Fluglärmgegnerin Ursula Fechter auf SPD-Liste

„Wer im Alter nicht die Oma- bzw. Oparolle einnehmen will, kann immer noch Stadtverordneter der SPD in Frankfurt werden“ – Dieser ein bisschen fiese Gedanke kam mir in den Sinn, als ich gestern las, dass Ursula Fechter als „Unabhängige“ auf der SPD-Liste für die nächste Kommunalwahl kandidieren soll. Ursula Fechter ist aktive Fluglärmgegnerin, war einige Jahre „ehrenamtliche“ Stadträtin (Aufwandsentschädigung ca. 1.000 Euro im Monat) in Frankfurt und ist verantwortlich dafür, das Dr. Dr. Rainer Rahn Spitzenkandidat der FAG im Römer wurde, wo er das Projekt Bürgerliste gegen den Flughafenausbau grandios in den Sand setzte. (Alle Blog-Artikel dazu hier: KLICK)

Der zunehmende Bedeutungsverlust ist neben den körperlichen Verschleißerscheinungen das Schwierige am Älterwerden. Mütter und Väter v.a. von Einzelkindern kennen das: In 13 Jahren vom wichtigsten Menschen, der für den Nachwuchs sein Leben auf den Kopf stellt, zum peinlichen Wesen, das an der U-Bahnhaltestelle ignoriert wird, wenn gerade die Peergroup um einen herum steht – dies auszuhalten, gehört auch zur gelingenden Elternschaft und ist eine gute Vorbereitung für das, was einen im Alter erwartet. Nämlich: Mit dem Verlust von Attraktivität und beruflichem Status wird auch das Interesse der Mitmenschen an der eigenen Person geringer. Das mag bedauerlich sein, hat aber auch das Potential für neue Freiheiten.

Der Frage, wie man den letzten Lebensabschnitt gestaltet, kann man aber auch aus dem Weg gehen, in dem man sich ein politisches Amt sucht. Die alten Herren der AFD, Olaf Henkel und Albrecht Glaser, sind treffliche Beispiele hierfür. Bezahlt wird das Engagement in der Währung des Medieninteresses und damit dem Gefühl der eigenen Bedeutsamkeit.

Mit 71 Jahren als Nicht-Mitglied auf der Liste der SPD zu kandidieren, ist mutig von Frau Fechter und nach der peinlichen OB-Kandidatur ein weiterer Versuch, Mitglied der gehobenen Stadtgesellschaft zu bleiben.

Für engagierte SPD-Mitglieder, die seit vielen Jahren ehrenamtlich (und hier stimmt der Ausdruck) tätig sind, als Kinderbeauftragte, Ortsbeiräte, Sozialpfleger, ist das Vorgehen der Frankfurter SPD, Frau Fechter einen sicheren Listenplatz zu versprechen, ein Schlag ins Gesicht. Und ob die WählerInnen das honorieren, darf bezweifelt werden.

Dass Flughafenausbaugegner sich ausgerechnet der Pro-Ausbau-Partei SPD zuwenden, gab es übrigens schon bei der Landtagswahl 2013 und war damals genauso unverständlich: KLICK

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5 Gedanken zu “Fluglärmgegnerin Ursula Fechter auf SPD-Liste

  1. Andreas 15. Juli 2015 / 10:01

    „Siechmahr“ Gabriel

    das gefühlte Alter sagt oft mehr aus, als das physische …

  2. LOB 17. Juli 2015 / 08:01

    Bissig, ein seltener Tonfall – gibt es auch sachliche Gründe die für sie sprechen, irgendwelche Kompetenzen, die diesen Listenplatz rechtfertigen?

    • Carmen 17. Juli 2015 / 13:49

      Diesen Ton in mir zum Klingen zu bringen, gelingt in der Tat nur sehr wenigen Menschen.

      Wie heute in der FAZ zu lesen war, geht es gar nicht darum, dass Frau Fechter als Mitglied der Stadtverordnetenversammlung für die SPD parlamentarische Initiativen entwickelt oder Reden im Plenum hält, vielmehr soll sie als ehrenamtliche Stadträtin in den Magistrat entsendet werden – als Oberbürgermeister Feldmanns „potentielle Verbündete“ gegen eine „ihm feindlich gesinnte Mehrheit“. Stellt sich die Frage, warum diese Rolle nicht eine der kompetenten Genossinnen aus dem Frankfurter Süden einnehmen kann?

      PR statt Politik urteilen die hessischen Grünen zu Recht:

      „Die SPD ist gemeinsam mit den anderen Ausbaubefürwortern für die (Flughafen-)Erweiterung und deren Folgen verantwortlich. (…) Aber eine Partei, die sich nur verbal für mehr Lärmschutz einsetzt, mit einem so durchsichtigen PR-Manöver zu unterstützen, ist politisch unredlich. Es passt allerdings zur Karriere anderer ehemaliger Stadtverordneter der Flughafen-Ausbau-Gegner wie der von Rainer Rahn, der erst zur vehementesten Ausbaupartei FDP wechselte und später Mitglied der rechtspopulistischen AfD wurde.“ (Link zu GRÜNE Hessen)

  3. Kukident 17. Juli 2015 / 16:12

    Schön, wie Sie das Älterwerden beschreiben. Aber gerade deshalb. Man sollte Menschen nicht ausschließen, nur weil sie alt sind. Solange jemand noch fit ist – wieso nicht aktiv bleiben und sich weiter einbringen? (Gegen die Kandidatur der Dame auf der SPD-Liste läßt sich auch so genug sagen.)

    • Carmen 17. Juli 2015 / 16:50

      Absolute Zustimmung. Gegen aktive ältere Stadtverordnete, die von Ihren Parteifreunden wegen ihres Engagements auf einen Listenplatz gewählt werden, gibt es keine Einwände. Geschmäckle hat der PR-Coup weil hier zwei Seiten meinen, sie hätten einen Nutzen, der demokratisch und politisch nicht zu erzielen wäre: Die SPD glaubt, den Bürgerinitiativen gegen den Ausbau den Wind aus den Segeln zu nehmen und die Designierte bekommt dafür wieder ein honorables Amt.

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