Deja vu

Küste im Fischland / Foto: Carmen Treulieb
Küste im Fischland / Foto: Carmen Treulieb

Ich wusste schon nach ein paar Minuten, dass dies mein eigentliches Zuhause ist. Die Straße, die über die Landzunge zu diesem Dorf an der Ostsee führte, kam mir sofort bekannt vor; das Reet gedeckte Haus, in dem wir die Dachwohnung gemietet hatten, war exakt so eingerichtet, wie ich mir schon vor Jahrzehnten in der Phantasie mein Traumhaus eingerichtet hatte. Helle Wände, wenige, aber warme Möbel. Ich kochte mir Tee, stellte mich ans Küchenfenster und plante mit Blick in Richtung Ostsee meine Zukunft in einem kleinen Haus am Meer.

Es dauerte ein paar Tage, bis ich aus meinem verliebten Wahn erwachte.

Ein Blick auf eine bekannte Immobilien-Webseite ergab, dass die Wohnpreise hier auf Münchner Niveau sind. Meine urlaubertypischen Kontakte mit der angestammten Bevölkerung – Tourist-Info-Mitarbeiterinnen, Bikini-Verkäuferinnen, Kirchturmbesichtigungskarten-Verkäuferinnen – zeigten aber gleichzeitig, dass sich die Freundlichkeit der Anwohner nur auf der unteren Frankfurter Skala (mit einigen leuchtenden Ausnahmen) bewegt.

Dann gestern abend das Deja Vu: Auf Arte lief der Film „Tod an der Ostsee“, der von einer Frankfurter Familie handelt, die in ihr Traumhaus in das idyllische Ostseedörfchen Bredesen zieht. Nach wenigen Szenen, in denen auch unsere Vermieterin als Bäckerkundin auftauchte, war mir klar, dass „Bredesen“ unser gerade wieder verlassener Urlaubsort ist und aus dem Traum ein Alptraum wird. Der Film ist nicht nur wegen der Landschaftsaufnahmen, sondern auch wegen der wunderbaren Schauspielerinnen, v.a. Bernadette Heerwagen, ein Genuss und noch einige Tage in der Arte-Mediathek zu sehen.

Worauf wollte ich noch mal hinaus? Ach so, ich bin wieder zuhaus und das Meer fehlt mir schrecklich…

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2 Gedanken zu “Deja vu

  1. Stephan Jaeger 23. August 2014 / 21:03

    Morbus Sylt nennt man das, mit prekären Ausbeuterjobs in der Tourismus
    Industrie.
    Vor kurzen habe ich eine Reportage im Kölner DLF gehört.
    Die Einheimischen ohne „Besitz“ sind weggezogen.

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