CDU Harheim und der kommunikative Super-Gau

Ich habe den Ortsvorsteher und CDU-Vorsitzenden von Frankfurt-Harheim Frank Immel immer für einen umgänglichen Menschen gehalten. In einem kleinen Dorf wie Harheim spricht man miteinander, tauscht sich über Probleme aus, wie z.B. dem schlechten Busverkehr, und schaut manchesmal über politische Differenzen hinweg, wenn es dem Wohl des Stadtteils dient.

Gestern haben die Frankfurter Jusos Herrn Immel wegen Verleumdung angezeigt. Wie in meiner Post vom 11.2.2020 beschrieben (KLICK), hatte die CDU Harheim den Vorsitzenden der „Werte-Union“ Alexander Mitsch eingeladen. Ich habe daraufhin spontan per Twitter zu einer Demo in meinem Stadtteil aufgerufen, weil ich fürchte, dass es in der CDU Harheim Kräfte gibt, die den Ortsverein noch weiter nach rechts rücken wollen. Angemeldet wurde die Demo von den Frankfurter Jusos. Es wurde optimistisch mit 30 bis 50 Personen gerechnet. Via Twitter habe ich auch die Frankfurter Grünen, die SPD, die LINKEN und DIE PARTEI angeschrieben. Dass sich viele auf den Weg nach Harheim machen, war unwahrscheinlich, dazu ist der ÖPNV einfach zu schlecht (z.B. einfache Strecke ab Frankfurt Bornheim 60 Minuten). Außerdem habe ich eine Twitter-Unterhaltung mit dem Frankfurter CDU-Chef Jan Schneider geführt, der am Mittwoch schließlich die Absage der Veranstaltung bekannt gab.

Was dann folgte, kann man nur als kommunikativen Super-Gau bezeichnen. Auf ihrer Webseite bezeichnet die CDU Harheim die angekündigten Demonstranten als linksextrem und nannte als Grund für die Absage der Veranstaltung, dass man „die Bürger unseres Stadtteils und ihr Eigentum“ schützen wolle. Die CDU warnt also vor marodierenden Banden, gleichwohl wissend, dass sie es lediglich mit mir, einer Harheimer Bürgerin – mit der nahezu jedes CDU-Mitglied in Harheim schon ein Schwätzchen gehalten hat – und einer kleinen Gruppe Jusos zu tun haben. Warum macht Herr Immel das?

Wer hat das Sagen bei der CDU Harheim?

Seit 2016 muss man ganz genau hin schauen, was die CDU in Harheim so treibt. Als die Stadt im Winter 2015/16 angekündigt hat, dass es auch in Harheim – wie in jedem Frankfurter Stadtteil – eine Flüchtlingsunterkunft geben wird und dafür ein freies Grundstück am Rande des Neubaugebiets Harheim Süd vorgesehen ist, gab es Ärger bei den Neubürgern (KLICK). Anführer des bürgerlichen Unmuts war Frank Somogyi, heutiger stellvertretender Vorsitzender der CDU Harheim. In den Archiven der Hessenschau wird es noch einige Videos mit seinen O-Tönen geben. Irgendjemand hat damals auch ausländerfeindliche und rechtsradikale Accounts mit Informationen über angebliche goldene Wasserhähne in den Reihenhäusern für die Flüchtlinge in Harheim gefüttert, manches davon ist auf Twitter und youtube noch auffindbar.

Frank Somogyi hat im vergangenen Mai zusammen mit Martin Heipertz die CDU-Mitgliederinitiative „Die Basis“ gegründet:

„Wir freuen uns, dass nun auch die Werteunion unsere Ziele unterstützt und mit ihrer Forderung nach einer Urwahl des nächsten Kanzlerkandidaten in unserem Sinne argumentiert, sagen Dr. Martin Heipertz (…) und Dr. Frank Somogyi“, heißt es in einer Pressemitteilung der Initiative vom Juni 2019. Heipertz ist Mitglied der „Werte-Union“. Man darf also getrost davon ausgehen, dass Somogyi der „Werte-Union“ zumindest nahe steht.

(Richtigstellung ohne Anerkennung einer Rechtspflicht: Wegen einer geforderten Unterlassungserklärung gegen einen Absatz habe ich den Text geändert)

Der von der CDU geladene Chef der „Werte-Union“ Alexander Mitsch hat seine politische Karriere so begonnen:

„Alexander Mitsch, damals Beisitzer im CDU-Kreisverband Rhein-Neckar und Mitinitiator einer Bürgerinitiative gegen eine Flüchtlingsunterkunft…“, schreibt die Rhein-Neckar-Zeitung in einem aktuellen Artikel (KLICK). )

7 Gedanken zu “CDU Harheim und der kommunikative Super-Gau

  1. Carmen 21. Februar 2020 / 17:20

    Frankfurts Bürgermeister Uwe Becker (CDU) hat via Twitter den Parteiausschluss von Alexander Mitsch, Chef der sog. Werteunion, gefordert:

    „Der zuständige Kreisverband sollte ein Ausschlussverfahren auf den Weg bringen. Wer noch im Dezember 2016, als die AfD sich längst auf den Weg an den neo-faschistischen Rand gemacht hatte, dieser Partei Geld spendete, gehört nicht in die Christlich-Demokratischen Union.“

    • Carmen 23. Februar 2020 / 14:45

      Am Ende des Tages wird die ganze Sache der CDU in Frankfurt und Harheim nicht zum Ruhm gereichen

      • freiedenkerin 23. Februar 2020 / 14:46

        Die „CD“U bekleckert sich zur Zeit überhaupt nicht mit Ruhm, im Gegenteil.

  2. hseuffert 24. Februar 2020 / 13:14

    Oh, Abmahnung… das ist ja sozusagen der Ritterschlag. Haben sie den Jan Schneider auch abgemahnt?

    • Carmen 24. Februar 2020 / 13:22

      Wir können ja am Mittwoch zum Heringsessen der Harheimer CDU und nachfragen?

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