Nicht nur Aliens – Frankfurter Buchmesse 2016 (2)

Schon am zweiten Tag nervt mich die Buchmesse. Alles trödelt, steht links auf der Rolltreppe oder plaudert in Grüppchen an Engstellen, während ich versuche, in fünf Minuten durch zwei Hallen von einer zur nächsten Veranstaltung zu kommen.

Nicht aufgeben – anpassen, heißt die Devise, also recke ich mich auf meine vollen 1,71 Meter, schreite mit steinernem Blick durch die Mitte des Ganges, als mir mein Ebenbild entgegenkommt, ebenso rothaarig und fest entschlossen, nur 25 Jahre jünger. Da muss ich lachen und begebe mich entspannt ins Lesezelt. Seit ein paar Jahren kooperiert die Buchmesse im Agora-Lesezelt mit Yogi-Tea, was ein anderes Publikum in die Halle lockt. Süßholz-Schwaden durchziehen das Zirkuszelt, der intellektuelle Weintrinker hat sich verzogen, keine Ahnung wohin. Ich bleibe trotzdem, weil die Edition Körber Stiftung Michael Richter eingeladen hat, der sein Buch „Neue Heimat Deutschland“ vorstellt.

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Richter berichtet von seinen Recherchen über das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), das seine Mitarbeiterzahl mehr als verdoppelt hat und wo nun nach einer Kurzausbildung von wenigen Wochen Angestellte über das weitere Leben der Angekommenen entscheiden. Er kritisiert die Politik, die das grundgesetzlich verankerte Recht auf Einzelfallprüfung ausgesetzt hat. Eine seiner Forderungen lautet, ein zeitlich begrenztes Arbeitsvisum einzuführen, damit hätten wir mindestens 300.000 weniger Asylanträge. „Aus vordergründig politischen Motiven werden derzeit tausende Verlierer produziert“, belegt Richter anhand vieler Beispiele. Mein Fazit: Ein informatives Buch von einem unaufgeregten Autor.

Der Vorwärts Verlag gehört ebenfalls zu den entspannteren Orten auf der Buchmesse. Er liegt direkt an einem Eingang der Halle 3.0. Viele bekannte Gesichter auf und neben der Bühne, am Mittwoch war ein launiger Ralf Stegner da, am Tag danach Oberbürgermeister Feldmann, und schwer haben es jeweils die Autoren, die den Anlass für die Einladung der Politiker geben, die sich nur selten unterbrechen lassen.

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Das vorgestellte Buch „Willkommensstadt“ von Daniel Fuhrhop nutzte der Oberbürgermeister dann auch trotz der eher gegenteiligen Intention des Autors, um für die Bebauung des Pfingstbergs zu werben.

Dann noch schnell zur „Welt“, wo sich Terezia Mora im Gespräch mit Paul Jandl abmühte, der merkwürdige Fragen stellte, die weder die Autorin noch das Publikum verstand und nach der Lesung von der Autorin, die als Kind aus Ungarn kam, in drei Minuten ein Statement über die Verfasstheit der ungarischen Gesellschaft verlangte.

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Heute ist Mora um 13 Uhr bei der FAZ, Halle 3.1, D 106, wo sie erneut und sicher in angenehmerem Umfeld ihren Erzählband „Die Liebe unter Aliens“ vorstellt.

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