Bloggen für das Klima – #COP21Paris Blogchallenge

„Klimaschutz geht alle an – auch den Bundesverkehrsminister“ (Stephan Kühn, Bundestagssitzung am 27.11.2015 zum Verkehrshaushalt 2016)

Autofreies Leben ist nichts für frierende Fußlahme. Gestern Abend hatte ich eine Verabredung in einer nur drei Kilometer entfernten Kleinstadt. Weil der Zubringer-Bus zur Station der S-Bahn, mit der man in zwei Minuten sein Ziel erreicht, am Wochenende so getaktet ist, dass der Fahrgast 20 Minuten am Gleis warten muss (und länger, da in der Regel die S6 Verspätung hat) lief ich die 1,5 Kilometer über mäßig beleuchtete und zugige Felder zum S-Bahnhalt, um am Ziel angekommen wegen ebenso mäßiger Bus-Anbindung nochmal 1,5 Kilometer zum Lokal zu laufen.

Vergleicht man diesen „Service“ mit der Situation in den nur wenige Kilometer entfernten Gemeinden der Wetterau sind wir in den Frankfurter Dörfern noch luxuriös ausgestattet. Dort fährt der Bus nur stündlich zum nächsten Bahnhof, um von Samstag 17 Uhr bis Montag Morgen den Betrieb ganz einzustellen.

Warum sich dagegen keiner wehrt, ist mir schleierhaft. Generell ist frustrierend, wie gering das Bewusstsein für umweltfreundliche Mobilität (wieder) ist. Keiner schämt sich mehr mit dem Jeep durch die Stadt zu fahren und über fehlende Parkplätze zu jammern. Die Egofraktion – die zumindest im Mittelstand die Majorität bildet – will’s bequem und warm haben. Zwei Autos braucht die moderne Kleinfamilie und der Kamin im Einfamilienhaus tut sein Übriges, um das Klima zu versauen.

Am Freitag wurde in Berlin der Bundeshaushalt beschlossen, den Stephan Kühn von Bündnis90/ Die Grünen bei der Parlamentsdebatte ein „verkehrspolitisches Armutszeugnis“ nannte. Kühn monierte, dass zusätzliche Ausgaben des Verkehrsministeriums fast ausschließlich in die Straße investiert würden. Anstatt die umweltpolitische Bahn attraktiver zu machen, stiegen die Kosten für den Güterverkehr auf der Schiene, während gleichzeitig die LKW-Maut-Sätze sänken. „Mit dieser Verkehrspolitik wird Deutschland seine Klimaschutzziele nicht erreichen“, schloss Kühn seine Rede. Im Entschließungsantrag der Grünen heißt es:

„Vor der UN-Klimakonferenz in Paris zeigt sich im Verkehrssektor Deutschlands ein alarmierendes Bild: Rund 20 Prozent der energiebedingten Treibhausgasemissionen gehen auf den Verkehr zurück. Während alle übrigen Sektoren die CO2-Emissionen mehr oder weniger stark reduziert haben, sind diese im Verkehrssektor sogar weiter angestiegen. (…)
Die Verkehrspolitik der Großen Koalition hat dafür keinen Kompass. Vielmehr wandelt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt ziellos auf den alten ausgetretenen Pfaden seiner Vorgänger. Hier halbherzige Elektromobilitätsförderung, dort ein bisschen Bahnausbau, aber vor allem mehr Geld für neue Straßen. Diese Verkehrspolitik ist zukunftsvergessen und führt dazu, dass die selbstgesteckten Ziele beim Klimaschutz gerissen werden. Selbst der eigene Nachhaltigkeitsbeirat der Bundesregierung moniert das unzureichende Tempo beim Klimaschutz im Verkehr.“

Mit einem Sonderzug reiste gestern Umweltministerin Barbara Hendricks zum Klimaschutzgipfel. In Frankfurt kam es zu einem unfreiwilligen Aufenthalt, weil der Zug von „einer Gruppe radikaler Klimaaktivisten“ aufgehalten wurde, die gegen das „Spektakel eines vorgetäuschten Klimaschutzes“ demonstrierten (Näheres in der ZEIT).

Was kann man noch tun, um das Bewusstsein zu stärken, dass Klimaschutz uns alle angeht? Bloggen! Da wegen der Terroranschläge in Paris Versammmlungen und Protestmärsche verboten sind, haben engagierte BloggerInnen dazu aufgerufen, die Proteste ins Netz zu verlagern:

„Liebe Blogger, Aktivisten, Bürger und Journalisten – wir Energieblogger wollen, dass die Klimakonferenz nicht im Schatten der Terroranschläge untergeht und die Lobbyisten so ein leichtes Spiel haben, nötige Maßnahmen zu verhindern. Die Welt muss von der Klimakonferenz sprechen, nicht von den Anschlägen. Auch die entsandten Diplomaten brauchen Rückendeckung aus der Bevölkerung.

Macht mit bei der COP 21 Blogchallenge!“

Alle Infos hier: 2015paris.de

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Ein Gedanke zu “Bloggen für das Klima – #COP21Paris Blogchallenge

  1. Roger Weil 31. Dezember 2015 / 16:44

    Volle Zustimmung! Leider sind die Akteure in den politischen Parteien zu feige, sich mit den Jeep-fahrenden Ego-Mittelständlern anzulegen. Mit City-Maut und einer deutlichen Anhebung der Parkgebühren könnte ein kundenfreundlicher ÖPNV finanziert werden. Man muss es nur wollen.

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