Berufungsverfahren im Fall Wevelsiep (2)

„Wie war das Gangbild von Herrn Wevelsiep?“ lautete heute die am häufigsten wiederholte Frage von Richterin Menhofer-Woitaschek am vierten Verhandlungstag im Berufungsverfahren gegen den Polizisten Matthew S.

Befragt wurden zwei Polizisten, die den verletzten Wevelsiep im Krankenhaus aufgesucht hatten und zwei Krankenschwestern des Katharinen-Krankenhauses. Ausführlich behandelt wurde die Frage, ob und wann genau das Prügelopfer während seines Krankenhausaufenthaltes hinkte. Für den Laien eine irrelevante Frage, hatte doch Richter Pulch in seinem Urteil nur die Kopfwunde von Wevelsiep eindeutig dem polizeilichen Übergriff zugeordnet und das Strafmaß gegen den Polizisten dementsprechend niedrig mit 8.400 Euro angesetzt.

Dass die Fuldaer Anwälten Karras und Hauschild am Ende des dritten Verhandlungtages am 26.4.2016 dennoch den Antrag gestellt hatten, die beiden KDD-Beamten als Zeugen zu laden, diente einzig und allein dem Versuch, die Glaubwürdigkeit des Opfers zu erschüttern. Wevelsiep habe nur im Flur gehinkt und nicht im Zimmer, lautete die Aussage der beiden Polizisten. Allerdings haben die Polizisten weder das Hinken noch das Fehlen des Hinkens in ihrem Bericht vermerkt, insofern sollte man meinen, dass eine erst Jahre später angebliche und nahezu identisch vorgebrachte Beobachtung zweier Polizeikollegen ohne Bedeutung ist.

Ist es aber nicht. Wevelsiep als Simulant hinzustellen, ist die einzige Chance der Verteidigung, das Berufungsverfahren zu gewinnen. Sehr zum Ärger der Richterin konnte Wevelsiep am heutigen Prozesstag nicht teilnehmen, da er von seinem Arbeitgeber auf Dienstreise nach Marokko geschickt wurde. Ob die Rückfrage der Verteidigung: „Wann ist er denn aus Afrika zurück?“ eine gezielte Geschmacklosigkeit von Anwalt Hauschild war, lässt sich nur vermuten. (Mit dem Satz der VGF-Kontrolleurin: „Wir sind hier nicht in Afrika“ nahm das Geschehen um die eskalierte Personenüberprüfung im Oktober 2012 seinen Lauf: KLICK).

Die Krankenschwester, die das Opfer betreute, bestätigt Wevelsieps Glaubwürdigkeit. Sie habe ihn erregt und geschockt vom Verhalten der Polizisten erlebt, seine Schmerzen seien offensichtlich gewesen. In diesem Zusammenhang verlas Richterin Menhofer-Woitaschek das Aufnahme-Protokoll des Katharinen-Krankenhauses, aus dem hervorgeht, dass Wevelsiep seinen Siemens-Betriebsausweis an diesem Abend dabei hatte. Somit ist nach diesem Verhandlungstag vor allem eins erschüttert: Die Glaubwürdigkeit Frankfurter Polizisten.

Dass der wegen der Prügelattacke verurteilte Polizist Matthew S. seit dem Vorfall keine Beförderung mehr erhielt, wie er am Ende des Prozesstages in der Würdigung seiner persönlichen Situation beklagte, scheint mir dagegen mehr als einsichtig: Als Konsequenz eines Polizeieinsatzes wie am 17. Oktober 2012 wäre doch eine Abmahnung für alle beteiligten Beamten angemessener.

Das Verfahren wird am 31.5. um 9:30 fortgesetzt: Aussagen werden bei diesem letzten Termin Derege Wevelsiep und ein Sachverständiger.

Alle Artikel zum Fall hier: KLICK

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