Robuste Zivilität – Frankfurter Buchmesse 2016 (3)

Die Qualität der Kommunikation bestimmt die Qualität unseres Lebens“ (Bernhard Pörksen)

yvonne-hofstetter

Starke Frauen sind auf dem Podium des Vorwärts-Stands nicht allzu häufig anzutreffen: Ein Highlight war am Freitag das Gespräch zwischen IT-Unternehmerin Yvonne Hofstetter und dem SPD-Politiker Matthias Machnig. Letzerer hatte tatsächlich Hofstetters Buch „Das Ende der Demokratie“ gelesen und war an einer Auseinandersetzung interessiert.

„Die großen Technologieunternehmen, die Internet-Giganten aus den USA verändern unsere Gesellschaft hin zum Informations- und Überwachungskapitalismus – ohne das wir darüber politisch entschieden haben. Google, Whatsapp etc. sind dabei unser Leben komplett zu verändern, diese Unternehmen kommen aus einem Land mit einem völlig anderen Verfassungsverständnis. Es ist keine Privatsache, wenn User mit einem Häkchen ihre Verfassungsrechte freiwillig preisgeben“, erklärte Hofstetter.

„Auch bei der Erfindung des Autos oder der Kernenergie wurden wir nicht gefragt“, erwiderte Machnig. Neu sei aber, dass von den Folgen der Digitalisierung erstmals nicht die wenig qualifizierten Arbeitnehmer sondern die mittlere Führungsebene getroffen sei. (Darauf hat Günther Dueck schon vor Jahren hingewiesen).

Einig waren sich die Gesprächspartner darin, dass Technik nicht die Lösung gesellschaftlicher Probleme sei. Eine wichtige Aufgabe der nächste Jahre müsse es sein, die Generation der Digital Natives durch politische Bildung über die Gefahren der Nutzung der Informationstechnologie aufzuklären.

Dieses Buch sollten wir lesen: „Das Ende der Demokratie“ von Yvonne Hofstetter.

carolin-emcke

Auf der ARD-Bühne war die wunderbare Carolin Emcke zu Gast, die morgen den Friedenspreis der Deutschen Buchhandels erhält. Denis Scheck eröffnete das Gespräch mit einer Anekdote: Kürzlich habe ihn in einer Stadt ein Fremder angesprochen und zu ihm gesagt: „Wenn wir siegen, hängt ihr da oben“ und dabei auf einen Turm gezeigt.

Die Mechanismen der Verrohung, der Schamlosigkeit, des Hasses sind die Themen, mit den sich Emcke auf ihre intensive und authentische Weise beschäftigt: „Hass wird geformt, gezüchtet und genährt, aber nicht von den Leuten, die dann vor einem Flüchtlingsbus stehen, sondern von Verlegern, Musikern und Aktivisten aus den rechten Foren.“

Mehr zu Carolin Emcke hier: KLICK.

ash-und-poersksen

Am Nachmittag hatte das Auswärtige Amt den Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen eingeladen, um mit dem Historiker Timothy Garton Ash über dessen Buch „Redefreiheit“ zu sprechen. Ash fordert die Bürger zur „robusten Zivilität“ auf: „Die Deutschen haben das wunderbare Wort Streitkultur“ – darauf komme es an. Die Zivilgesellschaft müsse ihre Kommunikation selbst regeln, würde sie per Gesetz geregelt, wäre der Dialog beendet. (mehr dazu hier: Deutschlandfunk)

Lesen sollten wir aber auch Bernhard Pörksen, z.B. dieses Buch: Kommunikation als Lebenskunst

(Soviel in Kürze zu meinem dritten Buchmesse-Tag).

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3 Gedanken zu “Robuste Zivilität – Frankfurter Buchmesse 2016 (3)

  1. freiedenkerin 23. Oktober 2016 / 17:58

    Ich überlege, ob ich „Das Ende der Demokratie“ nicht einem „Bloggerfreund“ schenken soll, der völlig bedenkenlos und haufenweise Bilder von seinem kleinen Sohn auf WhatsApp, GoogleMaps und seinem Blog online stellt…

  2. Carmen 23. Oktober 2016 / 18:25

    Gute Idee. Ich habe mir heute „Gegen den Hass“ gekauft und empfehle sehr, sich die heutige Verleihung des Friedenspreises an Carolin Emcke in der Mediathek anzusehen.

  3. freiedenkerin 23. Oktober 2016 / 18:48

    Ich habe einen Teil ihrer Rede im TV gesehen. Und in meinem Wohnzimmer ganz laut applaudiert.

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