Bonameser Nordpark: Frankfurt wagt Wildnis, wo sich keiner wehrt

Bonames ist ein Stadtteil im Frankfurter Norden, der in den letzen Jahren immer wieder bundesweit Aufsehen erregt hat. Die als „U-Bahn-Schläger“ bekannt gewordenen männlichen Jugendlichen aus der Hochhaussiedlung von Bonames und dem angrenzenden Nieder-Eschbach hatten 2008 dafür gesorgt, dass der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch seinen Wahlkampf ganz auf das Thema Jugendkriminalität ausrichtete. (Was der CDU allerdings nicht bekam, sie verlor bei der Wahl 12 Prozent). Auch Anfang April diesen Jahres gab es Schlagzeilen aus dem Viertel: Es war in der Siedlung zu einer tödlichen Schießerei zwischen Anhängern der Rockerszene und Drogendealern gekommen. Trotzdem leben viele Menschen gerne in Bonames. Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann ist hier groß geworden und hat als junger Sozialarbeiter im Jugendhaus in Bonames gearbeitet.

Im Süden des Stadtteils befindet sich der alte Dorfkern von Bonames mit vielen Fachwerkhäusern. Nicht weit davon ist der Alte Flugplatz Bonames, auf dessen Wiesen selten Bewohner der Hochhaussiedlung anzutreffen sind, dafür aber viele Ausflügler aus Frankfurt, die hier ihren Latte Macchiato trinken. Östlich von diesem Gelände ist der Nordpark. Schon vor 10 Jahren, als wir bei einem Spaziergang dieses Gebiet entdeckten, hatte man den Eindruck, als kümmere sich die Stadt Frankfurt nicht um den hinteren Teil des 1968 angelegten Parks. Der vordere Teil des Nordparks, den man von der Straße aus sehen kann und auf dem sich Rasenflächen und der Sportplatz befinden, ist im Sommer gut besucht. Aber der wilde hintere Bereich, der früher von einem Grillplatz und einem Naturspielplatz mit bunten Marterpfählen begrenzt war und zum Altarm der Nidda führt, liegt brach und verkommt zusehends. Wer sich dennoch einen Weg durch das Grün bahnt, kommt zu einem Magic Place, der alten Holzbrücke, die über den Nidda-Altarm führt und auf der anderen Seite über einen geschwungenen Weg zum Spazierweg Am Storchenhain führt.

Karte Nordpark

Vor wenigen Tagen gab die Stadt bekannt, die Holzbrücke weise starke Fäulnisschäden im Holz auf und müsse sofort gesperrt werden: „Die Schäden sind derart gravierend und zahlreich, dass eine kurzfristige Wiederherstellung der Verkehrssicherheit nicht erreicht werden kann. Das Brückenbauwerk muss abgerissen werden. Eine verbindliche Aussage, wann eine neue Brücke errichtet werden kann, kann derzeit nicht getroffen werden“, heißt es auf der Webseite der Stadt. (Es passt zum offensichtlichen Desinteresse der Stadt, dass zur Meldung ein falsches Foto gezeigt wird. / Nachtrag: Das wurde inzwischen geändert, ich habe der Stadt erlaubt, mein Foto einzustellen)

Im Mai 2013 haben aber ein paar städtische Verantwortliche den Nordpark besucht, damals wurde nämlich die „welterste Sondermann-Statue“ im Nordpark Bonames platziert (Standort siehe rotes Quadrat in obiger Karte). Ein schönes Event mit den Satirikern der Zeitschrift TITANIC und einigen Pressevertretern. Rund 55.000 Euro haben die Stadt Frankfurt und der Regionalpark Rhein-Main dafür bereit gestellt, das Geld kam aus dem Topf „Städte wagen Wildnis“. Der Platz für die Sondermann-Statue wurde laut FNP-Artikel so gewählt, dass die Spaziergänger künftig auch den hinteren Teil des Nordparks besser kennenlernen sollen.

Sondermann wundert sich jetzt: Denn offenbar haben die Verantwortlichen weder vor noch nach der Enthüllung einen Fuß in den hinteren Nordpark gesetzt. Der zuständige Ortsbeirat versucht seit Jahren die Stadtpolitiker im Frankfurter Römer für das „Juwel“ (Ortsvorsteher Robert Lange) Nordpark zu interessieren. Vergebens. Zwar sei z.B. durchaus eine Sanierung des morschen Geländers am steilen Abgang zur Holzbrücke notwendig, dafür habe aber das zuständige Amt kein Geld. (siehe Parlis, Stellungnahme des Magistrats ST 1165 vom 29.07.2013). Der schwarz-grüne Magistrat konnte sich lediglich dazu durchringen, vor zwei Jahren einen Runden Tisch einzuberufen, der bis jetzt viermal getagt hat.

Heute zitiert die Frankfurter Rundschau Heike Reichert, die stellvertretende Leiterin des Amts für Straßenbau und Erschließung mit den Worten: Der Bedarf für eine neue Brücke sei noch nicht abschließend geklärt, denn das Bauwerk sei während der zweitägigen Bauwerksprüfung nicht sehr stark frequentiert gewesen.

Die Stadt schafft also Fakten: Sie kommt ihrer Verkehrssicherungspflicht nicht nach, kontrolliert offenbar nur alle paar Jahre die Sicherheit der Brücke und schafft somit die Voraussetzungen, dass sich niemand mehr in den Park traut. In unmittelbarer Nähe zum Weg Am Storchenhain, der zum Altarm im Nordpark führt, sind übrigens mehrere Kindertagesstätten. Den Park zu pflegen und den Heranwachsenden in Bonames das Gefühl zu geben, auch ihr Umfeld sei der Stadt etwas wert, könnte man auch als Präventionsmaßnahme verstehen.

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5 Gedanken zu “Bonameser Nordpark: Frankfurt wagt Wildnis, wo sich keiner wehrt

  1. Carmen 1. Juli 2014 / 09:45

    Die Piraten im Frankfurter Römer haben freundlicherweise in der Fragestunde der letzten Stadtverordnetenversammlung eine kleine Anfrage zur Holzbrücke im Nordpark gestellt, die aber nicht zufriedenstellend beantwortet wurde. So heißt es in der Antwort des Magistrats, die man auf den Seiten der ELF Piraten nachlesen kann:

    „Es ist in der Tat bedauerlich, dass die Holzbrücke über den Nidda-Altarm im Bonameser Nordpark wegen starker baulicher Mängel abgerissen werden muss. Dies umso mehr, als ein Zeitpunkt für einen möglichen Neubau angesichts der hierfür notwendigen finanziellen Mittel gegenwärtig nicht hinreichend bestimmt werden kann.“

    Die Fragen, die sich der interessierten Bürgerin nun stellen, lauten:

    1. Warum sind die Schäden an der Brücke erst aufgefallen, als sie schon soweit fortgeschritten waren, dass die sofortige Sperrung und der Abriss erfolgen muss?

    2. Wer hat wie häufig seitens der Stadt den baulichen Zustand der Brücke kontrolliert?

    3. Wie häufig und wann zuletzt wurden die Wege im hinteren Nordpark und auf den Wegen zu Holzbrücke beschnitten?

    4. Wann werden den Stadtverordneten und der Öffentlichkeit die Protokolle der Sitzungen des Runden Tischs Nordpark Bonames zugänglich gemacht?

    5. Was passiert mit den Vorschlägen des Runden Tischs?

  2. Carmen 14. September 2014 / 16:14

    Inzwischen liegen dem Magistrat Anträge der Ortsbeiräte 10 und 14 vor, die sich für einen Ersatz der maroden Brücke einsetzen. Vergangene Woche fand eine Ortsbesichtigung statt, an der neben Mitarbeitern des Grünflächenamts circa 80 Bonameser teilnahmen.

  3. Kristina 14. September 2014 / 19:54

    hallo, beim Ortstermin letzte Woche Montag wurde folgendes besprochen:

    http://www.fnp.de/lokales/frankfurt/Bonameser-wollen-Bruecke;art675,1024781

    Es ist die Frage, ob das Provisorium errichtet werden kann oder ob es vielleicht in 4?? Jahren wieder eine Holzbrücke gibt. Leider ist Bürgerbeteiligung im Rahmen von Planungswerkstätten in Frankfurt nur ein Lippenbekenntnis, denn die vorliegenden Ergebnisse wie beim Nordpark oder beim Bruchfeldplatz in Niederrad werden einfach ignoriert.

  4. Carmen 25. September 2014 / 16:31

    Heute berichtet die FAZ, dass die Brücke über den Nidda-Altarm bei Bonames erneuert werden soll, allerdings könne dies aus „haushaltstechnischen Gründen“ nicht vor 2017 geschehen.

    Das Engagement der BürgerInnen und der Orstbeiräte war insoweit erfolgreich, allerdings zeigt die Erfahrung, dass hierbei mit erheblichen Verzögerungen gerechnet werden muss. Es kann also durchaus 4 bis 5 Jahre dauern, bis die neue Brücke steht und der hintere Nordpark wieder begehbar ist.

    Weiterhin unklar sind meine o.g. Fragen und damit die Verantwortung für das Verkommen des hinteren Nordparks und der Brücke.

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