Eine Frankfurter Karriere

Jahrelang war er ein Liebling der Frankfurter Presse: Wenn Ardi Goldmann sich zu Wort meldete, wurde der Griffel gespitzt. Ob es um die Druckräume im Bahnhofsviertel ging („Die Drogenszene schadet den Hotels“ – Ardi Goldmann plädiert für Räumung der Druckräume) oder um Michael Quasts Fliegende Volksbühne („Frankfurt ist eine Kackstadt“), Ardi Goldmann musste keinen Leserbrief schreiben, wenn ihm etwas in seiner Stadt nicht passte. Es genügte ein Anruf in der Redaktion.

Dabei hat Goldmann kein Amt und kein Mandat. Er hat einfach nur ein Vermögen geerbt und irgendwann angefangen, in Immobilien zu investieren. Aber weil das zu profan klingt, fanden die über ihn schreibenden Journalisten bessere Beschreibungen: „König des Ostends“ oder „Pionier und Paradiesvogel“.

Inzwischen wird „Frankfurts schillerndster Immobilienmakler“ aus anderem Grund häufig in der Zeitung erwähnt: Er spielt eine nicht unerhebliche Rolle im Korruptionsskandal beim Ausbau des Frankfurter Flughafens. Am Montag hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt drei Jahre Haft für Ardi Goldman wegen „gewerbsmäßiger Bestechung im geschäftlichen Verkehr“ gefordert.

Ich bin gespannt, welche kreativen Konzepte Goldmann – der sich auch als „Stadtteilregisseur“ sieht – in Zukunft entwickelt. Einen Loftraum kann man die Haftzelle sicher nicht nennen, die ihm laut Frankfurter Rundschau droht. (Weiterlesen in der FR vom 2.11.2015).

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9 Gedanken zu “Eine Frankfurter Karriere

  1. LOB 3. November 2015 / 18:58

    Ich muss an Faßbenders Stück denken – Der Müll und die Stadt, wieso eigentlich nur?

    • Carmen 3. November 2015 / 19:10

      Die Assoziation ist naheliegend:

      „Viele Juden, die in Frankfurt hängenblieben, stiegen später ins Immobiliengeschäft ein. Ignatz Bubis gehört dazu – als Präsident des Zentralrats der Juden Prototyp der Frankfurter Juden nach 1945: Vom Schmuck- und Edelmetallhandel war er in den Immobiliensektor gewechselt. Auch Moses Korn, der Vater von Salomon Korn (heute Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt), war erfolgreicher Immobilienkaufmann.

      Warum zog es so viele ins Häusergeschäft?

      Warum es so viele von ihnen in das Häusergeschäft zog? Ein Beruf als Angestellter kam nicht in Frage, denn dafür brauchte man eine Ausbildung mit Schein und Zertifikat.“

      Weiterlesen in der FAZ: : http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/menschen-wirtschaft/erfolgreiche-juden-sie-gaben-frankfurt-sein-gesicht-12545500.html

      • LOB 4. November 2015 / 13:25

        Danke für den Lesetipp, und wieder einmal kann ich sagen, was hat der Einstieg in Immobiliengeschäft mit dem religiösen Bekenntnis zu tun – es werde wohl mehr Christen zur gleichen Zeit Immobilienmakler geworden sein, allein des demokrafischen Faktors wegen. Immobilien zu bewirtschaften ist kein Bekenntnis, ist nur eine Tätigkeit, ein Verhalten – Es hat mich an Faßbender Stück gestört, dass er auf der Judenschiene herum geritten ist – Ich nenne das judenfeindlich – Bubis war sicher als Unternehmer kein Waisenkind, wird er auch nicht sein dürfen, wenn er in dieser Branche bestehen wollte.
        Es gibt auch Mormonen die erfolgreiche Immobilienmakler geworden sind, gerade denen ist der wirtschaftliche Erfolg ein Zeichen göttlicher Gnade und Zugewandtheit, mehr noch las im Judentum.

        • Carmen 4. November 2015 / 14:03

          Ich habe in meinem Artikel die Religionszugehörigkeit von Goldmann nicht erwähnt und wegen der Befürchtung des Antisemitismus-Vorwurfs auch nicht mit der gleichen Selbstverständlichkeit auf die Jüdische Allgemeine verlinkt wie ich auf die FNP oder die FAZ verlinke, obwohl ich bei meiner Recherche dort auch einen interessanten Artikel gefunden hatte. Ich tat das nicht, weil ich genau diese Diskussion hier vermeiden wollte.

          Das Goldmann Jude ist, ist erst durch die Erwähnung des Fassbinder-Stücks im Kommentar thematisiert worden. Auf diesen Kommentar wollte ich reagieren, ohne in den Verdacht des Antisemitismus zu geraten – ich hatte gehofft, dies sei mir durch die Verlinkung auf Rainer Hanks Artikel gelungen.

  2. Schwarzesocke 4. November 2015 / 19:11

    Den Beitrag verstehe ich nicht ganz. Wenn Herr Goldmann gute Pressearbeit gemacht hat, was ist dagegen zu sagen? Das steht doch wohl hoffentlich jedem zu oder braucht man dazu jetzt „Amt oder Mandat“?

    • Carmen 4. November 2015 / 20:57

      Ja, lasst uns alle Pressemitteilungen an die FAZ schicken!

      Zu ganz unterschiedlichen Themen gehört zu werden und ausführlich in der Tagespresse zitiert zu werden, setzt normalerweise zumindest in der Qualitätspresse schon voraus, dass man als seriöse, fachkundige oder relevante Stimme eingeschätzt wird.

  3. Schwarzsocke 4. November 2015 / 23:18

    Wenn Varieté-Unternehmer Klinke einen Pups lässt rauscht der Blätterwald auch. Ist dagegen was zu sagen?

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