Frankfurter Gewässer sind mit Fäkalienkeimen verseucht


Am Muttertag spazierte ich mit meiner Tochter am Pfingstberg entlang, einem idyllisches Fleckchen im Frankfurter Norden, wo ab und an ein paar Rinder grasen und Schafe ihr Gnadenbrot erhalten.

Der Weg führt den Eschbach entlang zum Jägersteg zwischen Harheim und Nieder-Eschbach. Eine junge Familie mit zwei kleinen Kindern spielte am Bach. Ich sprach die Familie an und fragte, ob sie wüssten, dass der Bach stark verunreinigt ist, weil in der Nähe eine Kläranlage ihr Abwasser einleitet. Sie verneinten.

Vor wenigen Wochen starben drei Menschen in der Frankfurter Uniklinik an einem Keim, den ein Mann eingeschleppt hatte, der zuvor in den Eschbach gefallen war.

Pick Nick am Eschbach gehörte auch zu unseren Freizeitvergnügungen, als wir vor mehr als zehn Jahren in den Frankfurter Norden zogen. Niemand hatte uns darauf hingewiesen, dass man besser nicht ins Wasser geht. Auch nicht die Mitarbeiter der Kindertagesstätte oder der Grundschule, die direkt am Eschbach liegen. 2004 veröffentlichte die Stadt Frankfurt eine schöne Broschüre mit dem Titel „Stadtgewässer: Flüsse, Bäche, Altarme entdecken“ und die nutzten wir als Anregung, um mit dem Fahrrad die Dörfer abzufahren und an den liebevoll restaurierten Ufern der Bäche zu rasten. Auch heute noch sind die Inhalte der Broschüre auf der Webseite der Stadt Frankfurt verfügbar. Zum Eschbach steht hier:

„Der idyllische Charakter des Gewässers wird vor allem durch den nahezu geschlossenen Gehölzsaum im Uferbereich geprägt. Neben Wiesen, Weiden und Grünbrachen sind auch Ackerflächen, zum Teil mit Gemüseanbau, im Gewässerumfeld vorhanden. (…) Innerhalb des Bachbetts haben sich typische Strukturen eines naturnahen Gewässers mit wechselnden Wassertiefen, Still- und Flachwasserzonen herausgebildet. Auch die Ufer sind abwechslungsreich gestaltet: flache Uferbereiche und steile Ufer mit Abbrüchen sind durch die Wasserdynamik entstanden. In der Ortslage von Nieder-Erlenbach liegen öffentliche Grünanlagen, Hausgärten und Kleingärten im Uferbereich.“

Mit keinem Wort wird eine Gesundheitsgefahr erwähnt, die das Baden oder Spielen am Bach bergen könnte, ebenso wenig bei allen anderen Gewässern. (LINK zur Seite Stadtgewässer auf frankfurt.de)

Dabei wissen die Verantwortlichen der Stadt Frankfurt spätestens seit der Veröffentlichung des Gewässerberichts 2009, wie es um die hygienische Qualität der Frankfurter Oberflächengewässer bestellt ist. Wer ihn sucht, findet den Bericht heute noch auf der Stadtseite ( Gewässerbericht).

Es sucht aber keiner, zumindest die Frankfurter Presse scheint sich nicht die Mühe zu machen und die Lokalpolitik auch nur partiell, die träumt lieber von Frankfurt als Green City.

Deshalb noch mal für Alle: Flüsse, in denen Fische schwimmen, müssen nicht sauber sein! Ein Bach oder Fluss kann biologisch in Ordnung sein, aber hygienisch hoch gefährlich. Die hygienische Gewässergüte untersucht, wie hoch die Verunreinigung mit Fäkalstreptokokken, E.coli und Salmonellen ist und die ist in den Jahren 2005 bis 2008 bei fast allen Frankfurter Gewässern geradezu explosionsartig gestiegen (siehe Seite 30 des o.g. Berichts). Seitdem ist kein Bericht mehr erschienen.

Ich habe schon in meinen Artikeln zu den EHEC-Fällen in Frankfurt 2011 auf die erstaunliche Zurückhaltung der Stadt Frankfurt hingewiesen, wenn es um die Information ihrer BürgerInnen zu den Gesundheitsgefahren durch Spielen oder Baden an den Gewässern geht. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

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3 Gedanken zu “Frankfurter Gewässer sind mit Fäkalienkeimen verseucht

  1. tikerscherk 8. Juni 2017 / 10:06

    Eigentlich unfassbar, dass darüber geschwiegen wird. Was, wenn sich noch mehr Menschen dort infizieren? Ich hatte übrigens keine Ahnung, dass Gewässer in denen sich Fische tummeln trotzdem hochgradig mit Fäkalien belastet sein können. Ebenso wenig wusste ich, dass Kläranlagen naheliegende Gewässer so stark verunreinigen. Danke für die Aufklärung.
    Was Du hier schreibst, gehört an die ganz große Glocke gehängt. Nur wie?

    • Carmen 8. Juni 2017 / 10:30

      Ich gebe mein Bestes, das bekannt zu machen, nicht nur via Twitter und Blog, sondern auch mit Unterstützung eines Frankfurter Kommunalpolitikers.

      Ich verstehe auch nicht, dass dieses Thema so niedrig gehängt wird – in einer Stadt, wo die Grünen seit elf Jahre mitregieren, Natürlich kostet z.B. eine bessere Abwasserreinigung Geld, aber das hat der Wiederaufbau der Altstadt und das Commerzbankstadion ja auch…

      Du kannst mich ja rebloggen, wenn das noch geht.

      • tikerscherk 8. Juni 2017 / 11:10

        Ich weiss nicht ob rebloggen noch geht, aber verlinken geht in jedem Fall. Leider sidn meine LeserInnen nicht besonders link-klick-freudig.
        Respekt vor Deinem Engagement!

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