Krisenzeiten 2

Autofrei leben hat in Krisenzeiten Nachteile. Große Vorräte anlegen geht nicht, wenn man alles nach Hause tragen oder im Fahrradkorb transportieren muss. Aber seit heute mittag ist Hamstern in Frankfurt sowieso verboten.

Mein Dorf im Frankfurter Norden ist noch ein bisschen ruhiger als sonst. Zwei Müttern mit Kinderwagen begegne ich auf dem Weg zum Supermarkt und zurück. Im Netto schreit ein alter Mann die Leute an: Abstand halten!

Drosten tröstet mich nicht mehr. Worüber auch. Wie fragil alles ist, wissen wir ohnehin.

Die Nachbarn mit den dunklen Bärten grillen am Nachmittag auf ihrem Autostellplatz direkt am Gehweg, zu sechst. Wegen dem Gedanken mit den Bärten hab ich sofort ein schlechtes Gewissen und erinnere mich daran, dass in Offenbach nur bei 8 Menschen das Virus nachgewiesen wurde, in Frankfurt aber bei 164. (Stand 23.3.) Meine Erklärung: Die Offenbacher haben weniger Geld für Ski-Urlaub.

Unser Dorf-Italiener bietet 10 Prozent Rabatt für Bestellungen ab 17:30 Uhr. Er hat keine Webseite, also auch keine Speisekarte online und kann deshalb auch nicht über die geänderten Öffnungszeiten informieren. Ich sollte ihm vorschlagen, günstig eine Homepage zu erstellen, dachte ich vorhin. Aber als ich ihn gerade beim Pizza bestellen am Telefon hatte, hat er fast geweint, als er über sein Heimatland sprach.

9 Gedanken zu “Krisenzeiten 2

  1. Xeniana 23. März 2020 / 18:17

    Das like gilt dem Beitrag nicht dem Gruppengrillen.

  2. freiedenkerin 23. März 2020 / 18:24

    Vielleicht hat man die Männer mit den dunklen Bärten nicht ausreichend in ihrer Muttersprache über die Ausgangsbeschränkungen informiert…

    • Carmen 23. März 2020 / 19:30

      Sie sind jung und gut situiert (Porsche), wahrscheinlich glauben Sie an die eigene Unverwundbarkeit.

    • Carmen 23. März 2020 / 19:32

      Wie sieht es denn in München auf den Straßen aus?

      • freiedenkerin 23. März 2020 / 19:36

        Ruhig. Sehr ruhig. Die Luft ist seit Tagen schon wunderbar klar und rein, obwohl ich mitten in der Stadt wohne. Und die Nächte sind erholsam still, weil die benachbarte Radaukneipe ja geschlossen hat. Ich kann ohne Ohropax bei geöffnetem Fenster schlafen, und das so gut wie seit Jahren nicht mehr. 😉 Jeden Abend gegen halb Neun geht die gesamte Nachbarschaft zum Applaudieren auf die Balkone… Alles Liebe – und bleib gesund!

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