Gar nicht bösartig? FAG und AFD als Spielwiesen für Despoten

Journalisten von Mitgliederversammlungen oder Parteitagen auszuschließen, wie es die AfD tut, widerspricht der Pressefreiheit. Doch wie der designierte US-Präsident Trump halten die Populisten nicht viel von Transparenz.

Allerdings ist die Presse auch bei anderen Parteien oder Wählergemeinschaften nicht unbedingt gern gesehen. Ich erinnere mich an die Mitgliederversammlung der Flughafenausbaugegner (FAG) im Winter 2005, wenige Monate vor der Kommunalwahl. Die Wählergemeinschaft war zerstritten, die Unterschiede zwischen den Lerchesberg-Bewohnern, die sich ausschließlich für das Thema Flughafenausbau interessierten und den Mitgliedern, die aus dem links-grünen Milieu kamen und sich auch für soziale Themen stark machten, hatten sich in den letzten Monaten verschärft.

An diesem Abend im Frankfurter Südbahnhof sollte die Liste für die Kommunalwahl im März 2006 beschlossen werden. Die 40 – 50 anwesenden Mitglieder entschieden an diesem Abend auch über eine Personalie, die bisher in der FAG nicht in Erscheinung getreten war: Dr. Dr. Rainer Rahn. Als Kritiker des Flughafenausbaus war der Zahnarzt in Sachsenhausen bekannt, aber in der FAG war er bislang weder Mitglied noch als Gast aufgetreten. Aus dem Hut gezaubert wurde er von Ursula Fechter. Ihr Plan: Sie kandidiert auf Platz 1 und lässt sich nach der Wahl als ehrenamtliche Stadträtin in den Magistrat wählen, Rainer Rahn und ein weiterer Unbekannter in der FAG, der Steuerberater Achim Fey, kandidieren auf den sicheren Folgeplätzen. Die damalige Fraktionsvorsitzende Gisela Becker sollte auf die hinteren Plätzen verbannt werden. Letzeres konnte Fechter selbst bei der völlig überrumpelten Mitgliederschaft nicht durchsetzen, aber die anderen Personalien schon. (Siehe auch „FAG wird FDP“)

Warum ich mich an diese Zeit erinnere? Die Frankfurter Rundschau berichtet heute über Rainer Rahn, der inzwischen Fraktionsvorsitzender und Fraktionsgeschäftsführer der AFD ist. In seinem Kommentar bescheinigt ihm Georg Leppert „rechte Hetze“ und „Pöbelei“, schreibt aber auch: „Bisweilen wirkt Rahn kauzig, aber nie bösartig.“ (…) Bislang sagen viele Leute, die ihn seit Jahren kennen, „der Rainer“ sei eigentlich ganz in Ordnung, nur etwas verrückt vielleicht.“

Ja, lieber Herr Leppert, da haben Sie eindeutig die falschen Leute gefragt.

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Ein Gedanke zu “Gar nicht bösartig? FAG und AFD als Spielwiesen für Despoten

  1. freiedenkerin 14. Januar 2017 / 21:40

    Nein, nein, die Leut‘ von der AfD sind alle gaaaaaanz harmlos, die tun nix, die wollen nur spielen…

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