Krähen

„Guck mal, der Dicke da liegt seit Stunden faul aufm Sessel“. – „Und jetzt kriegt er auch noch den Pelz gekrault“ – „Kannst du dir so ein Leben vorstellen?“ – „Nee, das ist doch stinklangweilig!“

Sie sitzen hoch oben in Nachbars Tannenbaum und schwatzen, eine besonders große Krähe hockt auf dem Dachsims und nickt rüber zu uns. Der auf dem Sessel zusammengerollte Kater knurrt leise zu den despektierlichen Kommentaren der schwarzen Vögel.

Seit ich Cord Riechelmanns Buch über Krähen gelesen habe, fühle ich mich beobachtet, wenn ich auf dem Balkon sitze. Es sind vor allem Kolkraben und Elstern, die sich in unserer Gegend niedergelassen haben.

Vor Jahren sorgte der Fall einer rachsüchtigen Krähenfamilie in Frankfurt für Aufregung in den heimischen Tageszeitungen. Ähnliche Geschichten hört man aus allen Großstädten, wohin die Rabenvögel aufgrund schlechter Erfahrungen mit dem ländlichen Jägervolk ihren Lebensraum verlegt haben.

Meine Sympathie für Krähen und Raben wurde bisher von keiner Kenntnis getrübt. Das hat sich nach der Lektüre des bezaubernden Bändchens geändert. Fand ich davor Eichelhäher einfach nur schön, weiß ich jetzt auch einen Grund für meine Vorliebe für diese Vogelart:

„Eichelhäher leben paarweise in Brutrevieren oder als Einzelgänger. In den Paaren sind die Männchen in der Lage, die aktuellen Futtervorlieben der Weibchen zu ermitteln, ohne dass die Weibchen ihnen ihre Laune mitgeteilt hätten. Die Männchen erleben ihre Partnerin als Wesen mit einem eigenen inneren Leben mit wechselnden Stimmungen.“

Einfühlsam, intelligent, erfindungsreich und verspielt sind die Vögel aus der Familie der Corvidae – und sie trinken gelegentlich einen über den Durst, wie diese Radierung von Bodo W. Klös beweist:

„Am Dienstag war mein Rabe blau“ (Bodo W. Klös)

„Krähen“ von Cord Riechelmann ist in der von Judith Schalansky herausgegebenen Reihe „Naturkunden“ bei Matthes und Seitz erschienen.

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2 Gedanken zu “Krähen

  1. freiedenkerin 7. Juni 2015 / 19:03

    Ach, was für ein interessantes Buch! Ich finde Krähen faszinierend, und beobachte sie ausgesprochen gerne.

    • Carmen 7. Juni 2015 / 19:47

      Es ist auch eine sehr liebevoll gestaltete Ausgabe – ein Buch, das man nicht mehr hergeben will.

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