Krisenzeiten 4

Im Frankfurter Stadtteil Bonames gab es früher einen Smart-Markt. Diese Märkte wurden in Frankfurter Stadtteilen mit geringer Infrastruktur eingerichtet und sollten die Nahversorgung insbesondere für ältere und weniger mobile BürgerInnen verbessern. Die Mitarbeiter der Märkte waren Langzeitarbeitslose, die im Rahmen des „Frankfurter Wegs zum Berufsabschluss“ ihre Ausbildung zum Verkäufer oder Kaufmann-/Kauffrau im Einzelhandel absolvieren konnten. Tolle Idee, von der man aber inzwischen nichts mehr hört.

Der Markt bezog seine Ware von Rewe und war in einem zentralen Gebäude im Stadtteil untergebracht, hell, freundlich und mit breiten Wegen zwischen den Regalen, weshalb auch die Menschen mit Rollstuhl aus dem nahe gelegenen Wohnheim der Praunheimer Werkstätten hier gerne einkauften. Vor über zwei Jahren wurde der Laden geschlossen. Der benachbarte Penny Supermarkt, der so eng gewesen war, dass sich die Menschen kaum umdrehen konnten, bezog die Räumlichkeiten. Für den Stadtteil war das eine gute Nachricht, denn es gibt hier viele einkommensschwache Menschen, die froh über einen Discounter sind.

Nur wenige Wochen nach dem Bezug des Ladenlokals sah es im neuen Penny aus wie im alten. Die Gänge sind zugestellt mit Ablauf- und Sonderware, das Personal kommt nicht mit dem Auffüllen nach, weshalb zusätzlich große Wagen vor den Regalen stehen. Natürlich leiden nicht nur die KäuferInnen unter den Zuständen, auch das Personal ist überfordert und genervt. Von Barrierefreiheit kann keine Rede mehr sein, weshalb Menschen mit Rollstuhl jetzt leider draußen bleiben müssen.

Ich ärgere mich darüber schon lange, aber in Corona-Zeiten hat die Enge in dem Laden auch eine gesundheitliche Komponente. Noch vor einer Woche standen die Menschen hier dicht an dicht in der Schlange, seit ein paar Tagen haben die Kassiererinnen eine Plastikhaube um die Kasse und die Kunden müssen einen Einkaufswagen nehmen, wenn sie den Laden betreten wollen. Das sieht dann so aus:

(Foto anklicken)

Es wäre eine soziologische Untersuchung wert, warum man ärmeren Menschen das Einkaufen nicht nur derart unangenehm macht, sondern warum sich offenbar auch Politik und Ordnungskräfte nicht um diese Zustände kümmern. Die Frankfurter Polizei fährt stattdessen die Parks und Feldwege ab und kontrolliert, ob mehr als zwei Leute miteinander plaudern.

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