Frankfurter Buchmesse 2016 (1): Meinungsfreiheit und Populismus

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Unter dem Motto „Für das Wort und die Freiheit“ lud der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am ersten Tag der Frankfurter Buchmesse drei Gäste auf sein Podium: Khola Maryam Hübsch, Autorin des Buches „Unter dem Schleier die Freiheit“ (Link zur Besprechung von Antje Schrupp), Schriftsteller und Kabarettist Tom Lanoye und den niederländischen Autor Frank Westerman. Die Diskussion zeigte einmal mehr, was die Populisten in den letzten Jahren angerichtet haben: Die Meinungsfreiheit ist in Verruf geraten.
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„Wie wir leben wollen“

„Ohne Übertreibung kann man behaupten, dass sich immer mehr Menschen in einem Modus der Bestürzung und Lähmung befinden.“ (Geoffrey de Lagasnerie und Eduard Louis: Manifest für eine intellektuelle und politische Gegenoffensive)

Das Manifest der beiden jungen Franzosen ist bereits vor einem Jahr in Frankreich erschienen und wurde in deutscher Übersetzung im Band „Wie wir leben wollen – Texte für Solidarität und Freiheit“ (Hrsg. Matthias Jügler, Suhrkamp) veröffentlicht. Das kurze Manifest nennt vier Prinzipien, um die intellektuell-politische Szene neu zu definieren:

1. Das Prinzip der Verweigerung bedeutet, sich nicht zum Komplizen bestimmter Ideologen zu machen, in dem man ihnen Gesprächsbereitschaft signalisiert. Kein (Mit-)Reden über Volk, Nation, nationale Souveränität sondern über Ausbeutung, Gewalt, Unterdrückung etc.
2. Das Prinzip des Benennens heißt z.B., einen Nazi als Nazi zu bezeichnen.
3. Das Prinzip der Neuzuteilung der Schande ist der Versuch, die Hasser und Hetzer zum Schweigen zum bringen, in dem man ihnen Verachtung zeigt.
4. Das Prinzip der Intervention: „Sich einmischen, so oft es geht. Den öffentlichen Raum einnehmen. Kurz, die Linke zum Leben erwecken.“

Ich bin nicht ganz überzeugt, dass diese Prinzipien hilfreich sind, aber davon, dass wir uns verhalten müssen, wenn wir aus der,  durchaus auch von mir so empfundenen, Lähmung herausfinden wollen. Seit kurzer Zeit reagiere ich z.B. auf hetzerische Tweets, einfach, weil ich denen das Feld nicht überlassen will. Ob es Sinn macht, den Pöbel als Pöbel zu bezeichnen? Meist pochen die Kritisierten auf ihr Recht auf Meinungsfreiheit, obwohl damit gar nicht das Recht auf Beleidigung gemeint ist – die wird nach § 185 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe geahndet. Das juckt aber im Netz kaum einen. Aber reden wir nicht von Idioten.

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Anita Brookner ist tot

„Sich erinnern heißt, dem Feind ins Angesicht zu sehen. In der Erinnerung liegt die Wahrheit.“ (Anita Brookner: „Seht mich an“)

Die von mir hochverehrte britische Schriftstellerin Anita Brookner ist tot, ihren ersten Roman schrieb die Kunsthistorikerin mit 53 Jahren, ihr letzter Roman „Strangers“ wurde leider nicht ins Deutsche übersetzt.Anita Brookner ist bereits am 10. März 2016 gestorben, sie wurde 87 Jahre alt.

Alle Artikel über Anita Brookner auf UmamiBuecher hier: KLICK.

Zum Nachruf in der Süddeutschen geht es hier: KLICK

Sagen was ist

„Alle große politische Aktion besteht in dem Aussprechen, was ist, und beginnt damit.“ (Ferdinand Lasalle)

Sagen was ist – aber wie? Worte können Waffen sein, sie manipulieren, sie hetzen gegen Minderheiten auf, sie verringern Komplexität, worauf gerade der Pegidist in Sachsen und anderswo angewiesen ist. Während Pegida überwiegend auf nationalsozialistische Wortschöpfungen zurückgreift, ist die politische Machtelite kreativer im Finden kurzer Wortformeln.

Stephan Hebel und Daniel Baumann, Journalisten der Frankfurter Rundschau, haben darüber ein Buch geschrieben und es vor wenigen Tagen im Haus am Dom vorgestellt: „Gute-Macht-Geschichten. Politische Propaganda und wie wir sie durchschauen können“ (Westend Verlag, Frankfurt).

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