Buchmesse 2015: Fazit

So viele Interviews, Lesungen, Diskussionen, so viele Anregungen, Widersprüche, Assoziationen – die Frankfurter Buchmesse war auch dieses Jahr wieder eine Bereicherung:

Herfried Münkler, der über die heroischen und postheroischen Gesellschaften sprach. Wie es den Nazis gelang, Teile der Gesellschaft zur heroischen Gemeinschaft zu schmieden, die bereit ist, für die gemeinsamen Ziele zu sterben. Mir fällt die Rede von Jutta Ditfurth ein, mit der sie am 31.3.2012 am Frankfurter Hauptbahnhof die „Träger_innen der sozialen Revolution“ zu einer Kampfeinheit schmieden wollte. Diese Helden sind dann losgezogen und haben in der Frankfurter Innenstadt die Scheiben von Brautgeschäften eingeworfen.

Zum Glück leben wir trotz solch marginaler Ereignisse längst in der postheroischen Gesellschaft, die sich nach Münkler durch eine „labile Kollektivpsyche“ auszeichnet. Labil wie der beleidigte Mittelständler, der sich mit Pegida und AFD gemein macht – und jetzt schon mit dem Messer auf eine Oberbürgermeisterkandidatin losgeht, denke ich.

Was aber tun, wenn keiner unsere freie Gesellschaft verteidigen will? Sind wir in der Lage Terroranschläge wie tödliche Autounfälle zu betrachten, die wir ja auch mit „mürrischer Indifferenz“ hinnehmen, fragt Münkler. Antworten finden sich sicher in seinem neuen Buch.

„Darf ein Friedenspreisträger zur Gewalt aufrufen?“, fragte heute Navid Kermani in der Frankfurter Paulskirche. (Lesen!) Was für ein großer Denker. Wie klein dagegen einer, der in seinem Buch nachweisen will, dass Mohammed eine gekränkte Persönlichkeit mit narzistischen Störungen gewesen sei. Der Spitzenkandidat der AFD bei der Frankfurter Kommunalwahl 2016 folgte der Lesung beim Droemer-Verlag mit Interesse – der sogenannte Islamkritiker Abdel-Samad schätzt offenbar dieses Umfeld (siehe diesen Artikel auf Spiegel online).

Mein nächstes Buch wird „Die schwarze Republik und das Versagen der deutschen Linken“ von Albrecht von Lucke sein. Schon nach wenigen Sätzen hätte ich gern mitgemischt, aber Publikumsbeteiligung war bei der Buchvorstellung nicht vorgesehen. Deshalb demnächst mehr auf dieser Seite.

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