Neuigkeiten im Fall Wevelsiep: Eltern fordern Wiederaufnahme

„Ist es sinnvoll, Polizisten aufgrund einer massiven Verfehlung wie Körperverletzung im Amt, Hausfriedensbruch etc. anzuzeigen? Ist der durchgeführte Prozess eine Lehre für den Angeklagten, oder fühlt er sich jetzt erst recht bestärkt, seine Macht als Amtsträger gegenüber einer schwächeren Bevölkerung auszuüben?“ (Rosemarie Wevelsiep-Paesler und Prof. Dr. Klaus Wevelsiep im Schreiben an die Staatsanwaltschaft vom 12.8.2016)

Die Mutter von Derege Wevelsiep, Rosemarie Wevelsiep-Paesler, nimmt die Aufhebung des Urteils gegen Polizist Matthew Sch. wegen Körperverletzung im Amt nicht widerspruchslos hin. Nach Analyse der Prozessakten und des Urteils wendet sie sich gemeinsam mit ihrem Mann in einem (mir vorliegenden) Brief an die Staatsanwaltschaft und bittet um Wiederaufnahme des Verfahrens. Derege Wevelsiep musste nach einer polizeilichen Identitätsüberprüfung im November 2012 drei Tage in einem Frankfurter Krankenhaus behandelt werden. Zwei Jahre später wurde der Polizist wegen Körperverletzung im Amt zu 120 Tagessätzen á 70 Euro verurteilt, dieses Urteil hob das Landgericht am 31.5.2016 auf. (Alle Artikel zum Fall hier).

Im Berufungsverfahren vom Mai 2016 wurde der Polizist Matthew Sch. vom Vorwurf der Körperverletzung freigesprochen (nicht ohne erhebliche Zweifel auf allen Seiten), das neue Urteil sah lediglich die Beleidigung als nachgewiesen an.

Hauptursächlich für den Sinneswandel der Staatsanwaltschaft im Verfahren gegen den Polizisten war das Gutachten von Dr. Kettner vom Institut für Rechtsmedizin. Dessen „auf Wahrscheinlichkeiten beruhendes Gutachten“ nehmen die Eltern des Opfers deshalb auch zum Anlass einer kritischen Analyse. Derege Wevelsiep selbst hat wegen der hohen finanziellen Risiken eines weiteren Prozesses keine Berufung gegen das Urteil des Landgerichts eingelegt.

Herr und Frau Wevelsiep weisen in Ihrem Schreiben auf zahlreiche Unstimmigkeit hin, von denen ich zwei zitieren möchte:

– Begünstigung des Angeklagten Matthew Sch. durch Nichtbeachtung des DNA–Gutachtens des Instituts für Rechtsmedizin vom 6.5.2013 im Rahmen der Voruntersuchungen. Dies hatte an den schwarz-gelben Handschuhen des Angeklagten einzelne „blutverdächtige Anhaftungen“ festgestellt: „Bei den beiden Anhaftungen handelt es sich somit aller Wahrscheinlichkeit nach um Blut“ wurde im Gutachten notiert.
Warum wurde dieses Gutachten weder bei der Urteilsfindung des Amtsgerichts noch bei der Urteilsfindung des Landgerichts berücksichtigt, fragen die Wevelsieps zurecht.

– Mit der „fehlenden Richtungsänderung der Abrinnspur des Blutes“ wollte Rechtsmediziner Kettner belegen, das das Opfer nicht geschlagen wurde und legte zum Beweis zwei Abzüge des gleichen Fotos vor. („Der Sachverständige hat dargelegt, dass die Abrinnspur des Blutes im Falle des zu Boden Gehens ihre Abrinnrichtung geändert hätte, da das Blut zum Zeitpunkt der Fertigung des Fotos nach dem Lichtbild Bl. 41 d.A. noch nicht getrocknet war. Ausweislich des Lichtbildes Blatt 41 d.A. hat die Abrinnspur ihre Richtung jedoch nicht geändert“; Urteil, S. 32.
Wevelsieps kritisieren: „Hier wird ein einziges Bild mit sich selbst verglichen und dabei festgestellt, dass keine Veränderung eingetreten ist. Dies erscheint uns als völlig absurd.“

Mit der Forderung nach Wiederaufnahme des Verfahrens verbinden die Eltern von Derege Wevelsiep die Hoffnung, dass die Glaubwürdigkeit ihres Sohnes wieder hergestellt wird. Aus diesem Grund wenden sie sich auch an die Öffentlichkeit.

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3 Gedanken zu “Neuigkeiten im Fall Wevelsiep: Eltern fordern Wiederaufnahme

    • Rosemarie 17. August 2016 / 19:34

      Ich glaube nicht, dass unsere Eingabe von Erfolg gekrönt sein wird. Aber mir geht es vor allem darum, die Glaubwürdigkeit unseres Sohnes in der Öffentlichkeit wieder herzustellen!

      • Carmen 18. August 2016 / 11:36

        Das verstehe ich gut, Frau Wevelsiep-Paesler.

        Es war eine grauenhafte Stunde während des Prozesses, als mir (und den meisten anderen) klar wurde, dass alles von diesem Rechtsmediziner und seinen Interpretationen abhängt.

        Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Kraft.

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