Rückblick 2020

Als hätte mich eine eigenartige Starre erfasst, die nur Corona wahrnehmen kann (Kaninchen-Schlange-Syndrom) – so kommt mir mein Leben im Jahr 2020 vor. Aber so war es natürlich nicht.

Im Januar habe ich wie jedes Jahr ein paar gemütliche Tage in Bad Wildungen verbracht und dann die Reisen geplant, die folgen sollten, u.a. eine Bahnreise über Dänemark nach Norwegen. Die fiel selbstverständlich aus.

Im Februar große Aufregung, weil mich der stellvertretende Vorsitzende der Harheimer CDU, Dr. Frank Somogyi, auf Unterlassung verklagt hat. Nicht, weil ich ihn als Protagonisten einer Initiative gegen die Flüchtlingsunterkunft in unserem Stadtteil benannt habe, sondern wegen eines unbedeutenden Nebensatzes. (Siehe hier: KLICK) Mein Anwalt war dagegen, dass ich die Unterlassungserklärung unterschreibe, aber den angefochtenen Halbsatz zu unterlassen, hat mir nicht wehgetan und es war mir wichtig, dass ich jederzeit die Geschichte erzählen kann, wie ein CDU-Politiker eine Bloggerin verklagt, ohne dass ich Rücksicht auf etwaige Gerichtstermine nehmen muss. Das war mir 480 Euro Anwaltskosten wert, die viel höhere Rechnung seines Anwalts habe ich übrigens nicht bezahlt.

Mitte März erreicht uns Corona mit Wucht. Die Tochter schreibt die Abi-Prüfungen unter Corona-Bedingungen. Wir waren alle froh, dass die Prüfungen überhaupt stattfanden. Mein Oldie-Mittwoch, an dem ich nebenberuflich Aktivitäten wie Museumsführungen, Vorträge, Stadtspaziergänge für ältere Menschen plane und durchführe, wurde abgesagt. Damit sich der Club trotzdem virtuell treffen kann, baute ich ein Blog, das von immerhin Zwei-Drittel der TeilnehmerInnen angenommen und mit Kommentaren bestückt wird.

Statt im Fischland verbrachten wir die Osterferien im Garten. Aber nur tagsüber, denn die Tochter hatte die Vorzüge eines Kleingartens mit immer gefülltem Kühlschrank in der Gartenhütte entdeckt und traf sich abends dort mit FreundInnen.
Fahrrad fahren, Drosten-Podcasts, Gartenarbeit waren die Höhepunkte meines Alltags.

Im Mai suchte und fand ich viele mit dem Rad erreichbare Orte in der Umgebung, wo man mit einem Buch gemütlich sitzen konnte und Leute beobachten: Der öffentliche Raum entpuppte sich als viel zu unterschätztes Gut.
Es war der Frühling, in dem sich Freundinnen unter Klettergerüsten versteckten, um gemeinsam ein Glas Wein zu trinken.

Im Juni taten wir, was (fast) alle taten: Wir verreisten, endlich ans Meer! Und ich traf alle meine Freunde, ging ständig essen und genoss den autofreien Mainkai. Die mündlichen Abi-Prüfungen vom Kind liefen gut, der Abi-Ball mit Eltern fiel aus (was wir nicht wirklich bedauerten).

In den Sommerferien von Juli bis Mitte August fuhren am Wochenende keine S-Bahnen zwischen Berkersheim und Karben, was z.B. für autofreie Menschen, die ihre Mutter in der Wetterau mitbetreuen, eine ziemliche Schwierigkeit darstellte. Der Ersatzverkehr wurde an einer für die Hauptnutzer des Bahnhofs unzugänglichen Stelle eingerichtet. Aber der Ortsbeirat in Harheim unternahm nichts. Deshalb schrieb ich einen FR-Journalisten per Twitter an, dessen Kollege über das Problem einen Artikel veröffentlichte. Und bat den Stadtverordneten einer kleinen Fraktion, einen anderen Ersatzverkehr zu beantragen, was dieser freundlicherweise tat (KLICK). Dem Antrag wurde übrigens mit großer Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung zugestimmt.

Statt in den hohen Norden fuhren wir im September ins rheinhessische Flonheim. Wir wollten das Atelier des Künstlers Eberhard Linke besuchen, dessen Skulptur „Der Aussteiger“ lange im Massenheimer Auenpark stand. Obwohl das Atelier eigentlich nur samstags geöffnet wird, durften wir nach telefonischer Absprache an einem anderen Tag vorbeikommen und erhielten von einem Vorstandsmitglied der Eberhard und Barbara-Linke-Stiftung eine Führung durch den Skulpturengarten und das Atelier. Es war absolut beeindruckend.

Im Oktober war es wieder vorbei mit den Mittwochs-Treffen, die wir ab August unter starken Hygiene-Vorschriften unternommen hatten. Es gibt kaum einen Park in Frankfurt, den wir nicht besucht hatten. Ich fing wieder an, meine Oldies online zusammenzutrommeln.
Auch interessant in diesem Monat war das Gerichtsverfahren zur Kündigungsschutzklage von Ex-AWO-Chef Jürgen Richter. (KLICK).

Die Geburtstagsfeiern im November fielen aus. Ich las das Buch „Das Jahr, in dem ich aufhörte, mir Sorgen zu machen, und anfing zu träumen“, aber tatsächlich habe ich seit Monaten nur Albträume.

Im Dezember spazierte ich rund ums Dorf, saß Glühwein trinkend mit Freundinnen (einzeln) im Garten, plante das Weihnachtsessen mehrfach um und hörte der Katze beim Schnarchen zu.

Ich wünsche Euch ein gesundes und glückliches Neues Jahr!

Ein Gedanke zu “Rückblick 2020

  1. CM 1. Januar 2021 / 16:19

    Ebenso ein gesundes und glückliches Neues Jahr!

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