Haben oder Sein?

Den Mangel an Selbstreflexion empfinde ich als eines der größten Ärgernisse. Ich stehe staunend vor Menschen mit Intelligenz, die weite Strecken in Urlaub fliegen, mit dem Auto zum Bäcker oder zum Biomarkt fahren, ihren flügge werdenden Kindern je ein eigenes Auto kaufen, die auf den Gehwegen geparkt werden, wo dann die Kinder und Alten der Nachbarschaft auf der Straße laufen müssen. Menschen, die meinen, sie bräuchten zu zweit mehr als 100 qm Wohnfläche, die ihr Haus mit umweltschädlichem Kaminfeuer heizen, sich aber politisch korrekt fühlen, weil sie ab und zu ein Globuli einwerfen und sich über Trumps Klimapolitik aufregen.

Ist man ein schlechterer Mensch, wenn man den Klimawandel leugnet oder wenn man ihn als faktisch akzeptiert, aber für das eigene Leben keine Konsequenzen daraus zieht?

Haben die Leute keine Zeit über die Widersprüche in ihrem Denken und Handeln zu reflektieren oder ist ihnen schlicht der eigene Komfort wichtiger?

Wenn die meisten Menschen wissen, dass Beziehungen glücklicher machen als Geld und Konsum, warum reduzieren sie dann ihre Arbeitszeit nicht?

Ich hoffe, dass mir das neue Buch von Jens Förster: „Was das Haben mit dem Sein macht“, Antworten auf einige meiner Fragen gibt. Hier ein kurzes Video:

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4 Gedanken zu “Haben oder Sein?

  1. Andreas 20. Februar 2018 / 11:01

    In dieser Radikalität habe ich das noch nicht gelesen:

    „Ist man ein schlechterer Mensch, wenn man den Klimawandel leugnet oder wenn man ihn als faktisch akzeptiert, aber für das eigene Leben keine Konsequenzen daraus zieht?“

    Bravo!

  2. Carmen 20. Februar 2018 / 11:10

    Danke.

    Demnächst mehr über das Buch und meine eigenen Widersprüche.

    • Chrije 21. Februar 2018 / 09:50

      liebe Carmen, klingt hochinteressant und herausfordernd. An die eigene Nase fassen und verändern, aber so einfach ist es nicht. Ein Versuch wäre es wert… gerade jetzt in der Fastenzeit….

  3. tikerscherk 5. Mai 2018 / 10:25

    Ich kenne jede Menge Veganer, die aus Tierwohlgründen und wegen der Umwelt auf Fleisch verzicten, aber kein Problem damit haben, mehrmals jährlich Langstrecken zu fliegen. Sie meinen, dass sich das ausgleicht und andere ja schließlich viel schlimmer…
    Die Frage ist klug gestellt. Nein, die Einen sind dem Grunde nach nicht besser als die Anderen. Vielleicht ein bisschen sympathischer, weil sie mitten unter uns sind. Verlogen und egoistisch sind beide Gruppen.

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