Integratives Wohnprojekt in Harheim

Vor einem Jahr war es in meinem Stadtteil ungemütlich geworden. Die Stadt Frankfurt war bei ihrer Suche nach Grundstücken für Flüchtlingsunterkünfte auch in Harheim, einem der kleinsten Stadtteile Frankfurts und idyllisch an der Nidda gelegen, fündig geworden. Viele Bürger, vor allem aus dem Neubauviertel, an dessen Rand das betreffende Grundstück liegt, hatten sich empört. Zu der Anhörung, in der die Verantwortlichen des Projekts Rede und Antwort standen, waren auch Anhänger rechter Gruppierungen angereist, in der Hoffnung, die Stimmung weiter anheizen zu können. (Ich habe über die Veranstaltung hier berichtet: KLICK)

Die Kritik an den geplanten Holzmodulen nahm die Stadt auf und plante um: Die neuen Unterkünfte werden jetzt im Reihenhausstil gebaut. Dennoch formiert sich aktuell neuer Widerstand im Stadtteil: Die Interessengemeinschaft IG Harheim hat in den letzten Tagen im Dorf Flugblätter verteilt und ruft die BürgerInnen dazu auf, bei der am Montag stattfindenden Ortsbeiratssitzung gegen das Projekt zu protestieren.

Da ich zu den Glücklichen gehöre, die für Montag Abend eine Einladung zur Veranstaltung mit „Augstein und Blome“ in der Deutschen Nationalbibliothek haben, werde ich an der Sitzung nicht teilnehmen.

Es ist aber wichtig, zu diesem Thema Stellung zu beziehen. Ich bin gegen die Skandalisierung des Bauvorhabens, für Gelassenheit und Empathie mit den Geflüchteten. Wir Harheimer fordern zu Recht, dass wir bei den städtischen Verkehrsdienstleistungen und bei der Kita-Versorgung genauso behandelt werden wie andere Stadtteile, und wünschen uns von der Stadtpolitik endlich mehr Engagement bei der Nahversorgung und für Jugendangebote – dass wir aber auch bei den Aufgaben der Stadt Frankfurt einen Beitrag leisten müssen, sollte selbstverständlich sein.

Ich freue mich, dass im neuen Konzept des integrativen Wohnprojekts auch gemeinschaftliches Wohnen für Frauen vorgesehen ist (siehe Artikel in FNP) und erinnere an die Bereitschaft vieler Harheimer BürgerInnen, die Flüchtlinge in unserem Stadtteil zu unterstützen. (Link zu Harheim hilft)

Advertisements

4 thoughts on “Integratives Wohnprojekt in Harheim

  1. freiedenkerin 11. Februar 2017 / 21:38

    Im Münchner Stadtteil Neuperlach gibt es seit Herbst eine ca. vier Meter hohe Mauer, um ein Siedlungsgebiet von einem Flüchtlingsheim abzuschirmen… Purer Wahnsinn…

    • Carmen 11. Februar 2017 / 21:43

      Das Abschotten funktioniert nicht. Es dauert wohl, bis das manche begriffen haben.

  2. Carmen 13. Februar 2017 / 09:25

    Auf meinen Tweet, in dem ich mich über die Möglichkeit des gemeinschaftlichen Wohnens für Frauen in Harheim freue, erhielt ich von einem der Neubürger, die den Protest gegen die Unterkunft vorantreiben, folgende Antwort:

    Das gemeinschaftliche Wohnen richtet sich an alle. Aber es waren offenbar bislang nur Frauen naiv genug, sich dafür zu melden.

    Ich bitte meine LeserInnen, die Intention dieser Aussage zu erfassen. Warum sollten Frauen naiv sein, die bereit sind, mit geflüchteten Familien unter einem Dach zu wohnen? Was droht Ihnen, nach der Phantasie dieses Mannes?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s