Komfort geht vor: Kanufahrten auf der Nidda (aktualisiert)

Umwelt erleben? Ja  - aber Komfort geht vor!
Umwelt erleben? Ja – aber Komfort geht vor!

Für die Generation Dauernuckler mit der 20 Jahre Garantie aufs Mama-Taxi gibt es in Frankfurt ein besonderes Angebot: Kanufahrten auf der Nidda, komfortabler Einstieg in Frankfurt-Harheim. Der Bus mit den Kanus fährt direkt auf die vor einigen Jahren vom Grünflächenamt teuer sanierte Grünfläche, dort wo der Eschbach in die Nidda mündet. Der Weg dorthin ist eigentlich für Autofahrer gesperrt, nur der Minibus der Linie 25 zur S-Bahn-Haltestelle Berkersheim fährt hier. Auf die Idee vom Weg ab in die Grünfläche zu fahren und dort sein schweres Gerät zu parken, ist außer den angeblichen Naturfreunden noch keiner gekommen.

Nur Hundert Meter weiter stehen ausreichend Parkplätze zur Verfügung und der kurze Weg wäre als Aufwärmtraining für die Kanufahrer bestens geeignet. Aber die Anbieter der Nidda-Kanufahrten, das Unternehmen „Kanu Schalles“ und der Verein „Umweltlernen e.V.“ wollen ihren Kunden keinen Fußweg zumuten und befahren lieber eine Grünfläche im Naherholungsgebiet. Ob sie dafür eine Ausnahmegenehmigung für das Befahren des Fuß- und Radweges habe, ist mir nicht bekannt.

Der Verein Umweltlernen, der als zertifizierter Bildungsträger für nachhaltige Entwicklung vom Land Hessen und der Stadt Frankfurt finanziert wird, wirbt damit, „Schulen und Kindertageseinrichtungen bei Umweltbildungsprojekten zu unterstützen und sich dabei am Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung zu orientieren“.

Schade, dass bei der Umsetzung des Konzepts die Grundlage der Nachhaltigkeit unter den Tisch fällt: Umweltbildung fängt mit der Erkenntnis der eigenen Verantwortung an und die ist nicht immer komfortabel.

Nachtrag vom 16.6.2015:

Inzwischen habe ich beim zuständigen Amt nachgefragt, derweil geht das Rasen-parken aber munter weiter:

Gestern hat die Naturschule Hessen ein Paddel-Event für größere Kinder organisiert und ist wieder – Komfort geht vor Natur – mit dem Bus auf die inzwischen ziemlich lädierte Grünfläche gefahren. Zum Paddeln wurden schwarze Gummireifen benutzt, die man ohne Probleme die Hundert Meter vom Parkplatz hätte tragen können.

Sind das moderne Methoden, den nur ans Handy-Daddeln gewohnten Nachwuchs in die Natur zu locken?

Nachtrag vom 02.07.2016:

Das Grünflächenamt hat jetzt, ein Jahr nach meiner Anfrage und diesem Artikel, reagiert. Das ist sehr erfreulich und auch schön anzusehen:

So einfach ist es, den Grünflächen-Parkern ein Ende zu setzen.
So einfach ist es, den Grünflächen-Parkern ein Ende zu setzen.
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3 Gedanken zu “Komfort geht vor: Kanufahrten auf der Nidda (aktualisiert)

  1. freiedenkerin 24. Mai 2015 / 18:11

    Hundert Meter zu Fuß gehen? Da verlangst du aber schon ganz schön viel von den Dauernucklern. 😉

  2. LOB 16. Juni 2015 / 08:53

    aber zertifiziert… Wen kümmert’s, ob nun an der Nidda und in Elmau – wenn es dem Business nützt darf der zertifizierte Hotelier oder Bildungsträger, in Ausübung seiner zertifizierten Leistung all seine Fürsorglichkeit – customer care – ausleben.

  3. Carmen 14. Juni 2017 / 10:55

    Man glaubt nicht wie dreist Autofahrer sind: Gestern fuhr ein Konvoi von sieben oder acht BMWs und Audis auf den Weg – weil die Grünfläche jetzt durch Grenzsteine geschützt ist, stellten sich die Papis halt direkt auf die schmale Straße, damit die kleinen Bälger sich beim „Natur erleben“ nicht anstrengen müssen. Der Linienbus zur S-Bahn-Haltestelle kam nicht an Papis bestem Stück vorbei.

    Als ich ausstieg und dem Mann im letzten Wagen zurief, er solle schleunigst wegfahren, damit die Leute ihre S-Bahn bekommen schaute er mich ratlos an: Aber wohin denn, hier ist doch gar kein Platz. Ja, deshalb ist hier auch für Autos verboten, Sie Autofahrer, Sie intelligenter.

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