8 von 10 Pendlern fahren mit dem Auto nach Frankfurt

336 050 Menschen pendeln jeden Tag nach Frankfurt zu ihrem Arbeitsplatz, davon fahren nur 20 Prozent mit Bus und Bahn, 80 Prozent fahren mit dem Auto. Der Anteil des Bus- und Bahnverkehrs ist damit im Vergleich zu anderen Städten viel zu gering – obwohl in Frankfurt seit fast zehn Jahren das Verkehrsdezernat von Politikern der Grünen geleitet wird.

Zwar finden regelmäßig Mobilitätsforen in Frankfurt statt, in denen zukunftsfähige Ideen vorgetragen werden – aber dabei bleibt es auch. Die Tatsachen, dass Autoverkehr umweltschädlich und gefährlich ist und durch die Bereitstellung von Parkplätzen den Städten große Flächen des öffentlichen Raums entzogen werden, bewirken nichts gegen die Bequemlichkeit und Autovernarrtheit der meisten Menschen. Die von der SPD eingeführte Auto-Abwrackprämie vor einigen Jahren war das denkbar falscheste Signal für eine verantwortungsvolle Verkehrspolitik. „Wer die Automobilindustrie päppelt (und dann auch noch mit so unsinnigen Maßnahmen wie die Verschrottungsprämie), gibt für Überlebtes Geld aus, das für die Gestaltung einer besseren Zukunft nicht mehr verfügbar ist”, urteilt David Precht über diese Maßnahme.

Mütter, die mit dem SUV zum Biobauernhof fahren, sind in Frankfurt keine Seltenheit – dass die Brummer die CO2-Emmissionsziele torpedieren und damit die Zukunft der nachwachsenden Generation mehr beeinträchtigen als der Genuss einer konventionell angebauten Möhre, dieser Gedanke wird verdrängt.

Aufgeregt wird sich heute lieber über den europaweiten Blitzermarathon. Autofahrer, die mit Rasen andere Menschen gefährden und nicht selten töten, werden in den meisten Medien verniedlichend zum „Temposünder“ erklärt und selbst die Frankfurter Rundschau lässt einen Kommentator heute die Veröffentlichung der Blitzer-Standorte verteidigen – damit der Autofahrer weiß, wo er mal kurz den Fuß vom Gaspedal nehmen muss.

Verantwortliche Verkehrspolitik setzt auf öffentliche Verkehrsmittel und forciert deren Ausbau (z.B. der Main-Weser-Bahn). Um es mit den Worten von Jürgen Lerch vom Fahrgastverband Pro Bahn & Bus zu sagen:

„In den vergangenen 50 Jahren hat die Bahninfrastruktur an vielen Stellen nicht mit den zunehmenden Zugzahlen Schritt gehalten. Viele Strecken und Bahnhöfe sind überlastet. Während im Straßenbereich zahlreiche Autobahnen und Umgehungsstraßen entstanden, hinkt die Bahn hinterher. Wir brauchen auch hier den Ausbau. Schließlich ist die Bahn das umweltfreundlichste Verkehrsmittel“.

8 Gedanken zu “8 von 10 Pendlern fahren mit dem Auto nach Frankfurt

  1. LOB 16. April 2015 / 11:39

    was mich wurmt ist, dass der RMV mit den 20% restlos überfordert ist, die Ticketpreise regelmäßig erhöht, ohne das eigene Leistungsspektrum zu verbessern, wie z.B. die Taktung zu verbessern – die Bahnen sind voll, aber das ist ja auch schon gesagt worden –

    • Carmen 17. April 2015 / 12:02

      Und wenn schon mal eine Verbesserung geplant ist, gründet sich garantiert eine Bürgerinitiative, die die Umsetzung verhindert…

  2. albatros 17. April 2015 / 00:40

    Heute fahren nicht weniger Bahnen als vor ein paar Jahren, aber sie sind sehr viel besser ausgelastet. Nur: Das war vor fünf Jahren in Freiburg schon lange der Fall, wo sie ein übertragbares Zeit-Ticket eingeführt hatten. Auch das war grüne Verkehrspolitik. Chapeau! Bei uns sind die Bahnen immer noch viel zu teuer. Wenn ich für eine Fahrt vom Neu-Isenburger Bahnhof an die Ostendstraße 8,85 Euro zahlen muß, ist das schlicht zuviel, gerade wenn ich mehrmals in der Woche fahren will oder muß. Eine Wochenkarte lohnt sich erst ab vier oder fünf Fahrten. Wenn ich also noch ein Auto hätte, käme ich natürlich auch ins Nachdenken und würde wahrscheinlich eher fürs Parken zahlen als mit einer Bahn zu fahren, die gerade in den letzten Wochen immer häufiger verspätet ist oder ganz ausfällt. Ein Bekannter fuhr gerade mit dem Auto zum Städel, Parkplätze gabs am frühen Abend umsonst direkt vor dem Haus. Auch wenn die S-Bahnen jetzt endlich alle modernisiert worden sind.

    • Carmen 17. April 2015 / 11:56

      Hallo Jürgen, lies mal was der RMV-Chef dazu im September 2014 gesagt hat:

      „Als eines der wichtigsten Projekte für die Zukunft bezeichnete Professor Knut Ringat die Reform des Tarifsystems, das auf das Gründungsjahr 1995 des RMV zurückgeht. Die enormen Preissprünge im Kreisgrenzen überschreitenden Verkehr soll es in Zukunft nicht mehr geben.“
      (zitiert aus dem Bericht von Pro Bahn Hessen über die Vorstellung des Nahverkehrsplans)

      Jetzt stellt sich nur die Frage, was Herr Ringat mit „Zukunft“ meint, in diesem Jahrzehnt?

      • albatros 17. April 2015 / 19:49

        Liebe Carmen, danke für den Link! Ach ja, die Zukunft: Die Zukunft ist heute. 🙂

        Ich glaube, wir haben zwei Probleme:

        Zum einen die Preisgestaltung – mittlerweile meine ich, der ÖPNV sollte freigegeben werden, keine Fahrpreise mehr, voll steuerfinanziert. Unter meinen Bekannten hat fast keiner mehr ein Auto, wir fahren doch heute schon fast alle mit Bus und Bahn.

        Zum anderen haben wir aber auch immer noch enorme stadtplanerische Hindernisse. Ein Beispiel: Neu-Isenburg plant derzeit ein neues Stadtviertel, das Stadtquartier Süd. Es liegt direkt an der ebenfalls in Planung befindlichen Regionaltangente West. Zum ersten Mal eine S-Bahn direkt in die Stadt hinein, der alte Güterbahnhof kann dafür genutzt werden. Forderung der Grünen: Da solle ein Busbahnhof hin. Die CDU-Mehrheit: Autoparkplätze plus Bushaltestelle. An den Mehrheiten wird sich so bald nichts ändern. Für den Bürgermeister wurde jetzt sogar das hessische Wahlrecht geändert, damit er in seinem Alter nochmal kandidieren kann…

        Beide Punkte werden Gesellschaft und Wirtschaft allgemein, aber auch ganz konkret die Verhältnisse in dem neuen Viertel von vornherein festlegen: Wer zieht da hin? Welche Unternehmen siedeln sich da an? Wie sieht „Verkehr“ dort aus? Und was bedeutet das für die Anwohner (Emissionen, Wohnklima, Umfeld/Stimmung…).

  3. freiedenkerin 17. April 2015 / 11:12

    Hier in Bayern nimmt die Zahl der SUVs erschreckend zu, inzwischen ist jedes 5. Auto ein solcher, nicht eben umweltfreundlicher, Brummer, und man geht davon aus, dass bis zum Jahresende sogar ein jeder vierte Wagen ein SUV sein wird… Ich nutze täglich den Öffentlichen Straßenverkehr, und habe den Eindruck, dass nicht unbedingt viel getan wird, um diesen für Autofahrer/innen schmackhaft zu machen: Ständig steigen die Preise, bei jedem Windhauch, jeder Schneeflocke oder Regentropfen kommt es zu Verspätungen, die Trambahnen sind teilweise noch aus den Sechzigern, weil angeblich kein Geld da ist, neue und moderne Garnituren zu kaufen etc…

    • Carmen 17. April 2015 / 12:10

      Dabei kann Trambahn fahren so toll sein: Man kann sich in Ruhe die Stadt ansehen und das Treiben auf den Straßen genießen. Die U-Bahn ist zwar schnell, aber an den U-Bahnsteigen in Frankfurt tümmeln sich die Mäuse und manchmal stinkt es wegen des Fettabscheiders (was immer das ist).

      Dass ausgerechnet der umweltbewusste Fahrgast, der Zeit zum Schauen hat, unter die Erde geschickt wird und der Umweltverpester die Sonne genießen kann, gehört sowieso geändert!

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