Verkehrspolitik in Frankfurt – Alles eine Frage der Wahrnehmung

Engagierte Verfechterin des Nahverkehrs oder Querulantin? Alles eine Frage der Wahrnehmung und die ist in der Regel durch eigene Interessen gesteuert. Hier der eigennützige Anspruch des Fahrgastes in angemessener Zeit zum Ziel zu kommen, dort der verständliche Wunsch des Verkehrsunternehmens nach möglichst guter PR.

In Frankfurt-Harheim ist der Busverkehr immer wieder ein Thema. Wir zahlen den gleichen Preis fürs Ticket (90 Euro im Monat) wie die Innenstädter, bekommen dafür aber nur alle 30 Minuten einen Bus vorbei geschickt (außer in den Berufspendlerzeiten). Der Bus ist oft zu spät, was ziemlich blöd ist, weil dann der Anschluss an den städtischen Schienenverkehr verpasst wird. Wer kann, fährt mit dem Rad zur S-Bahn oder U-Bahn-Haltestelle, aber die vielen alten Leute in meinem Stadtteil können das nicht. Darum bleibe ich an dem Thema dran, schreibe gelegentlich meine Beschwerdemails an Traffiq, dem in Frankfurt für den Busverkehr zuständigen Verkehrsunternehmen und sage zu, wenn die Presse mal wieder jemanden sucht, der sich vor einem Bus ablichten lässt, um einen Artikel über den schlechten ÖPNV in Harheim zu illustrieren.

Manchmal erhält der Fahrgast auf seine Beschwerde über einen ausgefallenen Bus die Antwort von Traffiq, man müsse sich getäuscht haben, es habe keinen Ausfall gegeben. Der Busbetreiber, das Subunternehmen Transdev, habe gesagt, der Bus sei gefahren. Ich kann gut verstehen, dass Transdev das behauptet, schließlich bekommt es nur Geld für geleistete Fahrten. Hier sollte man meinen – beim Geld – muss doch das Interesse der Traffiq liegen, den Busbetreiber zu kontrollieren? Aber Kontrolle macht Arbeit und das kostet schließlich auch Geld. Und warum hat Traffiq kein Problem damit, Fahrgäste zu verärgern, schließlich unterstellt man ihnen zu lügen? Wahrheit – Lüge, sagt da der gewievte PR-Mann, ist doch alles eine Frage der Wahrnehmung und legt eine Statistik vor, wie stark die Beschwerden in meinem Stadtteil zurückgegangen sind. Kein Wunder, wenn Traffiq nur noch schriftliche Beschwerden und keine telefonischen mehr annimmt, widerspreche ich.

Aber mit dem Widerspruch soll jetzt Schluss sein, wird mir gesagt. Ich könne und solle doch gern meine Anmerkungen weiter schicken, aber Traffiq werde nicht mit mir diskutieren. Wenn Traffiq sagt, ein Bus ist gefahren, dann ist er gefahren – BASTA!

Und zum Abschluss des zeitweise durchaus angenehmen Gesprächs wird mir mitgeteilt, dass jeder Busfahrer in meinem Stadtteil mich und meine Kritik kenne, das solle ich berücksichtigen.

Verkehrspolitik in Frankfurt.

7 Gedanken zu “Verkehrspolitik in Frankfurt – Alles eine Frage der Wahrnehmung

  1. freiedenkerin 7. Mai 2019 / 21:05

    Was ist denn das für eine Art? Ja, Wahnsinn! So mit KundenInnen umzugehen!

  2. Stefan B. Adorno 8. Mai 2019 / 20:43

    Ich kann Deine Frustration sehr gut nachvollziehen, aber ich dürfte Dir kaum etwas Neues sagen, wenn ich glaube, dass Du Dein Anliegen nur politisch lösen kannst. Da bist Du ja auch schon dabei, nicht wahr?

    Es liegt halt im „Programm“ solcher Unternehmen, dass die Hotline nur für bestimmte Fälle „designt“ oder „optimiert“ wird und da fällst Du halt raus, so sehr Du von der Ernsthaftigkeit Deines Problems überzeugt sein magst.

    Wenn Du weiter dranbleiben willst, ist es wahrscheinlich ratsamer, Dich direkt an Deine Abgeordneten zu wenden. Die mögen auch schon abgebrüht sein, aber wahrscheinlich haben sie noch nicht so eine Hotline wie dieses Traffik.

    Viel Erfolg.
    Stefan

    • Carmen 8. Mai 2019 / 21:08

      Ich beackere das Thema seit vielen Jahren auch politisch, stehe in Kontakt mit dem Ortsbeirat und mit Stadtverordneten, die meine Ideen zum ÖPNV in Frankfurt auch in den parlamentarischen Geschäftsgang einbringen. Allerdings haben wir in Frankfurt eine Koalition, die alle Anträge der Opposition ablehnt. Die SPD wollte schon vor Jahren Traffiq abschaffen, davon ist nichts mehr zu hören seit das Verkehrsdezernat von einem SPD Dezernenten geführt wird. Es geht natürlich um Jobs und Macht und ich bin ein störender No Name – allerdings ein hartnäckiger No Name ; -)

  3. gnaddrig 14. Mai 2019 / 11:28

    Wow, das ist schon ziemlich dreist von denen. Damit darf man die nicht einfach so davonkommen lassen.

    Und das mit der Koaltion, die grundsätzlich alles von der Opposition ablehnt, klingt auch nicht wirklich gut.

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