Ludwig-Börne-Preis 2018 an Souad Mekhennet

Oberbürgermeister Peter Feldmann mit Souad Mekhennet, im Hintergrund Michael Gotthelf vom Vorstand der Ludwig-Börne-Stiftung, nach der Preisverleihung

„Es gibt in Frankfurt eine Leidenschaft, sich den Mund zu verbrennen, etwas zu wagen – und meistens ist man damit auch erfolgreich“. Oberbürgermeister Peter Feldmann hat es in diesem Jahre sichtlich Freude bereitet, die Begrüßungsrede zur Verleihung des Ludwig-Börne-Preises zu halten. Souad Mekhennet, die heute als Journalistin für die Washington Post arbeit, hat in Frankfurt Politik studiert und u.a. für die Frankfurter Tagespresse geschrieben, für STERN und ZEIT, sowie für das regionale und überregionale Fernsehen gearbeitet.

Die Kriegsreporterin ist im Frankfurter Nordend als Tochter eines aus Marokko stammenden Kochs und einer aus der Türkei stammenden Wäscherei-Angestellten groß geworden. Weiterlesen

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Haben oder Sein?

Den Mangel an Selbstreflexion empfinde ich als eines der größten Ärgernisse. Ich stehe staunend vor Menschen mit Intelligenz, die weite Strecken in Urlaub fliegen, mit dem Auto zum Bäcker oder zum Biomarkt fahren, ihren flügge werdenden Kindern je ein eigenes Auto kaufen, die auf den Gehwegen geparkt werden, wo dann die Kinder und Alten der Nachbarschaft auf der Straße laufen müssen. Menschen, die meinen, sie bräuchten zu zweit mehr als 100 qm Wohnfläche, die ihr Haus mit umweltschädlichem Kaminfeuer heizen, sich aber politisch korrekt fühlen, weil sie ab und zu ein Globuli einwerfen und sich über Trumps Klimapolitik aufregen.

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Buchmesse 2017: Im eigenen Saft

Bei den aufregenden Events der letzten Tage war ich nicht dabei. Zum Beispiel heute Abend beim Konzert von Udo Lindenberg.

(Danke fürs Foto an ML)

Oder gestern, als Martin Schulz beim Vorwärts Verlag über das Buch von Nils Minkmar (Das geheime Frankreich) sprach. Draußen vor der Halle 3 hörte ich ihn, umgeben von Kameraleuten und Journalisten, über den deutschen Außenminister schimpfen (wer ist das noch mal?). Zu Rafik Schamis Lesung bei der ZEIT war kein Durchkommen und Didier Eribon auf dem Blaue Sofa habe ich auch verpasst.

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Frankfurter Buchmesse 2017: Ein Grüner zur Flüchtlingspolitik

Nächstes Jahr wählen wir eine neue oder den alten Oberbürgermeister(in) in Frankfurt. Der amtierende OB Peter Feldmann ist des Öfteren wegen seiner ausufernden Öffentlichkeitsarbeit in der Kritik. Was wir aber an ihm haben, wurde mir gestern bewusst, als ich an zwei Gesprächsterminen mit dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer teilnahm.

Palmer ist viel auf der Buchmesse unterwegs, um sein Buch „Wir können nicht allen helfen“ vorzustellen. Ich bezweifle nicht, dass viel Wahres in diesem Buch steckt, seine Kritik an den Bauvorschriften etwa, die es unmöglich machen, schnelle und angemessene Flüchtlingsunterkünfte zu bauen. Zwar überrascht es mich, dass ein bekannter Politiker ein Buch schreiben muss, um seine Kritik vorzubringen, anstatt seine politischen Möglichkeiten zu nutzen, um diese Missstände zu ändern – aber vielleicht hören sie in Berlin nicht mehr auf den Grünen aus Süddeutschland. Jürgen Trittin ist zum Beispiel nicht gut auf Palmer zu sprechen und hat am Tag, als dieser sein neues Buch von der stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Julia Klöckner vorstellen ließ, getwittert: „Wie, hatte @SteinbachErika keine Zeit? Stattdessen nur #BurkaJulia @JuliaKloeckner? Bitter für Boris“


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Buchmesse 2017 eröffnet mit Sacktuch

Meine Oma, die in den späten 80ern in schlechter Laune verschied, benutzte noch das Wort Sacktuch. Heute sagt jeder Tempo, weil kaum einer mehr ein Taschentuch aus Stoff benutzt. Sacktücher wurden früher den Männern zum Geburtstag oder zu Weihnachten geschenkt und von den Gattinnen ordentlich heiß gewaschen und gebügelt.

Seit gestern Abend wissen auch jüngere Menschen wieder, was es mit dem Sacktuch auf sich hat: Man kann es in kommunikativ herausfordernden Situationen aus der Hosentasche ziehen und geräuschvoll hinein schneuzen.

Soviel zum Deutschen Buchpreis 2017. Wer mehr darüber wissen will, dem sei der Artikel von Andreas Platthaus in der FAZ empfohlen: „Ihn hat es gerührt, uns geschüttelt“.

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Gut gescheitert

„Wenn nur noch das Gelingen zählt, wird jedes Misslingen zur schlimmen Störung. Wenn schon das Kleinkind nie hinfallen soll, wird es nie aufstehen lernen und den kleinsten Kratzer als Katastrophe werten. Wenn das Schulkind nach einer misslungenen Arbeit immer nur für sein „großes Potential“ gelobt wird, wird es nie Niederlagen wegstecken können.“ (Philosoph und Buchautor Wilhelm Schmid in dem schönen Audio zum Thema Scheitern auf swr: KLICK )

Unüberwundene Scham – Didier Eribon: Rückkehr nach Reims (3)

„Die Scham und die Schande werden zum Stolz desjenigen, der seinen Körper bejaht, wie er ist“ – heißt es in der Buchbesprechung von swr2.

Eribon schildert in seinem Buch die Arbeiterklasse, der er entstammt, als homophob und rassistisch. Ich will und kann seine Erfahrungen nicht bestreiten, doch scheint ihm nie in den Sinn gekommen zu sein, dass Bürgerliche die gleichen Vorurteile haben, sie nur nicht offen aussprechen. Und das es deshalb umso schwieriger ist, dagegen zu kämpfen.

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