Das Hedwig Woermann-Projekt

Meine Sommerreise führte mich in diesem Jahr auf die Halbinsel Fischland-Darß, wo ich mich nicht nur umgehend in die Landschaft verliebte (ich berichtete), sondern auch einige Galerien und Museen besuchte, in denen Bilder von Künstlerinnen aus der Künstlerkolonie Ahrenshoop ausgestellt waren.

Besonders berührte mich die Lebensgeschichte von Hedwig Woermann (verheiratet Jaenichen-Woermann). 1879 als Tochter des Reeders und Kolonialisten Adolph Woermann geboren, führte sie bis zum ersten Weltkrieg ein freies und selbstbestimmtes Leben, studierte in Paris, arbeitete in Rom und bereiste später mit ihrem Mann Johann Jaenichen Afrika, Asien und Südamerika. 1919 kaufte sie das Storchenhaus in Wustrow, wo sie ab 1936 dauerhaft lebten. 1945 beging sie mit ihrem Mann Suizid, aber Hedwig Woermann überlebte und blieb in der Fischland-Gemeinde Wustrow, wo sie 1960 verarmt starb.

Die Kultursoziologin Dr. Renate Billinger-Cromm, die selbst in Wustrow lebt, will jetzt die Künstlerin dem Vergessen entreißen und arbeitet an der Biographie von Hedwig Woermann, die Ende des Jahres erscheinen soll. Was fehle sei, „eine Publikation zum Leben und Werk der Künstlerin, in der ihre persönliche und kreative Einbindung in nationale und internationale Kunst- und Geistesprozesse sowie ihre letzten schwierigen Jahre in einer ihr fremden sozialistischen Welt aufgearbeitet wird“, schreibt Billinger-Cromm auf der Webseite über das „Hedwig Woermann Projekt“.

Ich bin sehr gespannt auf das Buch und werde darüber ausführlich berichten.

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4 Gedanken zu “Das Hedwig Woermann-Projekt

  1. Andreas Lichte 28. August 2014 / 21:04

    Ich hab ein neues Wort gelernt – bei wikipedia (aber natürlich nur durch deine Vermittlung):

    „In ihrer Jugend war sie als „Malweib“ in der Künstlerkolonie Worpswede Schülerin von Fritz Mackensen …“

  2. Carmen 28. August 2014 / 21:22

    Toll! Ein Idyll, das den Blick verengt – wie jedes Idyll?

  3. Andreas Lichte 28. August 2014 / 21:59

    ich habe das Bild von Christiane Pflug nicht als „Idyll“ gesehen … und schreibe der Freundin:

    „gefällt mir. sehr.

    dazu fällt mir dieser Film ein – bei dem ein Kind im Mittelpunkt steht – und den ich am Sonntag gesehen habe:

    ‘Fenster sind oder werden in einigen Schlüsselszenen geöffnet, den Ausgleich zwischen Natur und Kultur symbolisierend. In zwei wichtigen Szenen sind Fenster jedoch geschlossen und symbolisieren so die Distanz der dahinter stehenden Personen‘

    (…)“

    [der Film ist: „L’Enfant sauvage“ von Truffaut]

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