewende schaffen. Aber „einfach Durchsetzen“ funktioniert nun mal nicht in der Demokratie, darauf hat ihn sein Gesprächspartnern Matthias Miersch hingewiesen, der wenig optimistisch erschien, dass die Gesellschaft, die vor uns liegende Transformation bewältigen kann.

Um zu verstehen, wie es zum Ansehensverlust der Demokratie in Deutschland kommen konnte, und vor allem, warum im Osten so viele Menschen AFD wählen, müssen wir uns mit der Wiedervereinigung oder wie der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk sagt, der „Übernahme“, beschäftigen. Ich empfehle Euch dieses Video, das eine Veranstaltung auf dem Blauen Sofa mit den Autoren Steffen Mau, Kristina Spohr, Katja Oskamp und Ilko-Sascha Kowalczuk zum Thema 30 Jahre Mauerfall zeigt: KLick zum ZDF

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Frankfurter Buchmesse 2017: Ein Grüner zur Flüchtlingspolitik

Nächstes Jahr wählen wir eine neue oder den alten Oberbürgermeister(in) in Frankfurt. Der amtierende OB Peter Feldmann ist des Öfteren wegen seiner ausufernden Öffentlichkeitsarbeit in der Kritik. Was wir aber an ihm haben, wurde mir gestern bewusst, als ich an zwei Gesprächsterminen mit dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer teilnahm.

Palmer ist viel auf der Buchmesse unterwegs, um sein Buch „Wir können nicht allen helfen“ vorzustellen. Ich bezweifle nicht, dass viel Wahres in diesem Buch steckt, seine Kritik an den Bauvorschriften etwa, die es unmöglich machen, schnelle und angemessene Flüchtlingsunterkünfte zu bauen. Zwar überrascht es mich, dass ein bekannter Politiker ein Buch schreiben muss, um seine Kritik vorzubringen, anstatt seine politischen Möglichkeiten zu nutzen, um diese Missstände zu ändern – aber vielleicht hören sie in Berlin nicht mehr auf den Grünen aus Süddeutschland. Jürgen Trittin ist zum Beispiel nicht gut auf Palmer zu sprechen und hat am Tag, als dieser sein neues Buch von der stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Julia Klöckner vorstellen ließ, getwittert: „Wie, hatte @SteinbachErika keine Zeit? Stattdessen nur #BurkaJulia @JuliaKloeckner? Bitter für Boris“


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Robuste Zivilität – Frankfurter Buchmesse 2016 (3)

Die Qualität der Kommunikation bestimmt die Qualität unseres Lebens“ (Bernhard Pörksen)

yvonne-hofstetter

Starke Frauen sind auf dem Podium des Vorwärts-Stands nicht allzu häufig anzutreffen: Ein Highlight war am Freitag das Gespräch zwischen IT-Unternehmerin Yvonne Hofstetter und dem SPD-Politiker Matthias Machnig. Letzerer hatte tatsächlich Hofstetters Buch „Das Ende der Demokratie“ gelesen und war an einer Auseinandersetzung interessiert.

„Die großen Technologieunternehmen, die Internet-Giganten aus den USA verändern unsere Gesellschaft hin zum Informations- und Überwachungskapitalismus – ohne das wir darüber politisch entschieden haben. Google, Whatsapp etc. sind dabei unser Leben komplett zu verändern, diese Unternehmen kommen aus einem Land mit einem völlig anderen Verfassungsverständnis. Es ist keine Privatsache, wenn User mit einem Häkchen ihre Verfassungsrechte freiwillig preisgeben“, erklärte Hofstetter.

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Nicht nur Aliens – Frankfurter Buchmesse 2016 (2)

Schon am zweiten Tag nervt mich die Buchmesse. Alles trödelt, steht links auf der Rolltreppe oder plaudert in Grüppchen an Engstellen, während ich versuche, in fünf Minuten durch zwei Hallen von einer zur nächsten Veranstaltung zu kommen.

Nicht aufgeben – anpassen, heißt die Devise, also recke ich mich auf meine vollen 1,71 Meter, schreite mit steinernem Blick durch die Mitte des Ganges, als mir mein Ebenbild entgegenkommt, ebenso rothaarig und fest entschlossen, nur 25 Jahre jünger. Weiterlesen

Sagen was ist

„Alle große politische Aktion besteht in dem Aussprechen, was ist, und beginnt damit.“ (Ferdinand Lasalle)

Sagen was ist – aber wie? Worte können Waffen sein, sie manipulieren, sie hetzen gegen Minderheiten auf, sie verringern Komplexität, worauf gerade der Pegidist in Sachsen und anderswo angewiesen ist. Während Pegida überwiegend auf nationalsozialistische Wortschöpfungen zurückgreift, ist die politische Machtelite kreativer im Finden kurzer Wortformeln.

Stephan Hebel und Daniel Baumann, Journalisten der Frankfurter Rundschau, haben darüber ein Buch geschrieben und es vor wenigen Tagen im Haus am Dom vorgestellt: „Gute-Macht-Geschichten. Politische Propaganda und wie wir sie durchschauen können“ (Westend Verlag, Frankfurt).

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Buchmesse 2015: Fazit

So viele Interviews, Lesungen, Diskussionen, so viele Anregungen, Widersprüche, Assoziationen – die Frankfurter Buchmesse war auch dieses Jahr wieder eine Bereicherung:

Herfried Münkler, der über die heroischen und postheroischen Gesellschaften sprach. Wie es den Nazis gelang, Teile der Gesellschaft zur heroischen Gemeinschaft zu schmieden, die bereit ist, für die gemeinsamen Ziele zu sterben. Mir fällt die Rede von Jutta Ditfurth ein, mit der sie am 31.3.2012 am Frankfurter Hauptbahnhof die „Träger_innen der sozialen Revolution“ zu einer Kampfeinheit schmieden wollte. Diese Helden sind dann losgezogen und haben in der Frankfurter Innenstadt die Scheiben von Brautgeschäften eingeworfen.

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