Ist Traffiq schuld am schlechten ÖPNV im Frankfurter Norden?

Als noch der Grüne Stefan Majer Verkehrsdezernent in Frankfurt war, hielt ich sein mangelndes Interesse an einem ordentlichen ÖPNV im Frankfurter Norden für den Ausdruck grünen Lebensgefühls: Innenstadtnah wohnen, am liebsten im Nordend, einkaufen auf dem fußläufig erreichbaren Wochenmarkt, ansonsten viel mit dem Fahrrad unterwegs. Ein Verkehrsdezernent muss aber die ganze Stadt im Blick haben und da sieht es in vielen Stadtteilen so aus: Der nächste Supermarkt ist ein bis zwei Kilometer entfernt, einen Wochenmarkt gibt es nicht, es existiert keine direkte Anbindung zum Schienenverkehr, die Busse fahren nur alle 30 Minuten.

Als dann Klaus Oesterling (SPD) nach der Kommunalwahl 2016 neuer Verkehrsdezernent wurde, dachte ich, jetzt wird der ÖPNV besser – der Mann lebt autofrei außerhalb der Innenstadt, er wird’s richten. Pustekuchen!

Im Frankfurter Norden wird derzeit die Main-Weser-Bahn ausgebaut, damit die S6 eigene Gleise bekommt – ein seit Jahrzehnten geplantes Projekt, das ich unterstütze, denn die Verspätungen der S6 sind legendär. Selbstverständlich bin ich davon ausgegangen, dass ein Projekt mit einem derart langen Vorlauf so geplant wird, dass die Belastungen für die Fahrgäste möglichst gering sind.

Vor einem Jahr hat eine kleine Oppositionspartei im Frankfurter Römer den Magistrat gefragt, wie die Fahrgäste zur S-Bahn kommen, wenn die erforderliche Sperrung der Nidda-Brücke umgesetzt wird. Diese Brücke befährt der Bus 25, der die Fahrgäste von Nieder-Erlenbach und Harheim zum S-Bahn-Halt Berkersheim bringt. (https://www.stvv.frankfurt.de/download/B_276_2019.pdf )

Nach 10 Monaten (!) hat der Magistrat geantwortet: Der Bus 25 wird drei Monate lang ganz gestrichen. Allein in der Zeit von 7 bis 9 Uhr fahren 16 Kleinbusse von Nieder-Erlenbach über Harheim zum Bahnhof Berkersheim und transportieren ca. 400 Fahrgäste. Der Magistrat meint, die könnten alle noch in den ohnehin vollen Schulbus 28 einsteigen und wenn das nicht passt, weil die Leute zum West- oder Hauptbahnhof müssen, dann sollen sie erst mit dem Bus nach Nieder-Erlenbach fahren, dort in den Bus nach Bad Vilbel einsteigen, wobei allerdings die Tarifgrenze überschritten wird, und da in die S-Bahn einsteigen. Dann müssen die halt eine Stunde früher aufstehen und ein bisschen tiefer in die Tasche greifen, na und!

Erst am Mittwoch wurden die Fahrgäste per Aushang informiert, dass der Bus 25 ab 14.10.2019 nicht mehr fährt. Wir haben gerade Herbstferien, einige werden am 1. Schul- oder Arbeitstag aus allen Wolken fallen. Damit wenigstens die Fußgänger zum S-Bahnhalt Berkersheim kommen, der circa 1,5 Kilometer von Harheim entfernt ist, soll eine provisorische Holzbrücke gebaut werden. Derzeit ist davon noch nichts zu sehen. Diese Ersatzlösung haben wir (einige Nachbarn und ich) erstritten, als wir am 30.10.2018 in der Bürgerstunde des Verkehrsausschusses gesprochen haben.

Ich habe natürlich per Twitter mit dem RMV Kontakt aufgenommen, als ich am Mittwoch den Aushang gesehen habe. „Wir wissen von nichts“, hieß es da, „geht uns auch nichts an“. Heute steht in der Frankfurter Neuen Presse, dass die Streichung der Linie 25 die Deutsche Bahn zusammen mit der Traffiq entschieden habe. Traffiq ist das Unternehmen, mit dem ich im Mai ein interessantes Treffen hatte: https://umamibuecher.wordpress.com/2019/05/07/verkehrspolitik-in-frankfurt-alles-eine-frage-der-wahrnehmung/.

Und Traffiq ist das Unternehmen, das Verkehrsdezernent Klaus Oesterling eigentlich abschaffen wollte, weil die Doppelstruktur von VGF und Traffiq unwirtschaftlich ist. (https://assets07.hessenspd.net/docs/doc_45385_2013624162515.pdf )

Ein Gedanke zu “Ist Traffiq schuld am schlechten ÖPNV im Frankfurter Norden?

  1. Carmen 11. Oktober 2019 / 11:51

    Mit vereinten Kräften haben Harheim BürgerInnen sich gegen das oben beschriebene Vorhaben gewehrt. Heute ist Traffiq zurück gerudert:

    Absage: Niddabrücke im Harheim wird nicht gesperrt – Buslinien 25 und 28 fahren fahrplanmäßig

    (ffm) Die geplanten Baumaßnahmen der Deutsche Bahn AG an der Niddabrücke verzögern sich auf noch unbestimmte Zeit. Die für Montag, 14. Oktober, angekündigten Maßnahmen im Linienbusverkehr werden nicht umgesetzt und die Buslinien 25 und 28 fahren weiterhin fahrplanmäßig.

    TraffiQ, die lokale Nahverkehrsgesellschaft, bedauert die entstandenen Unannehmlichkeiten für die Nieder-Erlenbacher und Harheimer Fahrgäste.

    https://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=2855&_ffmpar%5B_id_inhalt%5D=36159518

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