Deshalb: Ausbau der Main-Weser-Bahn

Morgen trifft sich im Bad Vilbeler Kurhaus die Bürgerinitiative Bahnane zu ihrer Vorstandssitzung. Wenn die Initiative, die sich lautstark und mit teils falschen Argumenten gegen den Ausbau der Main-Weser-Bahn stellt, Erfolg hätte, würde es an den S-Bahn-Haltestellen in Eschersheim, Berkersheim und Bad Vilbel Süd noch lange so aussehen:

Deswegen brauchen wir den Ausbau der Main-Weser-Bahn: Pünktlichkeit aller Züge und fahrgastfreundlichen Umbau der Haltestellen
Deswegen brauchen wir den Ausbau der Main-Weser-Bahn: Pünktlichkeit aller Züge und fahrgastfreundlichen Umbau der Haltestellen

Es fehlen Fotos des ebenfalls nicht barrierefreien S-Bahnhalts Frankfurter Berg mit seiner Schmuddelunterführung. Hierzu empfehle ich den Artikel in der Frankfurter Rundschau vom 13.3.2015.

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7 Gedanken zu “Deshalb: Ausbau der Main-Weser-Bahn

  1. Andreas Christopher 24. März 2015 / 21:29

    Ich möchte gerne einmal zu den Argumenten der Bürgerinitiative „Bahnane“ Stellung nehmen, die auch in einem Interview in der Frankfurter Rundschau vom 03.03.2015 wiedergegeben waren.

    Neubaustrecke nur für Schnellverkehr geeignet

    Es wird immer wieder argumentiert, dass eine Trasse entlang der Autobahn alle Probleme lösen könnte. Das stimmt so nicht. Eine Neubaustrecke entlang der A5 wäre aufgrund der starken Steigungen und Gefälle nur für den Schnellverkehr geeignet. Auf der Main-Weser-Bahn fährt momentan aber nur alle zwei Stunden ein IC-Zugpaar, welches für die Nutzung der Autobahntrasse in Frage käme. Der gesamte Regional-, S-Bahn- und Güterverkehr bliebe also auf der alten Trasse. Für das zweistündliche IC-Zugpaar eine neue Strecke zu bauen, wäre aber sehr teuer und würde keinen positiven Nutzen-Kosten-Faktor ergeben. Also wäre diese Strecke nicht förderfähig. Autobahnparallele Strecken sind nur im Flachland sinnvoll, wo auch der schnellere Regionalverkehr und der Güterverkehr profitieren könnten, oder da, wo es einen sehr starken Fernverkehr gibt, wie zwischen Frankfurt und Köln.

    Furcht vor zunehmendem Güterverkehr unbegründet

    Eines der Hauptargumente gegen den Ausbau der Main-Weser-Bahn ist auch stets der angeblich stark zunehmende Güterverkehr. Auch diese Befürchtung kann man einfach widerlegen. Denn die anschließenden Strecken nördlich von Gießen sind kaum für einen stärkeren Güterverkehr geeignet. Wenn die Strecke zur Entlastung der Rheinschiene dienen sollte, dann müsste der Verkehr entweder vom Ruhrgebiet über die Ruhr-Sieg-Strecke und Siegen nach Wetzlar auf die Main-Weser-Bahn geführt werden oder aber ab Köln und Siegburg über die Siegtalstrecke und Dillenburg nach Wetzlar laufen. Die Ruhr-Sieg-Strecke hat um Welchen Ennest starke Steigungen und Rampen mit 16 Promille. Schwere Güterzüge müssen hier stets nachgeschoben werden. Und die Strecke von Siegburg durch das Siegtal ist teilweise eingleisig und ebenfalls sehr kurvenreich und ebenfalls ohne massiven Ausbau nicht für den überregionalen Güterverkehr geeignet. Auch der Knoten Siegen oder alternativ die Strecke durch das Hellertal müsste für zusätzliche Verkehre stark ausgebaut werden. Das ist mit Sicherheit nicht in den nächsten 20 Jahren realisierbar.

    Der Bau zusätzlicher Gleise im Bereich Niederrad dient auch nicht dem Güterverkehr. Zur Erläuterung: Es gab mal ein Projekt „Frankfurt 21“, das ähnlich wie Stuttgart 21 den Wegfall des Frankfurter Hauptbahnhofs als Sackbahnhof für den Fernverkehr vorsah und einen Tunnel unter der Frankfurter Innenstadt einschloss, um den starken Fernverkehr mit Frankfurt als Drehkreuz mitten In Deutschland zu entzerren. Da dieses Projekt aber bekanntlich (und zum Glück) wieder fallen gelassen wurde, muss man die Verkehrsströme im Bereich Frankfurt auf andere Weise entzerren. Dies geschieht mit vielen kleineren Einzelmaßnahmen, wozu auch der Bau zweier zusätzlicher Gleise über den Main und bei Niederrad gehört. Der Güterverkehr wird dagegen schon seit langer Zeit und auch im Zukunft wenn möglich um Frankfurt herum geführt, nämlich vom Rheintal über Mainz-Bischofsheim und Groß Gerau nach Mannheim oder von Kassel über Aschaffenburg und Dieburg nach Darmstadt und weiter ebenfalls nach Mannheim oder Heidelberg.

    Ausweitung des Regionalverkehrs notwendig

    Der Ausbau der Main-Weser-Bahn dient also ausschließlich dem S-Bahn- und dem Regionalverkehr. Hier ist eine Ausweitung des Regionalverkehrs (RE-Züge) im Berufsverkehr geplant, welche ohne zusätzliche Gleise nicht möglich ist. Dass die Fahrpläne der „Bahnane“ noch nicht vorliegen, erklärt sich dadurch, dass diese Züge nicht sehr langfristig (also viele Jahre im Voraus) geplant werden. Aber es sind bei freien Kapazitäten zusätzliche Züge von Gießen bzw. aus der Wetterau (ab Friedberg) auf der Main-Weser-Bahn vorgesehen. Auch die S-Bahn soll zusätzlich zu den stabileren und kürzeren Fahrzeiten von dem Streckenausbau profitieren, indem gut ausgelastete Züge, die bisher in Karben enden, nach Friedberg durchgebunden werden sollen.

    Im Übrigen könnten schon jetzt zusätzliche Güterzüge über die Main-Weser-Bahn geführt werden, weil diese vorwiegend nachts verkehren. Und nachts gibt es auf der Main-Weser-Bahn schon jetzt freie Kapazitäten.

    Guter ÖPNV verringert Siedlungsdruck in Frankfurts Kernstadt

    Zusätzlicher Nebeneffekt eines guten Regionalverkehrs: Entlang der Main-Weser-Bahn werden zusätzliche Siedlungen entstehen, die den Siedlungsdruck in Frankfurts Kernstadt verringern und zu geringeren Mietpreisen beitragen könnten.

    Ein Argument der „Bahnane“ lasse ich aber uneingeschränkt gelten: Währen der Bauphase wird es für die Anwohner laut werden. Aber nach der Bauphase von maximal drei Jahren dürfte es wegen der geplanten Lärmschutzmaßnahmen leiser sein als jetzt an der Bestandsstrecke. Deshalb ein Appell an die Anwohner: Bitte nicht nach dem St. Floriansprinzip den Ausbau behindern. Die vielen Pendler aus Oberhessen werden es Ihnen danken.

    • Carmen 26. März 2015 / 15:29

      Vielen Dank für den ausführlichen und informativen Beitrag.

  2. PJ 10. Januar 2016 / 16:31

    Verstehe ich nicht. Es ist ein „falsches Argument“ zu glauben schmuddelige Unterführungen oder Barrierefreiheit sei nur mit einer Erweiterung Zu verbessern. Nicht dass ich gegen den Ausbau wäre, aber wir sollten genau so fair mit unseren Argumenten bleiben, wie wir es von der anderen Seite verlangen. Wir kennen doch die Wahrheit und die Andern kennen sie auch: es wird nichts investiert um die Gegenseite zu zwingen dem Ausbau zu zustimmen.
    Freundlichst

    • Carmen 10. Januar 2016 / 16:56

      Nein, da sind „wir“ ganz und gar nicht einer Meinung

  3. Jürgen Riedel 22. Februar 2017 / 08:08

    Tja, die Fakten sind aktuell anders. Auf der mittlerweile veröffentlichen Seite der DBNetz zum S6-Ausbau, spricht die Bahn selber von Zunahme des Güterverkehrs: https://www.s6-frankfurt-friedberg.de/gueterzugverkehr.html. Das bedeutet, nach dem Ausbau werden Tag UND NACHT mehr Güterzüge fahren, da sie durch die S6 nicht mehr behindert werden. Und ehrlich: 323Mio€ im ersten Bauabschnitt für 5 Minuten Zeitgewinn + mindestens 5 Jahre Baulärm (inklusive massive Verkehrsbehinderungen an den Lagerstellen der Bahn (Berkersheimer Weg und Homburger Landstraße), Unpünktlichkeiten und Ausfälle während der Bauzeit! Viele Befürworter werden dann vielleicht anders denken – leider zu spät!

    • Carmen 22. Februar 2017 / 08:24

      Sie fahren offensichtlich nicht mit der S-Bahn, sonst würden Sie das falsche Argument mit den 5 Minuten Zeitersparnis nicht nachplappern. Sie können sich aber gern im Blog weiter informieren: https://umamibuecher.wordpress.com/tag/4statt2/

      Und den Absatz auf der Bahnseite hätten Sie auch zu Ende lesen sollen: Ziel des Streckenausbaus ist nicht, mehr Platz für den Güterverkehr zu schaffen, sondern die Qualität im Personenverkehr zu verbessern. Un da warten wir umweltbewusste ÖPNV-NutzerInnen schon Jahrzehnte drauf.

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