„Nicht jeder muss nach Frankfurt ziehen“

titelt die Frankfurter Allgemeine heute im Lokalteil und zitiert damit den CDU-Politiker Jürgen Banzer. Derzeit wachse Frankfurt um jährlich 15.ooo Einwohner.

Dieser Zustrom ist aber nicht (allein) der Schönheit Frankfurts geschuldet. Bekanntermaßen ziehen Familien nach der Geburt ihrer Kinder nicht mehr aufs Land, sondern höchstens in dörflichere Stadtteile, wo sie auf eine gute Kinderbetreuung zurückgreifen können, ganz anders als zum Beispiel in der wenige Kilometer entfernten Stadt Bad Vilbel.

„Wir müssen dem Thema Mobilität ein starkes Gewicht in der Regionalpolitik geben, sonst zieht alles nach Frankfurt“, fordert Banzer. Dem stimme ich zu, die Frage ist aber, ob Banzer mit seinen Positionen die Landespolitik überzeugen kann. Viele Verkehrsinfrastruktur-Projekte wie z.B. der 4-gleisige Ausbau der S6 nach Friedberg, ziehen sich (v.a. wegen der Proteste von Anwohnern, die an die Bahngleise gezogen sind) seit Jahrzehnten hin, kürzlich wurde die Tunnelunterführung abgesagt.

Den Schienenverkehr weiter auszubauen und den Autoverkehr durch „Bepreisung“ zu reduzieren, halte ich für eine glänzende Idee, die in Deutschland leider nur Politiker fordern, die den Gipfel ihrer Karriere bereits hinter sich haben, wie der ehemalige Landesminister Banzer. Er kritisiert auch, dass die Planungen neuer Schienenverbindungen, die die Frankfurter Innenstadt entlasten sollen, viel zu langsam voran gehen.

Eine Bebauung derzeitiger Ackerflächen in Frankfurt, wie sie die SPD und Oberbürgermeister Peter Feldmann in einem Gebiet zwischen Nieder-Erlenbach und Nieder-Eschbach in die Diskussion einbrachten, sei angesichts der Tatsache, dass im Umland erst rund acht Prozent der Flächen, aus denen neue Wohngebiete werden könnten, entwickelt wurden, keine Option. „Denn mit der Bebauung beispielsweise von Äckern ginge nicht nur ein Stück Natur verloren, es entstünde im dichtbebauten Rhein-Main-Gebiet auch allmählich ein „einziger Siedlungsbrei“, zitiert die FAZ Jürgen Banzer.

Wir müssen auf die Zuwanderung ins Rhein-Main-Gebiet als Region vernünftige Antworten geben, sie als Chance sehen“. (Jürgen Banzer in der FAZ vom 29.12.2014: „Nicht jeder muss nach Frankfurt ziehen“)

„Vernünftige Antworten“ müssen aber auf alle Infrastruktur-Fragen gegeben werden. Wie also kann man eine Kommune wie Bad Vilbel dazu bewegen, mehr Hortplätze anzubieten? Ohne diese werden weiterhin Bad Vilbeler Bürger in den Frankfurter Norden ziehen. Die seit Jahrzehnten konservativ regierte Stadt könnte sich ein Beispiel an Bad Homburg nehmen, hier beträgt die Versorgungsquote rund 53 % in der Schulkindbetreuung. (Leider ist im Sommer in Bad Homburg die Koalition aus Grüne, SPD und zwei kleinen Fraktionen geplatzt, woran Jürgen Banzer offenbar erheblichen Anteil hat, siehe Artikel in der FR vom 16.7.2014)

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